Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schöne, informative Wanderwege - Der Weiterweg in Gaildorf (Teil 18)

GAILDORF – Der Weiterweg im Wald einer Gaildorfer Wohltätigkeitsstiftung ist ein Erlebnisweg der besonderen Art. Seit 2008 hat er nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Er bietet Natur, Kunst, Lebensweisheiten, Meditation, Besinnung und christliche Impulse.

Gaildorf. Weiterweg im Wald. Erlebnisweg. Foto: Sigrid BauerGaildorf. Weiterweg im Wald. Erlebnisweg. Foto: Sigrid Bauer

Die Badeseen sind an diesem heißen Sonntag im Sommer überfüllt. Deshalb haben die beiden jungen Familien aus Mainhardt und Ehingen spontan beschlossen, den Weiterweg im Wald bei Gschwend, unweit von Gaildorf, zu besuchen. „Ich war hier schon mal mit meiner Kindergruppe und es hat allen sehr gut gefallen“, sagt Angelina Illini, Mutter zweier Kinder, die sich ehrenamtlich in der Kinderkirche ihrer Gemeinde engagiert. „Die Natur ist hier so schön, dazu die Stationen zum Innehalten und Nachdenken – das ist sehr gelungen. Der Weg ist offen für alle Menschen, es ist ein lebensbejahender Weg.“

Beeindruckt habe alle das Tal der Stille. „Auch die Kinder waren mucksmäuschenstill und haben die Natur beobachtet. Wir haben Kaisermantel-Schmetterlinge entdeckt, ein Eichhörnchen und sogar zwei Hasen“, erzählt die Mainhardterin. Ihr mitgebrachtes Mittagessen haben sich die beiden Familien an dem langen Tisch, dem Tisch des Friedens, schmecken lassen. „Schade, dass wir dieses Mal allein dort saßen. Bei meinem letzten Besuch haben wir dort eine andere Gruppe getroffen und mit ihnen unseren Kuchen geteilt. Die gemeinsame Tafel lädt dazu ein, das ist eine schöne Geste“, meint sie.

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Den Weiterweg gibt es seit 2008. Er beginnt bei Rotenhar im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald etwa 50 Kilometer nordöstlich von Stuttgart und gehört zum Wald der Gaildorfer Graf von Pückler und Limpurg’schen Wohltätigkeitsstiftung. In der Öffentlichkeit ist die Stiftung vor allem durch das Seniorenheim in Gaildorf bekannt. Dass der Stiftung auch ein 1700 Hektar großer Wald gehört, sei der Bevölkerung bisher kaum bekannt gewesen, erläutert Stiftungsgeschäftsführer Matthias Rebel. Und das, obwohl der Wald einen beträchtlichen Teil des Stiftungsvermögens ausmache. „Das wollten wir ändern.“

Der Gaildorfer Weiterweg - Kein reiner Bibelpfad sollte es sein

Rebel erinnert sich an eine Sitzung des Stiftungsrats, auf der zunächst die Idee eines Bibellehrpfads entstand. „Das war uns aber zu hausbacken“, stellt er fest. Überzeugt hat den Rat dann ein Konzept des Tübinger Künstlers Martin Burchard. Eine Mischung aus Besinnungsweg und Kunstpfad, eingebettet in die Natur des stark strukturierten und stufigen Mischwalds.

Gaildorf. Erlebnisweg Weiterweg. Foto: Sigrid BauerIm Tal der Stille, einer der zehn Stationen, stehen riesige Weißtannen und Buchen, in deren Schutz sich junge Bäume entwickeln. Der Weiterweg öffnet die Augen nicht nur für diese Baumriesen, sondern auch für Details am Rand der kleinen und größeren Wege. „Schön sind die Ruhebänke an besonderen Stellen“, sagt Angelina Illini. Die Bänke lenkten den Blick beispielsweise auf einen riesigen, alten Wurzelstock, auf dem neues Leben gedeiht: er dient einer jungen Birke und einer Kirsche als Untergrund. Oder in ein kleines Tal mit wunderbarem Baumbestand.

 

Die Himmelsleiter  (oben) und der Ring der Dunkelheit (unten) stehen für Ostern und Karfreitag. Foto: Sigrid Bauer

Erlebnisweg Weiterweg, Gaildorf. Ring der Dunkelheit. Foto: Sigrid BauerOder auf eines der Objekte Martin Burchards. Wichtig war dem Künstler, dass der Weg auch Menschen, die dem Christentum wenig abgewinnen können, anspricht. Deshalb stehen an jeder Station zwei Texttafeln, eine mit einem biblischen Impuls und eine zweite mit einer Lebensweisheit. Beides regt zum Nachdenken an. „Meine Arbeiten verstehe ich als Visualisierungen von Lebensweisheiten, Spiritualität und christlichem Glauben“, erklärt Burchard seine Kunstobjekte. Ein besonders gelungenes Beispiel ist für ihn die Installation „Leitplanken des Lebens“ aus echten Leitplanken, deren früherer Einsatz an Straßenrändern deutlich erkennbar ist. „Für Christen ist das die visuelle Übersetzung der zehn Gebote und ganz allgemein gesehen ein Bild für Regeln und Gesetze, um die Menschen vor dem Absturz zu bewahren“, sagt der freischaffende Künstler.

Die Doppelstrategie mit einem christlichen Text und einem allgemeineren, spirituellen Text ist für ihn essentiell, für einen reinen Bibellehrpfad war er nicht zu haben. „Davon gibt es schon zu viele“, meint er. Dankbar ist er der Pückler’schen Stiftung, dass sie den Weiterweg über die Jahre so gut instand hält und pflegt. Eigentlich war der Weg nur auf zehn Jahre angelegt. „Wir waren überrascht, dass der Besucherstrom kontinuierlich anhält“, räumt Matthias Rebel ein, der immer wieder offizielle Besuchergruppen über den Weiterweg führt, zuletzt eine mit Landwirtschaftsminister Peter Hauk. Ihn freut es, dass selbst in Krisenzeiten, wie der aktuellen Corona-Krise, der Weiterweg besondere Anziehungskraft hat.

Erlebnisweg Weiterweg - Der richtige Führer für jede Gruppe

Führungen gibt es auch für „ganz normale“ Gruppen. Sirka Epple organisiert sie mit ihrem Team aus Ehrenamtlichen. „Ich wohne ganz in der Nähe. Der Weg hat mich von Anfang an total begeistert. Heute noch geht mir hier das Herz auf“, verrät sie. Es gefällt ihr, den Menschen im Wald in Verbindung mit den Kunstwerken die christliche Botschaft zu vermitteln, so dass es jeder versteht. Epples Aufgabe ist es, für die verschiedenen Gruppen den jeweils passenden Führer zu finden. „Wir kommen alle aus verschiedenen Richtungen: Förster, Lehrer, gemeinsam ist nur, dass wir alle Christen sind“, erläutert Epple, die seelsorgerliche Lebensberaterin ist. In der ersten Zeit hätten vor allem christliche Gruppen nach einer Führung gefragt. „Inzwischen haben wir bei den Führungen oft weltliche Gruppen aus Betrieben, der Polizei oder vom Finanzamt. Ich denke, es ist die große Freiheit im Angebot, die den Leuten gefällt, die Lebensthemen und die Natur“, sagt sie.

Der große Tisch des Friedens lädt zum Sitzen ein. Foto: Sigrid BauerDer große Tisch des Friedens lädt zum Sitzen ein. Foto: Sigrid Bauer

Manfred Rehm war als Förster des über 900 Hektar großen Osterbachreviers, in dem der Weiterweg liegt, stark in die Planung und Umsetzung des Weiterwegs eingebunden. „Die Wegführung stammt aus meiner Feder. Es ging darum, einen kompakten Weg mit attraktiven Aussichts- und Ruhepunkten etwa im Tal der Stille und passende Stellen für die Kunstwerke zu finden“, erklärt er. Am bekanntesten sei der große Tisch des Friedens. Rehm erzählt: Während des Kalten Krieges in den 80er-Jahren hätten die Amerikaner in Mutlangen – nur etwa 15 Kilometer entfernt – bei Übungen ihre Pershing-Raketen mit LKW immer wieder auf anderen Kreuzungen in diesem Wald in Stellung gebracht. „An einer Wegkreuzung ragte eine Rakete 16 Meter in den Himmel Richtung Osten“, sagt Rehm. An dieser Stelle steht nun der große Tisch des Friedens. □

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