Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schwitzen statt sitzen

AALEN (Dekanat Ostalb) – Seit fast 20 Jahren gibt es in Aalen den Kocherladen des ökumenischen Vereins Aalener Tafel. Während es zu Beginn immer wieder Kritik an dem Angebot gab, hat sich die Aalener Tafel inzwischen etabliert. Etwa 250 Menschen besitzen derzeit eine Einkaufskarte. 


Engagiert seit fast zwei Jahrzehnten: Das Team vom Kocherladen der Aalener Tafel. (Foto: Jens Eber)

An so einem Tag kann man als Reporter nur im Weg stehen: Am Wochenende hatten die Ehrenamtlichen der Aalener Tafel in Supermärkten der Stadt mit der Aktion „Kauf Eins mehr“ auf ihre gute Sache aufmerksam gemacht. Einkaufende werden dabei darum gebeten, einen oder mehrere zusätzliche Artikel zu erweben und zu spenden.
Kurz vor dem ersten Advent klappte das prima, 80 Kisten mit Lebensmitteln kamen zusammen. Jetzt stapeln sie sich in allen Räumen des Tafelladens an der Bahnhofstraße, ehrenamtliche Helfer sortieren sie und bestücken die Regale bis zur Öffnung am Nachmittag.

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Etwa 250 Menschen besitzen derzeit eine Einkaufskarte für den Kocherladen, benannt nach dem nahen Flüsschen. Dahinter stecken einschließlich Familienmitgliedern rund 1000 Menschen. Dazu gehören Arbeitssuchende, Menschen mit geringer Rente, Alleinerziehende oder Studenten. Hinzu kommen Asylsuchende oder Menschen ohne festen Wohnsitz.

Ende der 1990er Jahre beschloss ein ökumenischer Kreis, einen Tafelladen zu eröffnen, damals noch ein Novum auf der Ostalb. Heute gibt es diese Tafeln in Ostwürttemberg auch in Ellwangen, Schwäbisch Gmünd Heubach, Bopfingen und Heidenheim.

Am 1. Februar 1999 öffnete der Kocherladen seine Tür, und jetzt, fast 20 Jahre später, ist er „ein wichtiger Knoten im sozialen Netz“ der Stadt, wie es Pfarrer Bernhard Richter von der Kirchengemeinde Aalen darstellt. Mittlerweile wird der Kocherladen von einem eingetragenen Verein betrieben, in dem die beiden Kirchengemeinden im Vorstand mitwirken.

Hannelore Melcher ist eine jener Helferinnen, die von Beginn an dabei sind. Sie hat erlebt, wie sich die Kundschaft veränderte. „Damals kamen viele alte Mütterchen mit schmaler Rente“, erzählt sie. Später bildeten Aussiedler einen Schwerpunkt, in den letzten Jahren kamen mehr und mehr Geflüchtete.

Immer wieder habe es auch Kritik gegeben, viele der Kunden hätten es gar nicht nötig, so günstige Lebensmittel einzukaufen. „Dieser Kritik entziehen wir über Kontrollen die Grundlage“, sagt Melche. Jeder muss nachweisen, dass er tatsächlich Bedarf an Lebensmitteln hat, die im „normalen“ Handel keine Verwendung mehr finden.

In der Beschaffung der Lebensmittel findet Gerhard Vietz eine seiner Herausforderungen. Vietz ist Projektleiter des Kocherladens und damit auch für das „Einsammeln“ der Waren in Aalener Geschäften zuständig. Moderne EDV-gestützte Warenwirtschaftssysteme in den Betrieben lassen immer präzisere Lagerhaltung zu, weiß Vietz. Im Umkehrschluss bleiben weniger Waren nahe am Mindesthaltbarkeitsdatum übrig, die der Tafel überlassen werden können. Daher sind Aktionen wie „Kauf Eins mehr“ oder Sammlungen in Aalener Schulen mittlerweile ein wichtiges Standbein.

Der Ruf des Ladens in der Bevölkerung sei grundsätzlich gut, sagt Ursula Hubel, die sich im Verein um die Finanzen kümmert. Das zeigt sich auch am Spendenaufkommen. Geldspenden darf der Verein zwar nicht verwenden, sie helfen aber, die Ladenmiete oder die Transportfahrzeuge zu finanzieren. Rund 30 hilfsbereite Menschen arbeiten regelmäßig mit, sortieren Obst und Gemüse, füllen die Regale oder sitzen an der Kasse. „Diese Ehrenamtlichen sind unersetzbar“, sagt Pfarrer Richter.

Dabei ist der Tafel-Verein nicht nur in der Versorgung bedürftiger Menschen eine wichtige Säule: Unter dem Motto „Schwitzen statt sitzen“, so Projektleiter Vietz, beschäftigt der Tafelladen auch Straftäter, die zum Ableisten sozialer Arbeit verurteilt wurden. Mehrere dieser Menschen seien dem Verein schon treu geblieben.

„Wir schauen zuversichtlich in die Zukunft“, sagt Pfarrer Richter. Dank motivierter Mitarbeiter werde man sich auch dem täglichen Kampf um die benötigten Lebensmittel stellen können.