Christliche Themen für jede Altersgruppe

Sehnsucht von Mensch und Gott - Impuls zur Predigt

Jesaja 65,17-25 (in Auszügen) Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Man soll in meinem Volk nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder für einen frühen Tod zeugen. Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören. Wolf und Lamm sollen beieinander weiden. Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der Herr.

Sehnsucht von Mensch und Gott

Impuls für den Ewigkeitssonntag: Jesaja 65, 17-19.23-25.

Von Friederike Wagner

Friederike Wagner ist Dekanin in Crailsheim. Foto: Privat

Das Volk Israel war hFriederike Wagner ist Dekanin in Crailsheim. Foto: Privateimgekehrt aus der Verschleppung nach Babylon. Wie wunderbar hatte man sich das ausgemalt in den Jahren in der Fremde: Man macht die Türe auf, betritt das Haus und es ist wieder so wie früher. Aber sie erleben, dass die Heimat nicht mehr das ist, was sie in ihrer Erinnerung war. Es gab wohl eine Rückkehr an den alten Ort, aber keine Rückkehr in das alte Leben. Es war schmerzlich zu sehen, dass Träume nicht so einfach in Erfüllung gehen. Enttäuschung und Verzweiflung prägten die Stimmung. Warum noch einmal Häuser bauen, wenn Feinde sie wieder zerstören können? Warum Kinder bekommen, wenn die keine Zukunft haben? Das Leben, nach dem wir uns sehnen für uns und für diese Welt, ist ein heiles Leben. Verschont von Krankheit und Unfällen. Ein Leben, in dem man keine Feuerwehr braucht, keinen Notarzt und keine Polizei. Ein Leben, in dem wir von dem Guten, um das wir uns bemüht haben, auch ernten können. Ein Leben, das Sinn macht und in dem unsere Gebete erhört werden, noch bevor wir sie aussprechen. Ein Leben, in dem es keine Bosheit gibt unter den Menschen und in dem die ganze Schöpfung einander freundlich zugeneigt ist.

Und nun verkündet Jesaja Gottes Sehnsucht für die Welt. Er zeigt ein Bild von Gottes Zukunft für seine Menschen. Und wir lesen und staunen: Gott wünscht sich für uns das, was wir uns ersehnen. Unsere Sehnsucht und Gottes Sehnsucht passen zusammen. Wer den Traum vom heilen Leben träumt, träumt Gottes Traum. Vielleicht ist es das, was uns so fasziniert an der Rede, die Martin Luther King 1963 am Lincoln Memorial in Washington gehalten hat. Da träumt einer Gottes Traum mit.

Das Volk, das aus der Gefangenschaft zurückkam, fand sich wieder am alten Ort – und dennoch haben sie Neuland betreten. Unsicher tasteten sie sich durch die Trümmer ihres vorigen Lebens, mussten erst herausfinden, wo sie anknüpfen konnten. So wie wir, wenn wir aus dem alten Leben vertrieben werden, einen Fuß vor den anderen setzen und schauen, was trägt.

Eine gute Aussicht

Und nun gibt Gott uns seine Träume zum Geleit. Bilder der kommenden Wirklichkeit. Er gibt uns eine gute Aussicht. Wie wenn ein Raum, in dem wir uns befinden, zweitrangig wird, weil die Aussicht aus dem Fenster so überwältigend ist. Es tut uns gut, wenn wir weiter sehen können als nur bis zur nächsten Hauswand. Es tut uns gut, eine Perspektive zu haben. Aus den Räumen, in denen wir arbeiten, leben, lieben, leiden und sterben zeigt Gott uns einen Blick auf die Zukunft, die er für uns bereithält.

Noch sind wir nicht da. Noch umschließen uns die Wände unseres Zimmers, die Grenzen unseres Lebens und Glaubens. Aber wir haben einen Ausblick auf das, was Gott, der Allmächtige, mit und für uns träumt. Wir haben eine gute Aussicht.

Foto: unsplash/Richard Bell

Gebet

Meine Zeit steht in deinen Händen.

Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.

Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.

Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.

Amen.

Aus Evangelisches Gesangbuch Nr. 628

 

Foto: unsplash/Richard Bell