Christliche Themen für jede Altersgruppe

Sonne in der Nacht

Ein Glas, das auch im Dunkel leuchtet – mit Sonnenkraft? Der schwäbische Jungunternehmer Stefan Neubig hat es in Südafrika entdeckt und dafür gesorgt, dass es millionenfach auf der ganzen Welt leuchtet. Damit hat er auch vielen Menschen einen Arbeitsplatz verschafft. 

Stefan Neubig ist immer noch fasziniert vom Sonnenglas. (Foto: Pressebild)

„Ich hatte einfach nur Ideen, die ich umsetzen wollte.“ Hielte Stefan Neubig ein Seminar für künftige Unternehmer, würde er denen wohl raten: „Hören Sie auf, Unternehmer werden zu wollen. Verwirklichen Sie einfach Ihre Ideen!“ Und sie würden staunend zu dem 31-jährigen Schwaben blicken, der erfolgreich wie wenige deutsche  Sozialunternehmer ist.

Stefan Neubig ist anders, als man sich einen Unternehmer vorstellt. Es gibt kein weltmännisches Gehabe, kein Protzen. Er ist einfach und lässig gekleidet, wohnt in Albstadt – düst aber unentwegt um die Welt: Johannesburg, Singapur, Barcelona, Tokyo. Economy, wohlgemerkt, niemals Business Class.
Stefan Neubig erzählt, seine Eltern seien typische Schwaben gewesen, „ultrasparsam und immer am Arbeiten“. Vater Neubig war Winzer, ein Rund-um-die-Uhr-Job. Urlaub gönnte er sich nicht. Nach dem Abitur nahm Stefan sich vor, niemals nur für den Lebensunterhalt zu arbeiten. Etwas Sinnvolles wollte er tun.

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Woher dieser Antrieb kam? Stefan Neubig überlegt. Der Glaube könnte etwas dazu beigetragen haben. Konfirmandenunterricht fand er „super spannend“. An eine christliche Freizeit während seines Zivildienstes erinnert er sich gut. Nordschweden. Es ging um Selbstfindung. „Die Werte des christlichen Glaubens trage ich seitdem innerlich wie einen Kompass mit mir herum“, sagt er, „wahrscheinlich ist es eine Folge davon, Dinge tun zu wollen, die etwas dazu beitragen, dass die Welt besser wird.“

Während seines Digital-Media-Studiums hatte er die erste Idee für so ein Produkt. Er und ein Freund ärgerten sich über Abo-Fallen. Für IT interessierten sie sich schon lange. Also entwickelten sie im Jahr 2008 einen Online-Dienst, durch den Nutzer an ihre Abo-Kündigungsfristen erinnert werden und Verträge mit wenigen Klicks kündigen können. „Abo-Alarm“ war geboren. Ein David-gegen-Goliath-Projekt. Viele fanden das nützlich. Bald waren Neubig und sein Geschäftspartner Chefs einer Firma mit 30 Mitarbeitern. Ein großer Medienkonzern kaufte den beiden den „Abo-Alarm“ ab. Binnen weniger Jahre, ungeplant und ohne Startup-Hybris, war Stefan Neubig Millionär geworden.

Eigentlich hätte er nun das Leben genießen können. Doch das volle Konto war für ihn kein Grund, sich zur Ruhe zu setzen. „Ich habe es als Verpflichtung empfunden, das Geld für etwas neues Nützliches einzusetzen!“

Das Neue hatte er schon entdeckt, im Winter 2013, in einem Restaurant nahe Kapstadt. Es stand auf dem Tisch und leuchtete. Ein Einmachglas. Im Deckel eine Solarzelle. Klappt man einen kleinen Drahtbügel um, spenden LEDs warmwohliges Licht – ohne Kabel oder Batteriewechsel. Stefan Neubig ist begeistert: „Heute wirkt es irgendwie so trivial für mich, aber ich weiß noch, dass mich das unendlich faszinierte. Eine Solarlampe, zur Perfektion reduziert. Und mit einem riesigen Nutzen.“ In Regionen, in denen der Strom oft ausfällt, ist das „Sonnenglas“ eine ideale Alternative zu Öllampen oder Fackeln. Darüber hinaus ein wunderschönes Deko-Objekt, inzwischen designpreisprämiert, mit hohem Öko-Faktor.

Stefan Neubig fand heraus, dass das „Sonnenglas“ von Menschen aus den südafrikanischen Townships hergestellt wird. Er besuchte die Firma und brachte ein paar Gläser mit nach Hause. Bekannte waren begeistert, wollten auch so ein Glas haben. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

Neubig gründete eine neue Firma: „Sonnenglas GmbH“. Heute hat sie 20 Angestellte und beliefert ganz Europa, die USA und Japan mit Sonnengläsern. Mehr als eine halbe Million im Jahr. So kann die Herstellerfirma in Johannesburg mittlerweile mehr als 70 Männern und Frauen einen sicheren, sozialverträglichen Arbeitsplatz bieten, der Fair-Trade-Standards entspricht. Neubig optimiert das Produkt stetig und entwickelt es für die Weltmärkte weiter. Auch setzt er sich dafür ein, dass fast nur nachhaltige Materialien benutzt werden. „Für mich ist Erfolg immer ein Resultat von einer Leidenschaft oder von Verliebtsein in etwas“, sagt er – und klappt staunend wie beim ersten Mal den Drahtbügel auf den Sonnenglasdeckel. Und siehe: Es leuchtet.

 

 

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