Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Teamgeist ist gefragt“

ALTENSTEIG (Dekanat Calw-Nagold) – Michael Nonnenmann leitet seit 1993 die renommierte Christophorus-Kantorei in Altensteig. In den 25 Jahren seiner Tätigkeit hat er über 500 junge Menschen für die Chormusik begeistern können. Im Gespräch mit Bärbel Altendorf-Jehle erzählt er von seinen Erfahrungen.

Dirigent Michael Nonnenmann in seinem Element. (Foto: Pressebild)

Was unterscheidet die Christophorus-Kantorei von anderen Chören?

Michael Nonnenmann: Die Chormitglieder sind alle Schülerinnen und Schüler des Christophorus-Gymnasiums Altensteig. Mit rund 30 Konzerten im Jahr, Projekten wie Konzertreisen, Oratorien, CD-Produktionen und Wettbewerben und einem breitangelegten Repertoire sind wir aber nicht mit einem normalen Schulchor vergleichbar. Die Christophorus-Kantorei hat ihren Schwerpunkt bei der geistlichen Chormusik, von dem aus die ganze Welt der Chormusik erschlossen wird. Wir sind aber kein Internatschor, wie oft angenommen wird. Die Choristen wohnen alle zu Hause und kommen an drei Abenden in der Woche zur Probe.

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Über die Jugend von heute sagt man, sie kommuniziere nur noch über das Internet. Wie schaffen Sie es, junge Menschen für den Chor zu gewinnen?

Michael Nonnenmann: Da sehe ich vor allem zwei Gründe: Das Gemeinschaftserlebnis und die chorische Qualität. Ersteres ist unvergleichbar größer als in einer WhatsApp-Gruppe! Zum anderen ist unser Anspruch, Chormusik auf hohem Niveau zu bieten. Das ist attraktiver, als Musik nur passiv über das Internet zu konsumieren. Der große Höhepunkt im Jahr ist die zweiwöchige Pfingsttournee, die uns schon in fast alle Kontinente geführt hat. Eine weitere Motivation ist die Teilnahme an Wettbewerben. Hier sind intensive Probenarbeit und Teamgeist gefragt. Allein in den vergangenen zwei Jahren haben wir an drei internationalen Wettbewerben teilgenommen und kamen immer mit einem ersten Preis oder einer Goldmedaille zurück.

Junge Menschen für weltliche Chormusik zu begeistern ist vielleicht noch nachvollziehbar, doch für Kirchenmusik? Wie schaffen sie das?

Michael Nonnenmann: Die geistliche Chormusik mit ihrer Schönheit und kompositorischen Qualität fasziniert Jugendliche auch heute noch. Als evangelischer Religionslehrer liegt mir sehr viel an der Vermittlung der gesungenen Texte. In den letzten Jahren haben wir mit Friederike Rademann als Choreographin Mendelssohns „Elias“ und Bachs „Johannespassion“ szenisch auf die Bühne gebracht, für unsere Jugendlichen waren das prägende Erfahrungen mit geistlicher Musik. Ein weiterer Bezug zur Kirchenmusik ist die Chorleiterausbildung, die ich in Zusammenarbeit mit Bezirkskantor Peter Ammer und Pfarrerin Christa Albrecht anbiete. Infolgedessen werden zahlreiche Kirchenchöre in der Region von aktiven und ehemaligen Chormitgliedern der Christophorus-Kantorei geleitet.


Schaffen Sie es dadurch, dass diese Chormitglieder auch später der klassischen Musik offen gegenüber stehen?

Michael Nonnenmann: Viele singen später in Kantoreien oder Kammerchören weiter oder leiten selbst einen Chor. Das aus ehemaligen Chormitgliedern zusammengesetzte Altensteiger Vokal-ensemble trifft sich regelmäßig zu Proben und Konzerten. Alle drei Jahre laden wir Ehemalige ein, bei oratorischen Projekten mitzusingen. Die Begeisterung für die Chormusik bleibt also auch nach der Schulzeit erhalten.


Ein Chor verlangt stillstehen oder stillsitzen, Disziplin, Ordnung. Ist das heute noch mit Kindern und Jugendlichen möglich?

Michael Nonnenmann: Durch das achtjährige Gymnasium mit seiner zeitlichen Verdichtung und dem zunehmenden Medieneinfluss machen wir auch die Erfahrung, dass die Konzentrationsfähigkeit nachlässt. Aber da hilft unsere konsequente Aufbauarbeit mit Chorklassen in der Unterstufe, dem Christophorus-Kinderchor, so dass die Kinder und Jugendlichen langsam in die Christophorus-Kantorei hineinwachsen. Ein wichtiger Faktor ist auch die individuelle Förderung in der Einzelstimmbildung bei Jeannette Bühler und Samuel Schick, insbesondere für die Jungen in der Phase des Stimmwechsels.


Was ist Ihnen als Chorleiter wichtig bei Ihrer pädagogischen Arbeit?

Michael Nonnenmann: Immer wieder die Balance zu finden zwischen musikalischem Anspruch und sozialem Miteinander, zwischen Disziplin und Freude, Konzentration und Entspannung. Eine ständige Herausforderung ist es, die Jungen zum Singen zu bringen. Außerdem ist mir der ganzheitliche Aspekt der Chorarbeit wichtig: die Jugendlichen sollen durch das Singen eine Beziehung zu ihrem Körper bekommen.


Was ist Ihnen wichtig, musikalisch an junge Menschen weiterzugeben?

Michael Nonnenmann: Geistliche Chormusik, das reiche Erbe von Schütz, Bach, Mendelssohn Bartholdy und anderen zu pflegen und immer neu zu interpretieren ist für mich das Rückgrat der Chorarbeit. Aber ich möchte auch das Repertoire erweitern und suche ständig neue Stücke, die den Chor motivieren und weiterbringen: zeitgenössische Chormusik, experimentelle Stücke, Gospels, Popsongs und Stücke mit weltlichem Text.


Was macht Ihnen am meisten Freude?

Michael Nonnenmann: Die jährliche zweiwöchige Pfingstreise ist auch für mich der Höhepunkt eines Chorjahres, weil die Gruppe musikalisch und menschlich zusammenwächst. Fast jeden Abend bildet das Konzert den gemeinsamen Abschluss des Tages. Mit jedem Konzert wird der Chorklang homogener und ausdrucksstärker, bis alle beim Abschlusskonzert das ganze Konzertprogramm auswendig beherrschen.


Welches persönliche Fazit ziehen sie über diese 25 Jahre?

Michael Nonnenmann: Jedes Jahr muss der Chor neu aufgebaut und motiviert werden, da die Abiturientinnen und Abiturienten den Chor verlassen, dies ist für mich eine ständige Herausforderung. Die schulpolitische Rahmenbedingungen machen die Chorarbeit schwieriger und die Organisationsarbeit wird Jahr für Jahr komplexer. Aber die Begeisterungsfähigkeit und Leistungsfähigkeit unserer Jugendlichen motiviert mich immer wieder neu!¦


Die Christophorus-Kantorei ist der Chor des Christophorus Musikgymnasiums in Altensteig. Mehr im Internet: www.christophorus-kantorei.de