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Tröpfchen für gute Tropfen - Know how aus Israel

Für Weinbau braucht man Wasser. Doch Süßwasser ist kostbar – und der Klimawandel bringt in vielen Regionen der Welt die Verhältnisse durcheinander. Rund um den Weinbauort Iphofen hat der Kampf schon begonnen. Man profitiert dort von Wissen aus Israel.

Die Iphöfer Winzerin Andrea Wirsching experimentiert mit Tröpfchenbewässerung im Weinberg. Foto: Volker SchrankDie Iphöfer Winzerin Andrea Wirsching experimentiert mit Tröpfchenbewässerung im Weinberg. Foto: Volker Schrank

Die Sommer werden heißer, die Vegetationszeiten länger. Weinfreunde können dem Klimawandel wenigstens die positive Seite abgewinnen, dass im vormals rauen Deutschland in Sachen Weinbau bei immer höherer Qualität immer mehr möglich wird. Derweil kämpft man in den Weinbergen rund um Kitzingen in Unterfranken immer häufiger mit Trockenheit, Sommerhitze und Wassermangel.

Wie in anderen Weinbaugegenden fällt durch den Klimawandel auch hier mal zu viel Regen auf einmal. Doch in der Regel ist die Gegend um Iphofen ein regelrechter Dürrefleck auf der unterfränkischen Landkarte. Der Main ist schon zu weit weg, um noch direkt mit Flusswasser nachhelfen zu können, wenn Niederschläge ausbleiben. Und das ist immer öfter der Fall. Während in Südbayern im Durchschnitt 1000 bis 1200 Millimeter Regen im Jahr fallen, waren es in Iphofen 2018 nur 470. Selbst im langjährigen Durchschnitt sind es gerade einmal 600 Millimeter – Tendenz fallend. Schon seit fast 20 Jahren treibt die Winzer in der traditionsreichen Weinbauregion die Sorge um die Zukunft um.

 

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Die Iphöfer Winzerin Andrea Wirsching arbeitet eng mit einem israelischen Weingut zusammen. Dutzende solcher Partnerschaften gibt es in ganz Deutschland. Wirschings Weingut profitiert bereits auf 15 von seinen 90 Hektar Anbaufläche von israelischem Know-how in Sachen Tröpfchenbewässerung. Denn die Bewässerungsprobleme, die es nun auch in Deutschland gibt, kennen die Israelis schon länger.

Dabei gibt es das israelische Partnerweingut von Andrea Wirsching selbst erst seit rund zehn Jahren. Es befindet sich in Kfar Kishorit, einem Dorf im galiläischen Bergland, das auf rund 600 Metern Seehöhe liegt. Knapp 200 Menschen mit besonderen Bedürfnissen leben hier gemeinsam mit Nichtbehinderten. Inspiriert von der Kibbuz-Bewegung leben und arbeiten alle zusammen.

Weintrauben hell. Foto: pasja1000 /pixabayFoto: pasja1000 /pixabay

Die Gegend ist uraltes Weinland, wie nicht nur die Bibel bezeugt. Erst im April 2019 legten Archäologen nur wenige Kilometer entfernt in Chorazin am See Genezareth eine 1500 Jahre alte steinerne Weinpresse mit Mosaikboden frei. Das Neue Testament erwähnt die jüdische Stadt, die von Jesus wegen der Ablehnung seiner Lehren verurteilt wurde.

Noch an vielen anderen Orten in Israel haben Archäologen ähnliche Weinpressen gefunden. Doch spätestens als die Kreuzfahrer aus dem Heiligen Land vertrieben waren, war es mit dem Weinbau im nunmehr arabisch-muslimischen Palästina für Jahrhunderte so ziemlich vorbei. Heute produzieren israelische Winzer auf einer Gesamtanbaufläche von 5000 Hektar (Deutschland hat rund 100 000 Hektar) sehr gute, aber auch teure Weine. Viele werden koscher hergestellt.

Das kleine Land ist dabei heute weltweit führend in sparsamen Bewässerungstechniken. Daniel Heßdörfer, Bewässerungsexperte der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim, hat im Kreis Würzburg mit israelischer Tröpfchenbewässerungstechnologie ein Pilotprojekt des Freistaats initiiert.

Trockenstress ade -Tröpfchenbewässerung aus Israel

Keiner sei so gut im Einsatz und der Vernetzung vorhandener Technik wie die Israelis, sagt Heßdörfer. Dabei geht es auch um digitalisierte Messungen, die dem Weinberg „den Puls fühlen“ und zum Beispiel durch Drohnenflüge mit Wärmebildkameras herausfinden, welche Pflanze gerade Trockenstress hat. Anders als bei einer Sprinklerbewässerung verdunstet bei der Tröpfchentechnik kein Wasser. Stattdessen kommt das Wasser an genau einer Stelle im Boden an, die auch durchlässiger wird. Oberflächenverluste minimieren sich so.

Als Vater der Tröpfchenbewässerung gilt Simcha Blass (1897 – 1982). Der Sohn einer chassidischen Familie wurde in Warschau geboren. Nach einem Ingenieur- und Landwirtschaftsstudium in Polen wanderte er 1927 nach Palästina aus. Eine tropfende Wasserleitung soll Simcha Blass auf seine bahnbrechende Idee gebracht haben: Ein Freund hatte ihm einen Baum gezeigt, der ohne Wasser zu wachsen schien. Der Boden um den Baum herum war völlig trocken, aber aus einer ein paar Meter entfernten Leitung tropfte regelmäßig Wasser. Blass experimentierte und verringerte den Wassereinsatz um bis zu 40 Prozent.

„Es gibt in Israel heute nur einen einzigen Winzer, der ohne Bewässerung arbeitet“, erklärt die Iphöfer Winzerin Andrea Wirsching. Aber auch der betropfe seine Reben in den ersten Jahren, „erziehe“ sie so, bis ihre Wurzeln das Grundwasser erreichen. Schräg liegende Gesteinsschichten machen die Sache am Schwanberg komplizierter: In einer einzigen Lage können die Grundwasserverhältnisse binnen wenigen Metern unterschiedlich sein.

Trauben im Trockenstress: Das Luftbild aus dem Sommer 2018 zeigt, wo die Reben am Iphöfer Julius-Echter-Berg besonders unter Wassermangel leiden. Foto: Iphöfer

„Ohne Bewässerung wird es bei uns in Zukunft keinen Qualitätsweinbau geben“, davon ist Wirsching überzeugt. Leiden Reben unter extremem Trockenstress, tritt ein Effekt ein, den Experten „Notreife“ nennen. Die Rebe wirft alle Energie ins Überleben. Das schmeckt man im Wein, aber es schmeckt nicht gut. Mit der Bewässerung von Wein müsse man jedoch vorsichtig sein, sagt die Winzerin. Man dürfe den Reben schon etwas zumuten, sie sollen sich anstrengen für gute Trauben. „Wenn sie ständig bewässert werden, ist das wie bei verwöhnten Kindern, die mit Chips und Cola vor der Glotze sitzen: Es kommt nix Gutes dabei raus“, sagt sie lachend. Es gehe darum, mit minimalem Wassereinsatz maximale Ergebnisse zu erzielen.

Wirschings Weingut hat 30 Festangestellte und kann die Investitionen von rund 10 000 Euro pro Hektar stemmen. Dazu kommen noch die Kosten für den laufenden Betrieb. Kleinere Winzer tun sich da schwerer.

Sie scheuen die Kosten, solange eine entscheidende Frage ungelöst ist: Wo soll all das Wasser herkommen, und wie soll man es speichern? Darüber diskutiert man sich seit Jahren die Köpfe heiß. Dezentrale Regenwasserzisternen könnten eine Lösung sein, eine zig Millionen teure Zuleitung vom Main samt Speicher ebenfalls. Nur über eines herrscht Einigkeit in Iphofen: dass es auch in Unterfranken in Zukunft viel mehr Wassermanagement brauchen wird als in der Vergangenheit. Und dass man von Israel in diesem Punkt eine Menge lernen kann.

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