Christliche Themen für jede Altersgruppe

Verlassene Großeltern - Selbsthilfegruppe und Großeltern-Akademie

Endlich Oma, endlich Opa! Wie freut man sich, wenn der eigene Nachwuchs dann Nachwuchs bekommen hat und man eine ganz neue Rolle ausfüllen darf. Doch manche Großeltern dürfen plötzlich ihre Enkel nicht mehr sehen. Deswegen haben sich in Ulm verlassene Großeltern zu einem Vortrag getroffen und über ihre Erfahrungen gesprochen.

Senioren. Ehepaar. Oma und Opa. Traurig. Foto: adobe stock/FabioFoto: adobe stock/Fabio

Mehr als eine Stunde ist eine der Betroffenen für einen Vortrag über Großeltern, die Enkel-Kontakt-Verbot haben, nach Ulm hergefahren. Sie will anonym bleiben. Vor drei Jahren hat sie zum letzten Mal ihre Enkelin und ihren Sohn gesehen. Die Familie wohnt nur ein paar hundert Meter entfernt. Sie erzählt: „Es war so, dass die Schwiegertochter Spätgebärende war, also Risikoschwangere. Das Kind war dann als nicht ganz gesund diagnostiziert worden.“ Die Schwiegertochter wurde nach der Geburt depressiv. „Dann kam es zu der Situation, dass ich zwei Fragen gestellt habe, die meine Schwiegertochter anders interpretierte als ich sie gemeint hatte.“

Einmischung ist keine gute Idee

Die Fragen will sie nicht nennen. Jedenfalls wurde daraufhin die Beziehung zu ihr gekappt. Sie habe ihre Aussage nochmal korrigieren wollen, aber das hat nicht geklappt. Ihren Sohn habe sie nicht in die Verlegenheit bringen wollen, sich auf eine Seite zu schlagen: Frau oder Mutter? Deshalb halte sie sich seither an das Kontaktverbot. Es fällt ihr sehr schwer, ihren Sohn und ihr Enkelkind nicht mehr zu sehen. Über Umwege habe sie dann erfahren, dass sie zum zweiten Mal Oma geworden ist.

Jetzt interessiert sich diese Oma für eine Selbsthilfegruppe, in der sich verlassene Großeltern austauschen können. Die wollen Marianne und Reinhard Kopp aus Illerrieden im Alb-Donau-Kreis gründen. Dort soll nicht über die eigenen Kinder oder Schwiegersöhne und -töchter geschimpft, sondern konstruktiv an das Thema heran gegangen werden.

Die Kopps sind zwar nicht selbst betroffen, erleben aber in ihren Großeltern-Seminaren, die sie von ihrer Online-Großelternakademie aus halten, immer wieder Omas und Opas, die Enkel-Kontaktverbot haben. Zum Beispiel, weil die Eltern des Enkels einen Ehekonflikt hatten. Marianne Kopp: „Dann nimmt die Schwiegertochter die Kinder und geht und bestraft ihren Mann – und gleichzeitig ihre Schwiegereltern, obwohl die wahrscheinlich gar nichts dafür konnten.“

Es könne aber auch sein, dass Eltern sich auf die Seite ihres Sohnes stellen, obwohl der die Ehe in den Sand gesetzt hat. „Dann kann ich die Schwiegertochter auch verstehen, wenn die sagt: Solche Leute brauche ich nicht.“ Ein häufiger Grund: Oma und Opa haben sich zu sehr in die Ehe oder die Erziehung eingemischt. Marianne Kopp: „Wie viele Großeltern haben sich bei uns schon beschwert, was die Kinder alles dürfen und dass mit denen diskutiert wird. Manche Oma hat gesagt, dann gebe ich denen eine hinter die Ohren, dann ist alles gut.“ Das ist aber eine Straftat, davon rät Marianne Kopp ausdrücklich ab.

Es ist traurig, wenn man seine Enkelkinder nicht mehr sehen kann. Foto: adobe stock/ De VisuFoto: adobe stock/ Halfpoint

Es ist traurig, wenn man seine Enkelkinder nicht mehr sehen kann. Foto: adobe stock/ De Visu
Was für ein gutes Team Opa und Enkeltochter sein können. Foto: adobe stock/ Halfpoint

Bei manchen geht es darum, was die Kinder essen dürfen und was nicht. Da füttern die Großeltern hinter dem Rücken der Eltern Süßigkeiten. Großeltern sollten sich aber an den Ernährungsstil der Eltern halten. Sonst brächten sie auch das Kind in die Klemme, wenn das den Eltern nicht erzählen darf, dass es Süßes gegessen hat. Oder sogar zum Lügen ermuntert werde.

Wo ist die Mama vom Papa?

Auch wenn viele Großeltern grundsätzlich in guter Absicht handelten – es sei wichtig zu verstehen: Die eigenen Kinder muss man nicht mehr erziehen, und sie wiederum erziehen ihre Kinder selbst. Statt weniger oder gar kein Kontakt wäre mehr Verständnis und Selbstreflexion für beide Seiten wichtig, finden die Kopps. Denn für die Enkelkinder sind die Großeltern wichtig im Leben. Selbstreflexion falle Omas und Opas aber oft schwer, so die Erfahrung der Kopps aus ihren Seminaren.

Deshalb haben sie für diese nun ein Arbeitsbuch entwickelt. Gleichzeitig müssten sich ihre Kinder auch fragen, ob ihr Verhalten immer richtig ist. Reinhard Kopp erzählt von Betroffenen, die immer die Enkel abgenommen und betreut hatten. „Und plötzlich ging’s nicht mehr. Aus gesundheitlichen oder terminlichen Gründen. Da haben dann die Enkel-Eltern blockiert und gesagt: Nö, wenn du nicht mehr für uns da bist, ist es vorbei.“

Viele der Verlassenen halten es schwer aus, ihre Enkel nicht aufwachsen zu sehen. Sie warten am Kindergarten, senden ihren Enkeln Geschenke, die unausgepackt zurückkommen, sie verkriechen sich, werden depressiv, erzählen auf Festen, dass alles gut sei und denken sich Geschichten aus oder meiden andere glückliche Großeltern.

Reinhard und Marianne Kopp, Grosseltern-Akademie. Foto: Privat Foto: Privat

Marianne und Reinhard Kopp raten: Raus aus der Opferrolle. Da könnte die Selbsthilfegruppe helfen. Oder man kann an das Enkelkind Briefe schreiben, die man nicht abschickt, aber für später sammelt. Oder ein Konto für das Enkelkind anlegen. Dann sieht das Enkelkind später, wenn es mal erwachsen ist, dass Oma oder Opa immer an es gedacht haben.

Die verlassene Zweifach-Oma hatte bisher ihre eigenen Strategien, um mit ihrer Trauer klarzukommen. „Ich begann, ein Enkeltagebuch zu schreiben. Vielleicht fragen die beiden Mädchen ja eines Tages: Wo ist eigentlich die Mama vom Papa – also ich?“ Außerdem habe eine Bekannte gefragt, ob sie Lust hätte, deren Enkelkinder mit zu betreuen. „Da habe ich mir Ersatz-Enkelkinder gesucht – oder besser gesagt: Sie sind mir zugefallen. Ich dachte, gut, dann ist das jetzt meine Aufgabe.“ □

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Vorträge und Seminare

Reinhard und Marianne Kopp, Grosseltern-Akademie. Foto: PrivatDer ehemalige Pastor Reinhard Kopp und seine Frau, die Bloggerin Marianne Kopp, haben im schwäbischen Illerrieden bei Ulm die „Großeltern-Akademie“ gegründet. Sie haben vier Kinder und drei Enkel.

In ihren Seminaren und bei ihren Vorträgen werben sie dafür, sich zu engagieren, ohne sich einzumischen. Es gelte die Ansage der Eltern.

Auf der Seite www.grosselternakademie.de gibt es viele Informationen und Tipps zum Großelterndasein.