Christliche Themen für jede Altersgruppe

Verstehen ohne Worte - Impuls zur Predigt

1. Korinther 14,1.10-12 Strebt nach der Liebe! Es gibt vielerlei Sprachen in der Welt, und nichts ist ohne Sprache. Wenn ich nun die Bedeutung der Sprache nicht kenne, werde ich ein Fremder sein für den, der redet, und der redet, wird für mich ein Fremder sein. So auch ihr: Da ihr euch bemüht um die Gaben des Geistes, so trachtet danach, dass ihr sie im Überfluss habt und so die Gemeinde erbaut.

 

Verstehen ohne Worte

Impuls für den 2. Sonntag nach Trinitatis: 1. Korinther 14,1-12(23-25).

Von Jörg Martin Schwarz

Jörg Martin Schwarz ist Pfarrer in Ochsenhausen im Kirchenbezirk Biberach. Foto: Privat

Der Anruf kam unvermittelt, die Bitte war ungewöhnlich. Die Großmutter bat um einen Termin für ein Taufgespräch. Getauft werden sollte die Enkeltochter. Es folgten Erklärungen. Das Elternpaar war gehörlos, daher vermittelte die Großmutter zunächst am Telefon und war dann auch beim Taufgespräch mit dabei. Moderne Apps und Messenger-Dienste, die Sprache in Worte verwandeln konnten, waren eine Hilfe auch in den Wochen der Vorbereitung. Im Gottesdienst selbst sollte eine Gebärdendolmetscherin dabei sein, der ich Liturgie und Ansprache vorab zugesandt hatte. Und dann am Abend vor dem Taufgottesdienst spät die Absage der Gebärdendolmetscherin wegen Erkrankung. Was sollte nun werden? Das Vertrauen der Taufeltern war groß und so versuchte ich mich selbst, laienhaft, intuitiv, mit Gebärden, Gesten, Mimik, einer elementaren Sprache und viel Ruhe, die ich eigentlich vor lauter Aufregung gar nicht hatte. Eineinhalb Jahre später bei der zweiten Taufe war dann schon alles fast normal und die Freude beim Wiedersehen riesengroß.

„Es gibt vielerlei Sprachen in der Welt, und nichts ist ohne Sprache“, schreibt der Apostel Paulus nach Korinth. „Wenn ich nun die Bedeutung der Sprache nicht kenne, werde ich ein Fremder sein für den, der redet, und der redet, wird für mich ein Fremder sein.“

Jörg Martin Schwarz ist Pfarrer in Ochsenhausen im Kirchenbezirk Biberach. Foto: PrivatKommunikation gehört zu den Grundbedingungen des Lebens. Wir kommunizieren in vielerlei Sprachen, bewusst, manchmal auch unbewusst, in Worten und Gesten, in Symbolen und Körpersprache, manchmal auch durch Schweigen. Es geht darum gegenseitiges Verständnis herzustellen. Sprachen und Kulturen können unterschiedlich sein und wir sind dennoch immer wie „eingesponnen in Kommunikation“, wie es der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick einmal ausdrückte.

Die Gemeinschaft der Gläubigen in Korinth bestand aus Menschen unterschiedlichster kultureller Prägungen und sozialer Herkünfte. Dennoch hatte sie ein gemeinsames Anliegen, nämlich die befreiende Botschaft von Jesus Christus in ihrer Umwelt weiterzugeben und dabei auch den Schritt der Inklusion zu wagen, gemeinsam verschieden zu sein. Wie sollte das aber konkret kommuniziert werden? War es möglich, vor diesem Hintergrund mit einer Stimme zu sprechen?

Gemeinsam verschieden

Gaben des Geistes ermittelt der Apostel im Überfluss in der Gemeinschaft der Christinnen und Christen in Korinth. Nicht umsonst betont der Apostel, dass es nun darum geht, gemeinsam die Gemeinde zu erbauen.

Auf der Frühjahrssynode dieses Jahres sprach Landesbischof Frank Otfried July in seinem Bischofsbericht über die aktuellen Herausforderungen einer aufgeschlossenen Kirche. Sein Bild, das er zeichnete, war eine Kirche, die „aus der Notwendigkeit des Evangeliums“ herausgefordert und zum Reden verpflichtet sei und bezeichnete dabei die Seelsorge sogar als die „Muttersprache der Kirche“.

„Strebt nach der Liebe“, schreibt der Apostel Paulus. Kommunikation kann gelingen, davon ist er überzeugt: Unter dem Vorzeichen der Liebe. Das nämlich ist Kommunikation in leichter Sprache.

Foto: unsplash/Kelly SikkemaFoto: unsplash/Kelly Sikkema

 

Gebet

Gott, schenke uns Worte, die Grenzen überwinden können und helfen, einander Mut zu machen.

Bleibe uns zugewandt, damit auch wir uns einander zuwenden können – in Liebe.

Schenke uns dazu Deinen Heiligen Geist.