Christliche Themen für jede Altersgruppe

Viele krasse Begabungen - Jugendkonferenz des EJW "Younify"

LUDWIGSBURG – Singen, beten und diskutieren: Auf der christlichen Jugendkonferenz „Younify“ kamen über 1000 Teilnehmer zusammen. Stargast der Veranstaltung des Evangelischen Jugendwerks Württemberg (ejw) war Samuel Rösch, Gewinner der Castingshow „Voice of Germany“.

Samel Roesch auf der Unify

Samuel Rösch in Aktion: Der Sänger spricht offen über seinen Glauben. (Foto: Brigitte Jähnigen)

„Glauben darf doch auch Spaß machen, finden Sie nicht?“, fragt unvermittelt die Nebensitzerin im Veranstaltungssaal der MHP-Arena. Begeistert hat sie gerade Samuel Rösch applaudiert. Der Gewinner von „Voice of Germany“ aus dem vergangenen Jahr präsentierte gemeinsam mit der „Younify“-Live-Band einige seiner Lieder.

Unübersehbar ist die Nebensitzerin altersmäßig in einem anderen Lebensabschnitt als die Berichterstatterin. Doch Musik verbindet. Zumal, wenn ein Sänger und Songwriter wie Samuel Rösch so sympathisch über die Bühne kommt. Dass Musik Brücken schlägt, bestätigt Rösch auch selbst, als ihn Moderatorin Damaris Binder nach seinem Glauben befragt. Die gesellschaftlich häufig gebrauchte Aussage „Wenn du nur willst, kannst du es schaffen“, sieht er kritisch. Man brauche schon Unterstützung, nicht nur von der Familie und Freunden, sondern auch „von Gott“. Gott habe „so viele krasse Begabungen in Menschen gelegt“, man müsse sie nur nutzen.

Rösch macht seinen Glauben öffentlich. Zwar hat er derzeit seinen Masterstudiengang aufgegeben. Doch er kann sich trotzdem vorstellen, künftig wie geplant als Religionslehrer zu arbeiten. Seine Künstlerkollegen finden es „zu 99 Prozent positiv“, dass er über sein Christsein spricht. Und nun bekommt auch die Nebensitzerin ihre Frage beantwortet: Ja, Glauben darf auch Spaß machen.

 

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Younify - Musik und Vorträge zum Glauben

„Warum interessieren Sie sich so für Interkulturalität?“, fragt zwei Stunden später die nächste Nebensitzerin. Nach der Session mit Mihamm Kim-Rauchholz im großen Saal sind einige Zuhörer der Theologieprofessorin in den Businessclub des Hauses gefolgt, wo man nach jedem Vortrag auf der Jugendkonferenz die Redner im Anschluss persönlich ansprechen kann. Kim-Rauchholzs Vortrag ist von allen vier der ungewöhnlichste. Der Titel: „Das eine Evangelium und die vielen Kulturen“. Sie zeigt die Sichtweise einer Christin, die in Korea geboren und in Deutschland und Korea sozialisiert ist. Ihr Fazit: Die Kernwerte von Kulturen sind unterschiedlich. Man sollte sie kennen, um sich gegenseitig nicht zu verletzen. Jeder Mensch, jede Kultur und jedes Volk brauchten Erlösung und Heilung.

Theologieprofessorin Mihamm Kim-Rauchholz hat über kulturelle Unterschiede gesprochen.
(Foto: Brigitte Jähnigen)

Younify - Interkulturalität -  Werte in anderen Kulturen

1994 kam Mihamm Kim nach Tübingen, um ihr im südkoreanischen Seoul begonnenes Theologiestudium fortzusetzen. Im Albrecht-Bengel-Haus geriet sie heftig mit einem Mitstudenten aneinander. Als Koreanerin zu Höflichkeit erzogen, erlebte sie ihr Gegenüber als unangemessen unhöflich, was nach deutscher Kultur aber als ehrlich definiert werden konnte. „Gleicher Glaube, gleiche theologische Ausrichtung, wie kann es sein, dass wir beide an das Evangelium Jesu Christi glauben und trotzdem Welten voneinander entfernt sind?“, fragte sich Mihamm Kim.

Eine Umfrage bei einer internationalen Konferenz an der Internationalen Hochschule Liebenzell ergab: Ehrlichkeit, Pünktlichkeit, Sauberkeit nannten deutsche Studenten als wichtigste Werte ihrer Kultur. Die koreanischen Teilnehmer bekannten sich zur Höflichkeit als wichtigstem Wert. Ein Gebot von Konfuzius, das in der koreanischen Gesellschaft tief verankert sei, heiße: „Mit einem unhöflichen Menschen sollst du keinerlei Gemeinschaft haben, sondern du sollst ihn konsequent meiden.“

Mihamm Kim-Rauchholz nennt solche Werte „Kernwerte“. „Auch viele Deutsche empfinden Höflichkeit als wichtig, doch die Priorität ist etwas anderes“, sagt die Theologieprofessorin. Was also ist zu tun, gerade in einer Zeit, in der die deutsche Gesellschaft mit Einwanderern anderer Kulturen konfrontiert ist und so manche Erwartungen enttäuscht werden – auf beiden Seiten

„Jesus ist Gott, nicht unsere verschiedenen Kulturen sind sein Maßstab“, erinnert Kim-Rauchholz. In der Flüchtlingsarbeit versperrten oft sogenannte Tugenden den Zugang zu biblischen Texten. Kulturelle Werte seien kein absoluter Maßstab, um Andersdenkende zu Feinden zu machen. „Gott hat die Menschen anderer Kulturen, die in unser Land kommen, in Gang gesetzt, Gott hat die deutsche Gesellschaft geöffnet“, sagt Mihamm Kim-Rauchholz.

Christen ständen an der Frontlinie, Kompromisse zu finden und Kulturen miteinander zu versöhnen. „Alles ist möglich dem, der da glaubt." Markus 9,23. Die deutsche Gesellschaft kann Geschichte schreiben, wenn sie sich ihrer christlichen Werte besinnt“, ist sie überzeugt.

Jetzt kann auch diese Frage der Nebensitzerin beantwortet werden. Die Berichterstatterin interessiert sich für Interkulturalität, weil es im Zusammenleben mit Menschen gar keine Alternative gibt. Dass Glauben Spaß machen darf und die Begegnung von Menschen unterschiedlicher Kulturen schon zum Alltag vieler junger Leute gehört, bestätigen die Musiker, die im Foyer der MHP-Arena Pausen nutzen, um auf die Bewegung „Ten Sing“ aufmerksam zu machen.

Sie singen, sie musizieren, sie fordern zum Mitsingen bekannter Stücke auf. „Ten Sing“ ist eine Form musikalischkulturell-kreativ-christlicher Jugendarbeit innerhalb des CVJM und stammt ursprünglich aus Norwegen. Es ist Jugendarbeit von Jugendlichen für Jugendliche. „Wir vertreten Ten Sing in Baden-Württemberg“, sagt Lea Igney. „Wir gehen auf christliche Events wie heute, machen Werbung, laden zu Seminaren ein und werden von Schulen eingeladen“, erzählt die 24-Jährige. Dort vermittle Ten Sing, dass der Wert eines Menschen nicht von seiner Leistung abhänge.

Younify - Gebet als Schlüssel zur Veränderung

In einem weiteren Vortrag berichtet die Theologin Bettina Becker von ihrer Arbeit im Kinder-Kulturzentrum „Villa Wertvoll“ in Magdeburg. Sie ermutigt die Teilnehmer, Grenzen zu überschreiten, auch wenn dies nicht einfach sei. Mit großen Erfolgsgeschichten könne sie nicht aufwarten. Für sie hängt Erfolg jedoch nicht von Zahlen ab, sondern davon, ob Menschen geliebt werden. Menschen sollten keine „Missionsobjekte“ sein, sagt Becker. „Ich kann sie nicht verändern. Unsere Aufgabe ist es, zu den Menschen zu gehen und sie zu lieben, und das ist schon schwer genug.“

Christoph Lang gehört zu den Älteren an diesem Tag. Er ist Französisch- und Religionslehrer und bietet Teilnehmern von „Younify“ an, mit ihm zu beten, Ruhe zu finden. „Vielleicht möchte ja jemand etwas ansprechen, was ihn in den Vorträgen berührt hat“, sagt Lang. Die ältere Generation sollte für die jüngere beten, findet er. Ein Gebet könne der Schlüssel für eine persönliche Veränderung sein.

„Früher hat das ejw einen Jugendtag in Stuttgart veranstaltet. Doch dann fühlten sich viele von dieser Art nicht mehr angesprochen“, erklärt Eberhard Fuhr die Intention von Younify. Wer zum Kongress komme, suche Impulse für das persönliche Glaubensleben und die Arbeit in Jugendgruppen, sagt der Pressesprecher des ejw.

Faszinierend findet er, wie sich junge Leute ehrenamtlich bei diesen Treffen einbrächten. Sie kämen nicht nur zum großen Marktplatz, um für ihre Aktionen und Institutionen zu werben, sie gestalteten auch die aufwändige und hoch professionelle Technik der Bühnen-Show mit Bildwerk-Team und Videoproduktionen. „Auch das ist evangelische Jugendarbeit: etwas auszuprobieren und sich auf künstlerische Art ausdrücken“, sagt Fuhr.

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