Christliche Themen für jede Altersgruppe

Vom Umgang mit Fehlern

1. Timotheus 1,12-16  Ich danke unserm Herrn Christus Jesus, der mich stark gemacht und für treu erachtet hat und in das Amt eingesetzt, mich, der ich früher ein Lästerer und ein Verfolger und ein ­Frevler war; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, denn ich habe es unwissend getan, im Unglauben. Es ist aber desto reicher geworden die Gnade unseres Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist. Das ist gewisslich wahr und ein teuer wertes Wort: Christus Jesus ist in die Welt gekommen, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin. Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, dass Christus Jesus an mir als Erstem alle Geduld erweise, zum Vorbild denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben.



Impuls zum Predigttext für den 3. Sonntag nach Trinitatis: 1. Timotheus 1,12-17.  Von Ralf Horndasch


Pfarrer Ralf Horndasch ist ­Direktor der Evangelischen Diakonissen­anstalt Stuttgart. (Foto: privat)

Es ist viel leichter, Fehler bei anderen zu sehen als bei mir selbst. Und aus diesem Grund ist es sicherlich auch einfacher, von Sünden und Fehlern im Allgemeinen zu reden als von meinen Sünden und meinen Fehlern.
Paulus aber macht genau das. Er redet von sich – und das im Blick auf seine eigenen Fehler.
Seine Worte an Timotheus sind zum einen zwar grundsätzliche theologische Aussagen, doch andererseits bezieht Paulus das, was er schreibt, sehr direkt auf sich selbst.
Jesus ist gekommen, um die Sünder zu retten. Das ist die christologische Grundaussage der neutestamentlichen Schriften. Aber es ist eben nicht nur Theorie. Für Paulus hat das mit ihm selbst und mit seinem Leben zu tun. An Paulus selbst wird deutlich, was das bedeutet.
Er beschreibt sich als den ersten unter den Sündern. Paulus macht keinen Bogen um seine eigenen Fehler. Er steht zu ihnen. Er beschreibt sein vorchristliches Leben sogar in sehr abwertender Weise und mit klaren Worten. Von sich selbst spricht er als Lästerer, Verfolger und Frevler.
Das ist gar nicht so leicht. Immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich um meine eigenen Fehler und um meine Schattenseite einen großen Bogen mache. Ich verstecke sie vor anderen und auch vor mir selbst. Wer lässt sich schon gerne den berühmten Spiegel vorhalten? Und wer hält ihn sich selbst vor?
Der deutsche Schriftsteller und Philosoph Georg Philipp Friedrich von Hardenberg, der vielen unter dem Namen Novalis bekannt ist, schrieb in seinen Tagebuchaufzeichnungen: „Es ist nichts schwerer, als mit sich selbst Geduld zu haben – seine eigene Schwachheit zu tragen.“
Wenn ich die Worte des Paulus im 1.Timotheusbrief lese, dann habe ich den Eindruck, dass es zu allererst nicht darauf ankommt, sich selbst in die Augen zu schauen und mit sich selbst Geduld zu haben. Das Erste und Wichtige ist das, was Paulus im Anschluss daran schreibt: Gottes Barmherzigkeit. Und zur Barmherzigkeit Gottes gehört seine Geduld mit uns Menschen.
Wie gut, dass Gott Geduld mit mir hat. Wie gut ist das, wo ich doch selbst manches Mal so ungeduldig mit mir selbst bin. Mir reißt der Geduldsfaden manches Mal allzu schnell. Gottes Geduldsfaden ist sehr viel belastbarer. Gott sei Dank!
Wie oft bin ich mit mir unzufrieden und kann es mir nicht verzeihen, dass ich eben so bin wie ich bin?
Ich kann mich selbst manchmal nicht leiden und kenne mich in manchen Situationen selbst nicht mehr.
Immer wieder ertappe ich mich, wie ich mich und mein Verhalten nicht ändere, obwohl ich doch ganz anders sein möchte.
Mit mir selbst unzufrieden und ungeduldig zu sein, ist, als hätte ich den Weg verloren. Jesus zeigt den Weg. Er zeigt den Weg zurück zum Leben, indem er mich versteht und mir geduldig begegnet. Jesus hat immer wieder die gesucht, die sich selbst im Leben verloren hatten, die sich selbst nicht in die Augen schauen konnten.
Jesus holte Menschen aus ihrer Verlorenheit, indem er mit Sündern am Tisch saß und Feste feierte, sich den Zwielichtigen wie Zachäus, dem Zöllner, zuwandte oder auf Außenseiter zuging.
In seiner Nähe atmeten die Menschen auf und konnten sie selbst sein. In seiner Nähe erfuhren sie Liebe und lernten zu lieben. In seiner Nähe konnten sie aufatmen. „Darum ist Christus Jesus in die Welt gekommen – um die Sünder selig zu machen.“



Gebet
Deine Geduld ist größer als ich es mir vorstellen kann, guter und barmherziger Gott. Wo wir schon lange nicht mehr weiter wissen, da siehst Du einen Weg. Du gehst auf uns zu. Du wartest auf uns. Hab Dank dafür. Denn so können wir es auch wagen, zu uns selbst zu stehen. So können wir den nächsten Schritt im Leben tun.
Amen.