Christliche Themen für jede Altersgruppe

Von der Kuh zum „Projekt Q“ - Ackerbau und Predigt

MERKLINGEN (Dekanat Blaubeuren) – Das Auflesen von Ackersteinen mit eigenen Gedanken verbinden. Die Vorbereitung des Bodens für neues Leben mit Neuem für sich selbst verknüpfen. Beim Unkrautzupfen sich selbst Luft verschaffen und beim Ernten das Leben anpacken. Das bieten ein Pfarrer und ein Landwirt nun an. Bis dahin war es ein steiniger Weg.

Bettina Ruhland und Cornelius Küttner mit Kindern bei der Kartoffelernte (links) Foto: PrivatBettina Ruhland und Cornelius Küttner mit Kindern bei der Kartoffelernte (links) Foto: Privat

Schon lange trug Merklingens Pfarrer Cornelius Küttner eine Idee in sich. Der zunehmenden Lebensgeschwindigkeit wollte er etwas entgegensetzen, das Tempo drosseln, den realen Lebensbezug fördern. Konkret wurden seine Gedanken im Umgang mit älteren Betreibern eines Biohofs und dem Ehepaar Bettina und Andreas Ruhland. Bettina Ruhland engagiert sich im Kirchengemeinderat, Andreas Ruhland ist Automechaniker und arbeitet im Nebenberuf als Landwirt. Langsam entwickelten Küttner und die Ruhlands ein Konzept, wie Menschen bei landwirtschaftlicher Arbeit im Einklang mit der Natur ins Gleichgewicht kommen können.

Die Kooperation mit Ruhlands als Betreiber der Bio-Ackerflächen sowie dem Milchviehbetrieb mit Hof empfand Küttner als optimale Voraussetzung, um landwirtschaftliche Auszeiten anzubieten. Er wagte selbst, völlig unerfahren, seine ersten Schritte zwischen Kuh und Kanzel. Für diesen Spagat halbierte er seine Stelle als Gemeindepfarrer, erhielt aber zur Umsetzung seiner Idee von der Landeskirche einen Projektauftrag für neue Aufbrüche. Dass der Weg steinig wird, war dem Pfarrer in Stellenteilung, Vater von zwei Kindern und Ehemann einer Lehrerin bewusst.

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Auf einem halben Hektar baute Küttner vergangenes Jahr mit den Ruhlands Kartoffeln, Kürbisse, Karotten und Rote Beete an. „Wir sind auf der Albhochfläche keine Gemüsebauern, aber die Idee hat uns gefallen“, sagt Ruhland zum ökologischen Gemüseprojekt im Dorf. „Wer hier arbeitet, lernt vertrauensvolle Nähe zum Boden schätzen, der einen trägt“, war schließlich auf einem großen Plakat zu lesen.

Arbeit und Verkündigung - Der Pfarrer im Spagat

Gemeindemitglieder verfolgten das Tun ihres säenden, pflanzenden, gießenden und den Acker pflegenden Pfarrers – der „natürlich unter Anleitung vom Profi Andreas Ruhland“ arbeitete, wie er betont. Menschen kamen zum Plausch an den Acker, manche halfen mit und auch Schulkinder betätigten sich bei der Ernte, die an einem Stand in der Dorfmitte zum Verkauf angeboten wurde. Das Projekt, das Aufmerksamkeit, Mühe und Handarbeit erforderte, stieß im Dorf auf positive Resonanz. Doch mit der Ernte nahm der Pfarrer Abschied vom Hofprojekt mit den Kühen, denn die Betreiber fühlten sich noch nicht in der Lage, ihr Lebenswerk weiterzugeben.

Küttner blieb geduldig. „Auch wenn wir buckeln, können wir aufrecht durchs Leben gehen“, sei einer seiner Gedanken dazu gewesen. Und siehe da, wieder einmal habe sich alles bestens gefügt. Gleich neben dem bewirtschafteten Gemüseacker konnten die Paare Küttner und Ruhland, die mittlerweile eine kleine GbR – eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts – gegründet haben, ein weiteres Grundstück pachten. Darauf steht eine Holzhütte. Nicht das,  was sich Cornelius Küttner ursprünglich als Anlaufstation für seine Schäfchen vorgestellt hatte, aber dafür mit kleinem Zauber versehen und so passend warm und ursprünglich zu dem, was sich entwickelte: Von April bis Oktober werden hier nun handfeste Tageskurse mit Tiefgang angeboten. Überschrieben sind sie mit „Projekt Q – geerdet sein – gehimmelt leben“. So kam Küttner im Lauf der Zeit also von der Kuh zum „Projekt Q“.

Abenteuerspielplatz Acker. Foto: RuhlandFür die Kleinen gibt es auf dem Acker viel zu entdecken. Foto: Privat

„SteinZeit – hartes Leben anpacken“ ist der Titel des ersten Projekt-Angebots. Hier erleben Teilnehmer eine handfeste Zeit auf dem Acker bei hochwertiger Verpflegung. Hinzu kommt ein Steingestaltungskurs mit Kunsttherapeutin Sandra Steck. Nicht zu vergessen sind ein Gutschein für einen vier Kilogramm schweren Erntekorb und die Impulse zur Begleitung durch den Tag.

Landwirte verrichten steinharte Arbeit

„Auf der Suche nach Ackersteinen begegnest du den eigenen Steinen deiner Biografie und lernst sie in dein Leben einzubauen“, regt Küttner an. Steinklauben also nicht als lästige, den Rücken quälende Tätigkeit, sondern als eine Art Meditation: Welche Steine liegen mir auf dem Herzen? Welche Steine versperren mir den Weg? Über die Gedanken beim Auflesen, bei der Betrachtung von Steinhügeln oder natürlichen Schutzwällen geht es ins Gespräch. Und dann, sagt Küttner, kann sich Kirche anders zeigen: Austausch, abladen, Halt erfahren, sich gesehen und gesegnet fühlen. Erfahrungen, die am Ende des Tages in einem Kunstwerk aus Stein zum Ausdruck kommen. Ein weiteres Angebot gibt es ganzjährig in vertraulicher Zusammenarbeit mit dem Business-Coach Jürgen Schneider, der in einem multinationalen Unternehmen tätig ist. Hier werden in geschützter Umgebung individuelle Fähigkeiten und Kräfte herausgearbeitet.

Auf die „SteinZeit“ folgt dann die „KeimZeit“, die Leben beginnen lässt. In diesem Kurs erleben Teilnehmer die Vorbereitung des Bodens für neues Leben auf dem Gemüseacker. Im Zusammenspiel mit einem Pferd als Arbeitstier startet die Vorbereitung zum Beginn für Neues. Die wieder „handfeste Zeit“ auf dem Acker, das Häufeln der Erde mit einem Pferd von Christel Erz begleiten lebensechte Impulse.

Die Früchte des eigenen Ackerbaus können einen Menschen sehr zufriedenstellen. Foto: Privat

Auf das steinharte Angebot und die keimende Zeit folgen „RausZeit“ und „ErnteZeit“. Hier werde dem Leben Luft verschafft und das Leben mit vollen Händen gepackt, verrät Küttner, der damit noch lange nicht am Ende seines Angebots ist: „Bewegte Zeiten“ nennt er weitere Projekte von Juni bis September mit sportlichen Aktivitäten. Außerdem, so verrät er, plant er „echte Männerrunden am Lagerfeuer, in denen es auch mal deftig zugehen kann. Da ist der Mann ein Mann und es wird nichts gedeckelt“.

◼ Anmeldung zu den Angeboten und mehr unter www.projektq.org