Christliche Themen für jede Altersgruppe

Warten auf Neues - Impuls zur Predigt

Jeremia 31,31.33 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen. Und das soll der Bund sein: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.

Warten auf Neues

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Exaudi: Jeremia 31,31-34.

Von Matthias Vosseler

Matthias Vosseler ist Pfarrer an der Stuttgarter Stiftskirche. Foto: Privat

 

„Vernimm o Gott, mein lautes Rufen, sei mir gnädig und erhöre mich.“ Dieser Gebetsruf aus Psalm 27,7, der im Lateinischen mit den Worten „Exaudi Domine“ beginnt, gab diesem Sonntag Exaudi seinen Namen. In den Tagen zwischen Himmelfahrt und Pfingsten ist die christliche Gemeinde eine wartende Gemeinde. Sie wartet so wie damals die Frauen und Männer um Jesus.

Nach seiner Himmelfahrt gingen sie nach Jerusalem zurück, trafen sich zum Gebet und warteten auf das, was Jesus ihnen verheißen hatte. Die Tage zwischen Himmelfahrt und Pfingsten sind Tage des Wartens, des Hoffens und des Betens. Sie sind Tage des Glaubens an das, was Jesus verheißen hatte: Dass sie mit dem Heiligen Geist ausgerüstet werden, mit dem sie ihr Leben gestalten sollen.

Auch in der Situation, die uns der Prophet Jeremia schildert, geht es um ein Warten auf eine Zusage Gottes, nämlich einen neuen Bund. Dieser neue Bund wird anders sein, als es die bisherigen Bundesschlüsse waren. Die bisherigen Bundesschlüsse wurden vom Volk Israel immer wieder übertreten. Der neue Bund, der ins Herz geschrieben wird, den die Menschen sozusagen auswendig können werden, ist ein Bund, der nicht übertreten werden kann. Der neue Bund setzt den alten nicht außer Kraft, davon ist hier nicht die Rede, aber er wird etwas unvergleichlich Anderes sein.

Das ganze Kapitel in Jeremia 31 deutet das an. Es geht um Heimkehr und Aufbau, das Ende der Klagen, Säen und Ernten und eben einen neuen Bund, den Gott mit den Menschen schließt. Das ist Leben in einer neuen Qualität.

Tage des Wartens, des Rufens, des Betens und des Glaubens. Auch das Frühjahr 2020 ist für mich eine solche Zeit. In den Wochen der Corona-Krise ohne öffentliche Gottesdienste, und trotzdem nicht ohne Gebet und nicht ohne Gemeinde, habe ich mich oft gefragt: Was will uns Gott sagen? Wo will er unser Leben korrigieren und neu ausrichten?

Ich frage mich auch: Wie will Gott Gemeinde bauen, wenn Vertrautes wegfällt und sich auf einmal analog und digital ganz neue Wege und Möglichkeiten ergeben? Wie soll in Zukunft Gemeinde gestaltet werden, wenn ganz deutlich wird, dass sich diese Wochen in vielem nachhaltig auf unsere Kirche auswirken und diese verändern werden?

Warten auf eine Zusage Gottes

Wo will Gott auch den Blick über uns, unsere Gegend hinaus ausrichten? Die Zeit der Krise soll uns nicht blind machen für unsere Nächsten. Die Verheißungen beim Propheten Jeremia und die Rede von den Völkern waren Verheißungen, die eben nicht nur das eigene und den eigenen Horizont im Blick hatten. Und auch im Geschehen von Himmelfahrt und Pfingsten ist die Gemeinde als weltweite Gemeinde im Blick.

Die Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten ist keine untätige. Martin Luther sagt dazu: „Christus ist gen Himmel gefahren, nit dass er für sich selbst da sitze, sondern dass er da regiere, alles uns zugut, dass wir Trost und Freude davon haben. Er mußte sich gerade unseren leiblichen Augen entziehen, um uns ganz nahe sein zu können. Der Erhöhte schlummert nicht, er ist nicht müßig, sondern er ist wirksam hierunten, schenkt den Seinen den Heiligen Geist, dass man kann predigen, taufen, Sünden vergeben, die Leute trösten, dass der Teufel muß schwitzen. “

Foto: Philip Ackermann/UnsplashFoto: Philip Ackermann/Unsplash

 

Gebet

Als mein Gebet immer andächtiger wurde, da hatte ich immer weniger zu sagen.

Zuletzt wurde ich ganz still.

So ist es: Beten heißt nicht sich selbst reden hören, beten heißt still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört.

Sören Kirkegaard

 

 

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Meinungsumfrage

Wollen Sie die Sommer- oder die Winterzeit behalten, wenn es keine Zeitumstellung mehr gibt?

Ergebnis anzeigen