Christliche Themen für jede Altersgruppe

Weihnachten ins Spiel bringen

Einmal Maria sein – das ist der Traum vieler Kinder, die alljährlich beim Krippenspiel mitmachen. Heute sind es allerdings vor allem Grundschul- oder Kindergartenkinder, die an Weihnachten auf der Bühne stehen. Dementsprechend haben sich die Texte geändert, die inszeniert werden. 


Ein Fall für Kinder: Krippenspiel in der Immanuelkirche in Berlin-Prenzlauer Berg. (Foto: epd-bild)

Weihnachten ohne Krippenspiel? Kaum vorstellbar. Zumindest in den Familien ist der Besuch eines Gottesdienstes Pflicht, in dem die Geschichte von Jesu Geburt szenisch gezeigt wird. Für sie gehört das Krippenspiel an Heiligabend genauso dazu wie der Tannenbaum. „Für die Kinderkirche ist das Krippenspiel der Höhepunkt der Jahres“, weiß Frank Widmann, der Landespfarrer für die Kinderkirche in Württemberg. „Über 90 Prozent der Kinderkirchen machen ein Weihnachtsspiel.“ Obwohl seit Jahren die Regelmäßigkeit des Besuchs der Kinderkirche abnimmt – an Weihnachten wollen alle dabei sein.
Frank Widmann, 52, ist nicht nur von Amts wegen für die Kinderkirchen zuständig. Er schreibt selbst Singspiele für Weihnachten und ist seit Jahren als ehrenamtlicher Mitarbeiter der Kinderkirche in seiner Gemeinde in Esslingen bei den wichtigsten Proben im Jahr dabei: Dann, wenn für den großen Auftritt an Heiligabend geübt wird. Für den vierfachen Vater ist das Krippenspiel mehr als nur ein Event: „Es ist eine Predigt, die Kinder den Erwachsenen halten – und die hören zu.“

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Was er allerdings in den vergangenen Jahren beobachtet hat: Die Kinder, die mitspielen, werden immer jünger. Deshalb, sagt Widmann, seien jetzt oft auch Eltern bei den Proben dabei. „Fünft- oder Sechstklässler sieht man nur noch selten. Wer früher anfängt, hört auch früher wieder auf.“

Für den Kinderkirchpfarrer der Landeskirche ist das zwar bedauerlich, aber er weiß, dass diese Entwicklung einem allgemeinem gesellschaftlichen Trend entspricht: Den Kleinen wird viel zugetraut, ihre Eltern wollen sie nicht warten lassen und auf später vertrösten. Alles zu seiner Zeit? Eher nicht. So gibt es dann eben Krippenspiele, in dem die Maria ohne Spickzettel verloren wäre und es zwar viele niedliche Engel und knuffige Schäflein gibt. Doch die machen sich dann selbst bei der Aufführung nur unter dem guten Zuspruch der Betreuer auf den Weg nach Betlehem. Das Krippenspiel, vorgeführt von den Allerkleinsten, gleicht so weniger einer Predigt in Spielform als einem Wimmelbild in Aufruhr.

Peter Hitzelberger ist seit fast 30 Jahren auf der Suche nach Texten, die Weihnachten ins Spiel bringen. Der katholische Theologe arbeitet im Verlag Junge Gemeinde und hat schon viele Sammelbände mit Krippenspielen herausgebracht. Auch er kennt den Trend nur allzu gut, dass Maria und Josef immer jünger werden: „Wenn ein Stück von Kindern im Vorschulalter aufgeführt wird, müssen die Texte sprachlich entsprechend heruntergebrochen sein“, sagt Hitzelberger. Diese Spiele sind nicht immer einfach zu finden, auch wenn er über ein großes Netzwerk verfügt.

Viele Gemeinden schicken ihm ihre Texte zu, rund 15 Spiele sind in einem Band versammelt, alle drei Jahre gibt es einen neuen. Da gibt es Gereimtes und Nichtgereimtes, Musicals und Singspiele. „So wie die Bibel mit den Evangelisten unterschiedliche Schlaglichter auf das Weihnachtsgeschehen wirft, so haben auch die Krippenspiele unterschiedliche Schwerpunkte.“ Mal steht die Herbergssuche im Vordergrund, mal sind es die Weisen aus dem Morgenland oder die Tiere im Stall als Glaubenszeugen. Selbstverständlich gibt es auch aktuelle Bezüge in den Texten, so wird in einem Spiel zum Beispiel die Geburt Jesu als Schlagzeile bei einer Redakteurskonferenz besprochen.

Doch mit Aktualisierungen, die etwa mit dick aufgetragener Konsumkritik an das schlechte Gewissen appellieren, kann Hitzelberger wenig anfangen und nimmt solche Texte auch nicht auf. Die Frohe Botschaft, moralinsauer verpackt – das ist für ihn so undenkbar wie für manchen ein Heiligabend ohne Tannenbaum.