Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wer bietet mehr? - Auktion zugunsten der Kirchengemeinde

HÜLBEN – Einmal im Jahr werden mit viel Gaudi in Hülben Gaben versteigert. Auch Dienstleistungen wie ein Ständchen vom Posaunenchor oder ein Kurs mit dem Mountainbike. Der Clou: Die Gebote füllen nicht den Geldbeutel des Anbieters, sondern die Gemeindekasse.

Hülben. Den Auktionatoren macht die Arbeit sichtlich Vergnügen. Foto: KirchengemeindeHülben. Den Auktionatoren macht die Arbeit sichtlich Vergnügen. Foto: Kirchengemeinde

Einen fränkischen Sauerbraten samt Knödel und Blaukraut hinzubekommen gehört eigentlich nicht zur theologischen Kernkompetenz. Aber diese Mahlzeit muss Hülbens Pfarrer Jörg Breitschwerdt demnächst liefern, wenn Diethelm Scheu an der Pfarrhaustür klingeln wird, mit klaren Erwartungen: „Wir wollten mal ins Pfarrhaus und dort den Braten essen.“

Klingt ziemlich übergriffig, ist aber Diethelms Scheus gutes Recht: Zusammen mit einigen Freunden hat er sich das 300 Euro kosten lassen. Auf der Hülbener Gabenversteigerung – für einen guten Zweck.

Auf der protestantischen Landkarte ist Hülben schon ein bedeutenderer Ort. Hier geht noch einiges mehr an Kirche als anderswo. 2013 hat die Gemeinde die Jugendreferentin Tina Hering eingestellt, um die Arbeit des CVJM mit 300 Mitgliedern und 80 Mitarbeitenden zu koordinieren. Das Besondere daran: Ihr Gehalt stammt nicht aus Kirchensteuermitteln, sondern wird komplett eigenfinanziert. So wie die Gemeinde auch die Arbeit des Hülbener Missionars Matthias Kullen in Peru mitbezahlt hat.

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Auktion zu Gunsten der Gemeinde - Sprüche klopfen gehört dazu

Das Geld wurde mit mit vielen Dingen eingesammelt: vom Maultaschenessen bis zum Sponsorenlauf. Und im Jahr 2015 dann mit einer Premiere: der Gabenversteigerung. Katrin Möck brachte diese Idee aus Giengen an der Brenz mit, wo sie vorher gewohnt hatte.

Das Konzept: Gemeindemitglieder bieten etwas an. Etwas zum Kaufen, eine Dienstleistung, ein Event, oder anderes. Am Anfang war es gar nicht so einfach, die Gemeindemitglieder dafür zu begeistern, erinnert sich Christian Kächele. Er hat als erstes oft gehört: „Ja, was isch denn dees?“ Mit Katrin Möck und anderen ging er auf Werbetour: in den Kirchenkreisen, beim Jugendsonntag, in persönlichen Gesprächen.

Auch die Jugend ist bei der Versteigerung dabei. Kirchengemeinde Hülben. Foto: KirchengemeindeAuch die Jugend ist bei der Versteigerung dabei. Kirchengemeinde Hülben. Foto: Kirchengemeinde

Und so sammelten sie die Angebote, die dann im November auf einem Gemeindeabend vorgestellt wurden. Mit einem Mindestpreis. Wenn sich nun mehrere Besucher für ein Angebot interessierten, trieben Christian Kächele und Diethelm Scheu als Versteigerer die Preise hoch. Die Einnahmen landen nicht bei den Anbietern – die spenden ihr Angebot. Die Einnahmen sind für die Finanzierung der Jugendreferentin gedacht.

Rund 5000 Euro kamen bei der letzten Versteigerung im November 2019 zusammen. Die Hülbener hatten im Vorfeld knapp 50 Angebote zusammenbekommen. Unterschiedlichster Art. Manche sind schon Klassiker, für die man ordentlich überbieten muss, wie das Geburtstagsständle des Posaunenchors: 120 Euro wurden dafür bezahlt, das Mindestgebot lag bei 20 Euro. Die Expedition in die nahe Gustav-Jakob-Höhle ist ebenso beliebt. Es gibt auch Events wie den Mutschelabend beim Ehepaar Kächele, Kulinarisches von Cookies aus dem Pfarrhaus (mit 24 statt 5 Euro auch ein Premiumpreis) bis zum Spanferkelessen am Schwimmteich, Praktisches wie die Grabpflege im Urlaub oder das Haustiersitting, Sportliches von der Rückenmassage bis zum Mountainbike-Kurs.

Diethelm Scheu, Hülben

All das bringt relativ umstandslos Geld. „Für ein Maultaschenessen braucht man viel mehr Helfer und muss das Material zahlen“, sagt Christian Kächele. So aber ziehen er und Diethelm Scheu sich ein weißes Hemd an, binden sich die Fliege um und machen ihre Sprüche. „Es ist wichtig, dass man das zelebriert“, sagt Diethelm Scheu. Die Versteigerung ist immer in der Vorweihnachtszeit: „Da sitzt das Geld ein bisschen lockerer.“

 

 

Katrin Möck sieht noch andere Vorteile als nur finanzielle: „Das hat mich schon in Giengen deshalb begeistert, weil man so in der Gemeinde auch andere trifft.“ Und merkt, wo überall Begabungen schlummern: „Das ist auch gut für die Leute, die tolle Sachen können und nicht so wahrgenommen werden.“ Und es ist ein schöner Abend für alle.

 

 

 

Christian Kächele, Hülben„Das hat sich rumgesprochen“, sagt Christian Kächele. Rund 90 Besucher kommen inzwischen. Mittlerweile gibt es schon Anfragen von anderen, die das Konzept übernehmen möchten. „Klar, wir haben da kein Patent drauf“, sagt Christian Kächele.

 

 


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