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Wie Gott wohl 2025 wirkt? - Die Losungen von Herrnhut

Peter Schneiß aus der Oberlausitz hört und liest die Herrnhuter Losungen täglich – und war in diesem Jahr bei der öffentlichen Ziehung für das Jahr 2025 dabei. Was ihm die Bibelverse für jeden Tag bedeuten und wie er die Auslosung erlebt hat.

Ziehung der Herrnhuter Losungen. Foto: Matthias WeberZiehung der Herrnhuter Losungen. Foto: Matthias Weber

Eigentlich, ja eigentlich hätte der Theologiestudent Peter Schneiß im Mai und Juni an seiner Hochschule in Reutlingen sein müssen, um an Vorlesungen teilzunehmen. Doch er fuhr heim, nach Oderwitz in der Oberlausitz. Nicht ohne Grund: Der 21-Jährige wollte nicht fehlen, wenn im Nachbarort, in Herrnhut, Jubiläum gefeiert wird. Noch mehr hat er sich aber für das interessiert, was dort jedes Jahr geschieht: die Ziehung der Losungen.

Schon lange hatte Peter Schneiß den Wunsch, dabei zu sein, wenn für jeden Tag eines Jahres ein Bibelvers gezogen wird. Jetzt, im Jubiläumsjahr, hat es geklappt, denn diesmal war die Ziehung öffentlich.

Die Losungen bedeuten ihm viel. „Sie sind mein Hauptweg in der täglichen Andacht“, sagt er. Nicht nur die Losungen selbst sind dabei für ihn entscheidend, oft sind es auch die Lehrtexte, die dabei stehen. Gerade in schwierigen Situationen passiert es ihm oft, dass ihn ein Text direkt anspricht.

Dass sich Schneiß täglich mit den Losungen beschäftigt, ist erst seit rund zweieinhalb Jahren so. Damals hat er mit dem Studium in Reutlingen begonnen, zog weg aus der Heimat. Und lud sich die App aufs Handy, um die Texte in seiner abendlichen Bibelzeit zu hören. Auf dem Laptop hat er die Losungen zusätzlich so installiert, dass sie beim Einschalten gleich sichtbar werden.

Früher waren ihm die Losungen nicht ganz so wichtig: Sie waren zu Hause „zu inflationär“, wie er sagt. So gab es am Jahresende für jede Tätigkeit, in jedem Kreis, für jeden eine eigene Jahreslosung, er hatte immer einige davon. Das war dann wohl etwas zuviel. Inzwischen schätzt er die Losungen. Sie prägen sein Glaubensleben und sind ein Stück Heimat.

Meditative Stimmung

Peter Schneiß ist extra für die Ziehung der Losungen von Reutlingen in die Oberlausitz gefahren. Foto: Nicole MartenPeter Schneiß ist extra für die Ziehung der Losungen von Reutlingen in die Oberlausitz gefahren. Foto: Nicole Marten

Deshalb war er sehr gespannt darauf, dieses Jahr bei der Ziehung der Losungen für 2025 dabei zu sein. „Es ist eine einfache Prozedur, die man sich viel größer vorstellt“, sagt Peter Schneiß. Gezogen werden zunächst nicht Bibelverse, sondern Nummern. Jemand zieht eine Karte, liest die Nummer vor, die wird aufgeschrieben und laut wiederholt, danach wird der Bibeltext vorgelesen, dem die Nummer zugeordnet ist. Erneutes Schreiben, erneutes Wiederholen. Peter Schneiß musste sich erst hineinfinden in den Rhythmus. Aber dann hatte die Sache etwas Meditatives. Und weil etwa 100 Gäste an diesem Tag da waren, sei auch im Brüdersaal eine ganz eigene, meditative Stimmung entstanden. „Oft habe ich mich gefragt, wie Gott mit dem, was jetzt gezogen wurde, dann im Jahr 2025 wirken wird, auch in meinem Leben.“ Das Studium hat er übrigens nicht vernachlässigt: Er nahm online an den Vorlesungen teil, fuhr für ein Blockseminar zwischen Auslosung und Festakt nach Reutlingen, um dann nach Oderwitz beziehungsweise Herrnhut zurückzukehren.

Was bleibt? Entzauberung, schließlich werden die Losungen „nur“ gezogen. Und andererseits: Staunen darüber, dass sie so ein großes Gewicht bekommen können im Leben eines einzelnen Menschen, obwohl sie „nur“ gezogen wurden. □

www.herrnhut.ebu.de

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