Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wiesen und Wildblumen - Umweltschutz auf den Grünflächen der Kirche

WEIKERSHEIM – Umweltschutz geschieht in kleinen Schritten. Auch im Kirchenbezirk Weikersheim gibt es erste Projekte für Artenvielfalt und Klimaschutz – angestoßen durch Pfarrer Bastian Hein.

Umweltschützer Pfr. B. Hein und M. Klärle

Pfarrer Bastian Hein und Projektpartnerin Martina Klärle möchten die Kirchengemeinden dazu ermuntern, sich für die Umwelt einzusetzen.  
© Fotos: Peter Keßler / Uschi Dreiucker / pixelio 

In der zweimonatigen „Ergänzungsund Vertiefungsphase“ seines Vikariats in Wachbach konzentrierte sich Bastian Hein auf die Frage, wie Natur angesichts von Umweltzerstörung und Klimawandel erhalten werden kann. Zur Projektpartnerin wählte er das Büro „Klärle – Gesellschaft für Landmanagement und Umwelt“ in Schäftersheim. Als Mitglied der Landessynode ist deren Chefin Martina Klärle längst intensiv mit dem Thema Klimaschutz befasst. „Die Kirche muss Vorbild sein“, sagt sie, und ihrer Meinung nach sind „ihre Gebäude dafür prädestiniert“. Die Anfrage des Vikars stieß daher auf offene Ohren und bot die Chance, beispielhaft naturwissenschaftliches Wissen mit theologischem Ehrgeiz zu verbinden.

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Klar war, dass es in der kurzen Zeit nur darum gehen konnte, Vorschläge für die Kirchengemeinden und erste Beratungen für das weitere Vorgehen auszuarbeiten. Zunächst prüfte Bastian Hein das, was bisher schon vorhanden war. Darunter etwa das Sonderprogramm Baden-Württembergs zur Stärkung der biologischen Vielfalt von 2017 und das Klimaschutzprogramm der Landeskirche.

Hein nahm auch Kontakt mit örtlichen Naturschutzgruppen auf. Daraus entwickelte er sein Projekt „Kirchen arten aus – wir schaffen Vielfalt ein Zuhaus!“. Es sollte ein Impuls sein für Kirchengemeinden, die an ihren Gebäuden und auf ihren Grünflächen etwas zum Erhalt und zur Förderung der Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt, beitragen wollen. Er bot ihnen Informationen zum Thema Artenschutz und Vielfalt an, dazu die Bestandsaufnahme vor Ort und daraus entwickelte konkrete Gestaltungsvorschläge und Kontakt zu Experten.

Umweltschutz rund um kirchliche Gebäude: Nistkästen, Bienenhotels, Blühwiesen & Co.

Bastian Hein lud evangelische und katholische Kirchengemeinden, Freikirchen und landeskirchliche Gemeinschaften im Bereich des Weikersheimer Kirchenbezirks zum Mitmachen ein. In einem Informationsblatt zeigte er konkrete Möglichkeiten rund um kirchliche Gebäude – von Nistkästen auf Kirchtürmen bis zu Eidechsenburgen, Blühwiesen und Wildbienenhotels auf Grünflächen. In wenigen Wochen gingen sieben Rückmeldungen ein. Die Interessenten bekamen detaillierte Vorschläge – und der engagierte Vikar wartete gespannt darauf, was die Kirchengemeinden davon umsetzen würden. Die ersten Maßnahmen und Absichtserklärungen, die eingingen, weckten vorsichtige Hoffnung – ein Anfang.

In Edelfingen, erfuhr Bastian Hein, solle die Wiese neben der Kirche künftig abschnittsweise gemäht werden, damit Insekten mehr Nahrung finden können. In Wachbach wurde ein Teil des Kirchgartens, der Blumen für den Altarschmuck liefert, mit einer Wildblumenmischung bepflanzt. An die Gemeindemitglieder wurden Samen von Kapuzinerkresse, Thymian und Wildblumen verteilt. Außerdem wurden Falkenkästen aufgestellt.

Schutz der Natur ist Gottes Auftrag an uns

„Die Bewahrung der Schöpfung gehört zum ureigensten Anliegen unseres christlichen Glaubens“, versicherte die Bad Mergentheimer Pfarrerin Regina Korn. Das Umweltteam ihrer Gemeinde hat in den vergangenen Jahren schon allerlei umgesetzt: eine Photovoltaikanlage auf einem Kindergarten sowie Maßnahmen zur Elektromobilität und zur Müllvermeidung.

Umweltzertifikat "Grüner Gockel"

Das kirchliche Umweltzertifikat „Grüner Gockel“ trägt die Gemeinde seit 2013; im vergangenen Jahr wurde sie für ihr Umweltmanagement ausgezeichnet. Nun will man in Bad Mergentheim noch einen Teil der Rasenfläche am Gemeindezentrum als Blumenwiese anlegen, auch ein Bienenprojekt ist angedacht. Insektenfreundliche Sommerblumen und der Bau eines Insektenhauses mit der Jungschar stehen auf dem Programm der Liebenzeller Gemeinschaft Bad Mergentheim.

Die evangelische Freikirche Volksmission Weikersheim will an ihrem Zentrum einen für die Ansiedlung von Lebewesen attraktiven Zaun gestalten. Die katholische Kirchengemeinde Bernsfelden hingegen weist darauf hin, dass man schon sehr viel Grün um die Kirche und am Gemeindehaus habe und „da lässt sich auch wenig umgestalten“.

Bastian Hein und Martina Klärle bleiben optimistisch. „Die Impulse der Kirche werden noch wahrgenommen“, sagt der junge Theologe, der inzwischen Pfarrer in Döffingen geworden ist. Die Professorin und Landessynodale weiß, wie wichtig auch hier ein langer Atem ist „Jeder kleine Beitrag zählt“, ist sie sich sicher. „Der Wert der biologischen Vielfalt kommt erst langsam in den Blick – und dazu sind diese konkreten Aktionen nötig. Schließlich soll die Kirche nach außen positiv auffallen, nicht nur auf Veranstaltungen vor den eigenen Leuten kluge Reden halten.“

 

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