Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Wir erzählen von Jesus“

DONNSTETTEN (Dekanat Bad Urach-Münsingen) – Wenn junge Menschen aus aller Welt nach Deutschland kommen, dann haben sie etwas zu erzählen. Vor allem, wenn ihre Eltern Missionare sind und sie selbst auf der Bibelschule in Korntal ein Orientierungsjahr machen.


Die Bibelschüler aus Korntal wurden von Pfarrerin Annedore Hohensteiner begrüßt. (Foto: Brigitte Scheiffele)

 

Aufmerksam und hoch konzentriert zeigen sich 60 Konfirmanden aus den Gemeinden Hengen-Wittlingen, Zainingen, Böhringen, Westerheim und Donnstetten im evangelischen Gemeindehaus Donnstetten: Hier sind zehn junge Erwachsene zu Gast, die über Gott und Welt sprechen. Sie verbringen nach ihrem Schulabschluss ein Orientierungsjahr an der Bibelschule der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal. Viele von ihnen sind im Ausland aufgewachsen, weil die Eltern dort als Missionare tätig waren oder noch sind.

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Weil die aus Donnstetten stammende Karuna Detsch bereits ein Orientierungsjahr absolviert hat, vermittelte sie den Kontakt an die örtliche Pfarrerin Annedore Hohensteiner. Und die informierte ihre Kollegen Albrecht Lächele (Böhringen) und Daniel Mangel (Zainingen): „Wenn es sich anbietet, organisieren wir ein Treffen mit allen Konfirmanden“, erklärte sie und gab damit den Impuls zu einer unbefangenen Begegnung. 

Heiter und scherzend stehen dann die jungen Bibelschüler im Alter zwischen 17 und 22 Jahren vor den Konfis auf der Alb und stellen sich auf erfrischende Weise vor: Annika kommt aus Ungarn und Jemima aus Mosambik, Joshua ist in Guatemala aufgewachsen, Judit kommt von den Philippinen und will trotz Präsident Duterte wieder zurück, weil sie das Land liebt. Dann kommt Mario aus Ägypten, der in etwa 18 Ländern lebte, Drehbücher schreibt und gerne Fußball spielt, und da wäre noch Marie-Sofie aus Pforzheim, die gerne singt. Matthias aus Pakistan programmiert mit großer Freude und spielt Klarinette, hinzu kommt die Leseratte Sara aus Frankfurt  oder Elena aus Niger, für deren verschiedene Wohnorte auf der ganzen Welt ihre Hände nicht mehr reichen.

Warum sie ein Orientierungsjahr machen? „Wir erzählen von Jesus und geben unseren Glauben weiter“, sagt Judit mit überzeugter Stimme und festem Blick. „Jesus ist ein sicherer Halt ,auf den wir vertrauen können.“ Die Stimmung ist gelöst, nach zwei Lobpreisliedern wird sie noch lockerer und weiter geht’s zum Raten von Bibelstellen.

Mit der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal hat Annedore Hohensteiner keine Berühungsängste. Zur selbstständigen christlichen Gemeinde, die in Kooperation mit der Landeskirche seit 1819 in Stuttgart besteht, zählen mehrere diakonische Einrichtungen sowie Wirtschaftsbetriebe.

Doch kann ausgeprägte Frömmigkeit auch abschreckend wirken? Für Annedore Hohensteiner ist „Freiheit wichtig und bei einer solchen Begegnung kommt das Sinnliche mit dem Glauben in Berührung“.

Beinahe sprachlos zeigt sie sich ebenso wie Daniel Mangel und Albrecht Lächele über das konzentrierte Arbeitsverhalten der sonst sehr lebendigen Konfirmanden in den heutigen Gruppen. „Im Gegensatz zu den hier lebenden Kindern pflegen diese Missionarskinder einen sehr offenen Umgang mit der Bibel“, bemerkt Albrecht Lächele und spricht von einer katalytischen Wirkung: „Es darf nicht passieren, dass diese Jugendlichen unsere Kinder indoktrinieren, aber diese Begegnungsfreude setzt auch viel Fruchtbares in Gang.“ Immerhin besuchte der aus Ägypten stammende Mario ein Elitecollege und genoss jahrelangen interreligiösen Religionsunterricht.

Begeistert zeigt sich Albrecht Lächele vom Schulbesuch der Bibelschüler in zwei siebten Klassen, zwei neunten Klassen und einer achten Klasse in Römerstein, wo er als Religionslehrer tätig ist: „Diese jungen Menschen kommen aus allen Ländern und bringen das Bild mit: Gott schätzt jeden wert. Wir teilen heute die Menschen viel zu schnell ein und das ist eine katastrophale Verschiebung“, so Lächele .

Von dunklen Tagen nach guter Beziehung zu Gott spricht zum Schluss Sarah. Sie habe sich für Jesus entschieden, sich taufen lassen und mit dem Alter aber von Gott entfernt. Sie gehe durch Hochs und Tiefs, habe wieder mehr gebetet und mehr in der Bibel gelesen, sich dann aber wieder entfernt. Dennoch wisse sie, dass sie bei Gott immer einen Platz hat. „Das ist etwas, was man bei Freunden nicht machen kann. Aber egal was ich für einen Mist gebaut habe, ich weiß, dass Gott da ist und mich liebt und ich immer wieder zu ihm kommen kann.“

An diesem Tag sprechen junge Menschen mit deutschen Wurzeln nach ihrem Schulabschluss im Ausland mit festem Glauben offen über Zweifel. Dabei blicken sie selbstsicher in die Zukunft. In diesem Orientierungsjahr findet für sie auch eine Rekulturisierung statt. Den Missionskindern wird die Möglichkeit geboten, ihre deutschen Wurzeln aufzuspüren. Einstimmig stellen sie unter anderem fest: „Die Menschen hier kaufen Wasser in Flaschen. Wir mussten es filtern und freuten uns, wenn es überhaupt oder gar warm aus der Leitung kam.“ Was ihnen an deutschen Jugendlichen auffällt: „Viele hier sind gemeinsam einsam. Besonders in lateinamerikanischen Ländern leben wir eine starke Beziehungskultur.“