Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wo Mann und Frau ist, da kann Ehe sein

Die Ehe zwischen Mann und Frau erfüllt eine wichtige Funktion. Sie darf daher nicht mit homosexuellen Partnerschaften gleichgestellt werden. Der Standpunkt eines Dekans.

Zur Person
Friedemann Richert (56) ist Dekan in Künzelsau. Der Theologe wuchs in Mittelfranken auf und studierte evangelische Theologie in Erlangen und Tübingen. 1991 wechselte er in die württembergische Landeskirche. Er promovierte in Neuendettelsau.



Das Privileg der Ehe
Seit Menschengedenken wird der Lebensgemeinschaft von Mann und Frau eine besondere Bedeutung zuerkannt. Der Grund hierfür ist in der natürlichen Fruchtbarkeit der beiden Geschlechter zu sehen: Nur ihnen ist die Fähigkeit gegeben, gemeinsam Kinder zu zeugen, die dann von der Frau als Mutter geboren werden. Ehe im Rechtssinne ist daher die von der staatlichen Rechtsordnung anerkannte, auf Dauer angelegte und ungeteilte Lebensgemeinschaft von Mann und Frau.

Der natürliche Zielpunkt jeder Ehe besteht daher in gegenseitiger Liebe und Treue, die sich in der natürlichen Zeugung und familialen Erziehung von gemeinsamen Kindern gesellschaftlich manifestiert. So wird die Ehe von Mann und Frau zur Keimzelle der Gesellschaft, weswegen die Ehe und die daraus hervorgehende Familie unter dem besonderen Schutz des Staates stehen. Darum wird die Ehe in nahezu allen Kulturen als diejenige Lebens- und Liebesform angesehen, die ein zukunftsfähiges Staatswesen ermöglicht. Und das gilt unbeschadet von Ehepaaren, die, aus welchen Gründen auch immer, kinderlos leben.

Genau diese Vorstellung setzt der Artikel 6 unseres Grundgesetzes voraus, in dem es heißt: (1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung. (2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft. (4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.

Zur Gefährdung der Ehe
Die Gestalt der Ehe als Basis eines tragfähigen Gemeinwesens ist durch die Forderungen einer „Ehe für alle“ in Bedrängnis geraten, eine Forderung, die dem Geist der Gendertheorie entspringt. Diese geht in ihrem gedanklichen Kern davon aus, dass die bisher mit dem Begriff „Geschlecht“ erfasste Natur von Mann und Frau lediglich eine gesellschaftliche Konstruktion sei: Die natürliche Norm der Heterosexualität von Mann und Frau sei in Wahrheit nur ein gesellschaftlich aufgezwungenes Rollenspiel, welches vor allem zum Nachteil der Frau gereiche. Denn diese müsse über ihren Blutzoll zur Mutter werden, womit ihr aber eine Vielzahl von gesellschaftlich eingeforderten Entwicklungsmöglichkeiten und sexuellen Identitäten verwehrt werde.

Um solche Rollenklischees zu überwinden, müssten alle herkömmlichen Geschlechterrollen dekonstruiert und überwunden werden, sodass ein geschlechtsneutraler Mensch zum Vorschein komme. Dann aber müsse der Mensch sich selbst als Mann, als Frau oder als weiteres Geschlecht für die Gesellschaft neu erfinden. In der Haltung der Travestie indes komme diese neue Geschlechtervielfalt spielerisch zum Vorschein, um herkömmliche Geschlechterrollen zu überwinden.

Diese Gedankenwelt wird von dem bestens vernetzten Lesben- und Schwulenverband (LSDV) in unserem Land medial und politisch massiv propagiert mit dem Ziel, nun auch die „Ehe für alle“ gesellschaftlich, politisch und juristisch durchzusetzen.

Das Zauberwort hierfür heißt „Gleichstellung“, welches sich inzwischen auf nahezu allen politischen und gesellschaftlichen Ebenen bis zum juristischen Rechtsgut durchgesetzt hat: Im Jahre 1994 wurde der Gedanke der „Gleichberechtigung“ in unser Grundgesetz mit gutem Grunde verbindlich eingeführt: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

Mit dem Vertrag von Lissabon im Jahre 2007 indes wurde die „Gleichberechtigung“ durch den Gedanken der „Gleichstellung“ ersetzt. „Bei all ihren Tätigkeiten wirkt die Union darauf hin, Ungleichheiten zu beseitigen und die Gleichstellung von Männern und Frauen zu fördern.“

Damit geht aber ein fundamentaler Gesinnungswandel einher: Kennt der Gedanke der Gleichberechtigung noch die alte Gerechtigkeitsformel: „jedem das Gleiche“ und „jedem das Seine“, so wird mit dem Gedanken der Gleichstellung dieses komplementäre Gerechtigkeitsverständnis aufgegeben zulasten einer ideologisch geforderten absoluten Gleichheit aller Personen.

Nach der alten Gerechtigkeitsformel gilt es als Unrecht, wenn Gleiche ungleich und Ungleiche gleich behandelt werden. Nach der Gendertheorie gilt es als Unrecht, überhaupt irgendeine Ungleichheit zwischen den als vielfältig postulierten Geschlechtern festzustellen. Und da umgekehrt alle „sexuellen Orientierungen“ gleichwertig seien, könne es weder einen juristischen noch einen gesellschaftlichen Vorrang der klassischen Ehe von Mann und Frau gegenüber einer „Ehe für alle“ geben.

Aufgabe des Staates
Eine „Ehe für alle“ nimmt der heterosexuellen Ehe ihr staatliches Privileg, welches allein in ihrer gemeinschafts- und staatserhaltenden Funktion begründet ist, Kinder zu zeugen und familiär zu erziehen. Eine „Ehe für alle“ ist darum im Sinne der Staatsräson ungerecht und falsch.

Ein rechtlich geschütztes Zusammenleben für Homosexuelle bietet indes das seit 2001 geltende Lebenspartnerschaftsgesetz. Und es ist Aufgabe des Staates, diese homosexuellen Lebensweisen zu schützen und rechtlich abzusichern. Aber es kann und darf nicht Aufgabe des Staates sein, diese Lebensform zu fördern und der klassischen Ehe gleichzustellen. Die Ehe ist einzig und allein Mann und Frau vorzubehalten. Den Unterschied zwischen beiden Lebensformen machen allein die natürlichen Geschlechter aus.

Aufgabe der Kirche
Unser kirchliches Eheverständnis bildet sich aus der Schöpfungsordnung, die Gott als Schöpfer des Himmels und der Erden in die Welt und in das Leben hineingelegt hat. Nach dieser sind Mann und Frau füreinander geschaffen, um miteinander fruchtbar und ein Fleisch zu sein. Deswegen gehört es zur Aufgabe der Kirche, diese Ehe genannte Lebensform gottesdienstlich zu segnen.

Homosexuelle Lebenspartnerschaften hingegen sind durch die Kirche vor Diskriminierung zu schützen und als freie Lebenswahl zu achten, denn sie sind durchaus ein Zeugnis von Liebe und Treue. Insofern gehört es zur Aufgabe der Kirche, für den Schutz und die gesellschaftliche Achtung von homosexuellen Lebenspartnerschaften einzutreten.

Da den homosexuellen Lebenspartnerschaften aber die Ausrichtung auf eine eigene Nachkommenschaft fehlt, können diese nicht der klassischen Ehe gleichgestellt werden. Deswegen kann nur die klassische Ehe von Mann und Frau exklusiv in einem eigenen Traugottesdienst gesegnet werden. Den homosexuellen Lebenspartnern aber wird, so sie getauft sind, der kirchliche Taufsegen ein persönliches Weggeleit sein können.



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