Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wort Jesu als Weckruf - Impuls zur Predigt

Markus 13,28-37 (in Auszügen) Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen.

Wort Jesu als Weckruf

Impuls für den Ewigkeitssonntag: Markus 13,28-37.

Von Jochen Maier

Jochen Maier ist Pfarrer an der Martinskirche West in Kirchheim unter Teck. Foto: Privat

Nicht nur fallendes Laub und welkende Blumen im Herbst führen uns die Vergänglichkeit des Lebens vor Augen, sondern viel mehr noch die Abschiede von vertrauten Menschen in unserer Nähe. Und nicht nur in der Nähe! Auch die erschütternden Opfer von Krieg und Hunger überall auf dieser Welt verdeutlichen: Es ist eine unausweichliche, schmerzliche Grundgegebenheit unseres Daseins, dass es verletzlich, begrenzt und vergänglich ist. Alles Leben von Pflanzen, Tieren und Menschen, ja selbst die Lebensdauer von Völkern und Geschichtsepochen, von Ideen und Weltanschauungen sind stets ein begrenztes Geschehen. „Himmel und Erde werden vergehen!“, sagt Jesus im Markusevangelium. Wir hätten es so gerne anders! Von allem, was uns wertvoll und wichtig ist im Leben, hätten wir so gerne, dass es dauert: dass geliebte und vertraute Menschen möglichst immer bei uns bleiben; dass glückliche Augenblicke und erfüllte Stunden nicht vergehen; dass Gesundheit, Frieden und Geborgenheit Bestand haben.

Jochen Maier ist Pfarrer an der Martinskirche West in Kirchheim unter Teck. Foto: Privat„ … meine Worte aber werden nicht vergehen“, fügt Jesus dann hinzu. Es gibt da also etwas, das der Vergänglichkeit dieser Schöpfung nicht unterliegt. Seine Worte? Alle seine Lebensversprechen, zum Beispiel: „Ich lebe und ihr sollt auch leben“ (Johannes 14,19). Ja, Jesus Christus ist selbst dieses unvergängliche Wort! Er ist „das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben“ (Barmer Theologische Erklärung, These 1). Er ist Gottes Lebensversprechen in Person. In ihm verspricht Gott, dass das Sterbenmüssen nicht das letzte Wort ist, sondern eine gnädig erlöste Lebendigkeit den Tod hinter sich lassen darf. Mein begrenztes irdisches Leben ist kein vergebliches, sondern ein bleibend bedeutsames Leben!

Dem Jesuswort ist in Markus 13 ein Gleichnis angefügt, in dem wir zur Wachheit aufgerufen werden. Ein Hausherr übergibt seinen Knechten für die begrenzte Zeit seines Wegseins die Verantwortung für sein Haus. Denn dass dieser Hausherr wiederkommt, ist gewiss, ungewiss ist nur, wann.

In der Hauptprobe

So wie in diesem Gleichnis jedem Diener seine Aufgabe gegeben wird, so können auch wir unser eigenes Leben betrachten: Meine Familie, mein Lebenspartner, mein Besitz, meine Fähigkeiten, meine verbleibende Zeit, meine Fragen und Einsichten und die Tatsache, dass ich genau in dieser jetzigen Zeit der Weltgeschichte in diesem Land, an diesem Ort lebe – all das kann ich betrachten als die Aufgabe, die mir Jesus Christus vorläufig zugeteilt hat. Dass wir das uns von Gott anvertraute Leben als etwas lieben und schützen, das trotz aller Vorläufigkeit bleibende Bedeutung hat, ist die Aufgabe, die uns für dieses irdische Leben übertragen ist. „Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen!“ Wir sollten vielleicht dieses Wort Jesu vor allem als Weckruf begreifen, damit wir schon jetzt unser eigenes Leben und anderes Leben mit der Würde des künftigen Erlösungsversprechens betrachten und behandeln. Und vielleicht hilft uns dazu der Gedanke, dass wir uns, mit dem hindurchschauenden Blick des Glaubens betrachtet, nicht im „letzten Akt“ befinden, sondern in der Hauptprobe, bevor die eigentliche Aufführung stattfindet. Hauptproben sind nie perfekt! Aber sie nehmen in aller Unfertigkeit die große Aufführung schon in vielem verheißungsvoll vorweg. □

Foto: unsplash/Manuel Rheinschmidt

 

Gebet

Christus, unser Bruder,

der Schmerz des Abschiednehmens,

die Furcht vor dem Alleinsein,

die Wunde der Verlassenheit, die Hilflosigkeit angesichts von Krieg und Tod – sie lasten schwer auf uns!

Der du uns zu geheiltem Leben bringen willst:

Lass uns das Licht deiner Gegenwart nicht aus den Augen verlieren.

Mach uns hell im Herzen durch die Erwartung deiner Verheißungen – auf dass wir das Leben lieben, auch wenn es bittersüß ist. Lass uns füreinander Lichter sein auf dem Weg, den wir gehen.

Amen.