Christliche Themen für jede Altersgruppe

Als Luther in Hersfeld war

Drei Tage vor seiner Entführung auf die Wartburg predigte Martin Luther im hessischen Kloster Hersfeld. Der Abt hatte es so gewollt und damit sich und Luther in Gefahr gebracht. Die Stadt gedenkt heutzutage mit einer Luther-Führung der Ereignisse.

Auf den Spuren der Reformation: Klosterruine Bad Hersfeld, Luther-Stadtführer Michael Adam. (Fotos: Gemeindeblatt, Grimm-Heimat Nordhessen)


Michael Adam macht sich gut im schwarzen Luther-Rock. Das einzige, was nicht so ganz zu seiner Rolle als Reformator passen will, ist die Tatsache, dass er katholisch ist. Aber obwohl: Als Martin Luther am 30. April 1521 in Hersfeld eintraf, da konnte von einer evangelischen Kirche eigentlich noch keine Rede sein.

Damals war es Sitz einer bekannten Reichsabtei und der Abt fasziniert von dem, was dieser eigenwillige Prediger aus Wittenberg wenige Tage zuvor gewagt hatte: In Worms, auf dem Reichstag, hatte er sich in Gegenwart des Kaisers geweigert, seine Thesen zu widerrufen.

„Hier stehe ich und kann nicht anders.“ Mit dieser Formulierung sollte er in die Geschichte eingehen und bald darauf für vogelfrei erklärt werden. Den Rückweg nach Wittenberg würde er als Verstoßener antreten.

Am 30. April kommt er mit seinem Einspänner in Hersfeld an. Durchgerüttelt und durchgeschüttelt, hundemüde, aber wohlbehalten. Stadtführer Michael Adam erzählt, als ob es gestern gewesen wäre. Schildert, wie Abt Crato den Abtrünnigen hofiert wie einen König.

Im Eichhof vor den Toren der Stadt wird er vom Abt empfangen, im Schlösschen gibt es noch heute ein Lutherzimmer. Doch nicht dort übernachtet er, nein, im Bett des Abtes habe er geschlafen, sagt Stadtführer Adam. Das bequemste Schlafgemach war gerade gut genug für den Gast.

So umwerfend muss der Empfang gewesen sein, dass Luther noch Wochen später in einem Brief davon schwärmt, „wie freundlich uns der Hersfelder Abt aufgenommen hat“. Doch der Abt wollte eine Gegenleistung und bat seinen Besucher bei ihm zu predigen.

Das war hochgefährlich und Luther wohl auch zögerlich. Wenn es herauskäme, dass ein Exkommunizierter in einem Kloster eine Predigt hält, könnte das für ihn und den Abt böse Folgen haben. Doch Crato schert sich nicht um solche Bedenken und redet auf Luther so lange ein, bis er nachgibt.

Am Morgen des 1. Mai 1521 steht er auf der Kanzel der Stiftskirche. Es ist ein historischer Tag. Von da an würden sich die Ereignisse überschlagen: Nur drei Tage später wird Luther im Thüringer Wald vermeintlich entführt.

In Wahrheit bringt man den Vogelfreien auf der Wartburg in Sicherheit und gewährleistet damit sein Überleben sowie den Fortgang dessen, was wir heute als Reformation bezeichnen. Zu ihren entschiedensten Anhängern gehört Landgraf Philipp von Hessen, in dessen Einflussbereich das Kloster Hersfeld liegt. Immer weiter geraten die Altgläubigen ins Hintertreffen. Die Bevölkerung und der Dekan bekennen sich zu Luther, das Dom-Kapitel ist gemischt und der Abt isoliert. 1606 wird das Kloster Hersfeld aufgelöst und im Siebenjährigen Krieg zerstört.

Die Stiftskirche ist heute die größte romanische Kirchenruine Europas und eine grandiose Kulisse für die Bad Hersfelder Festspiele, die inzwischen genauso bekannt wie der Kurort sind. Seine lutherische Geschichte ist es dafür weniger, doch das soll sich mit der Luther-Stadtführung ändern. Überdies gibt es seit 2016 auch einen Lutherwander- und Pilgerweg, der die Reiseroute des Reformators von Worms nach Eisenach nachzeichnet.

Luther blieb Hersfeld zeitlebens verbunden und setzte sich Jahre später für den im Bauernkrieg verhafteten Bürgermeister ein. Gastfreundschaft zahlt sich eben aus, und so verabschiedet Luther-Stadtführer Adam seine Gäste auch mit einem besonders herzlichen Händedruck.

Information

Die Stadtführung „Luther in Wort und Weg“ ist für Gruppen buchbar, 2017 soll es auch Termine für Einzelgäste geben: Telefon 06621-201274, www.badhersfeld-touris mus.de. Mehr über den hessischen Lutherwanderweg unter www.lu therweg1521.de, die Region: www.grimmheimat.de/luther2017

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