Christliche Themen für jede Altersgruppe

Auf in die Berge!

WANNWEIL (Dekanat Reutlingen) – Der Weg zu Gott kann auch über einen Berg führen. In Wannweil gibt es schon seit 16 Jahren jedes Jahr im Spätsommer einen Wochenendausflug für Gemeindemitglieder in die Berge. Der ist so beliebt, dass dafür sogar eine Warteliste geführt wird.  Von Wolfgang Albers

Michael und Annette Hipp wollen mit dem Bergwochenende alle ansprechen – auch die, die sonst mit der Kirche fremdeln. [Foto: Wolfgang Albers]

Gestartet, gelächelt, geschwätzt, geschnauft, gestolpert, geklettert, gestaunt. So lässt sich ein Bergwochenende auch auf den Punkt bringen. Aber so ebenfalls: gesungen, gebetet, gelächelt. Nachlesen kann man diese Kurzfassung in einem Fotobuch, und wenn Annette Hipp darin blättert, die vielen Fotos mit offensichtlich gutgelaunten Menschen sieht, Einträge liest wie diesen: „Es war megacool!“ – dann weiß sie: All die Mühen haben sich wieder gelohnt. Für ein besonderes Angebot in der Kirchengemeinde Wannweil: Schon seit dem Jahr 2002 fährt dort eine Gruppe Ende September in die Berge.

Annettes Mann Michael hat das initiiert. Er kommt aus Lichtenstein, war dort im CVJM, und der machte traditionell ein solches Wochenende. Als Michael Hipp, der sich in den Bergen sehr wohlfühlt, nach Wannweil gezogen war, dachte er sich: Warum hier nicht auch so etwas probieren? Er fragte den Pfarrer – und der sagte nur: „Machen Sie halt mal.“ Und seitdem machen Michael und Annette Hipp ihr Wochenende.

Rund 50 Leute sind dabei

Das Konzept ist: Offen für alle und Kirche und Natur verbinden. Im Allgäu, dem Kleinwalsertal oder demTannheimer Tal – also in akzeptabler Fahrdistanz – mieten die Hipps ein Haus für gut 50 Leute. Bei den ersten Malen waren sie noch angespannt, ob wohl jemand mit will. Das hat sich längst erledigt – mittlerweile sind die Plätze nach drei, vier Tagen voll, eine Warteliste muss geführt werden.
Was auch gut klappt: die Mischung. Fehlten am Anfang die jüngeren Erwachsenen, so sind die inzwischen auch dabei, ja sogar Kinder und Jugendliche. Auf der diesjährigen Freizeit brachte ein Paar seinen zehnmonatigen Säugling mit. „Das ist eine schöne Sache“, sagt Michael Hipp, „wenn man Ältere, Familien, Jugendliche generationenübergreifend zusammenbringt“. Viele fahren mit, die sich auch sonst in der Gemeinde engagieren. Aber Annette Hipp freut sich, dass auch solche kommen, die man eher selten sieht: „Leute, die mit Kirche wenig anfangen können, finden über das Wandern leichter Zugang.“ Michael Hipp spricht gezielt Leute an, etwa auf dem Sportplatz: „Wär das nicht was für dich?“
Freitag abends kommt man an, Samstags ist der Tourentag und hinterher ein geselliger Abend, durchaus auch mit religiösem Bezug. So wurde einmal „Wetten dass“ umgestaltet zu „Wetten, dass es Gott gibt“. Der Sonntag beginnt mit einem Gottesdienst. Michael Hipp hält die Predigt, aber der Ablauf wird von den Teilnehmern gestaltet, die sich in kleinen Teams um die Musik, die Deko oder ein Anspiel kümmern.

Michael Hipp ist immer wieder begeistert, welche Kreativität sich da entfaltet: „Die Anspiele sind oft großartig.“ Eine Gruppe hat die Ankunft einer Gruppe vor Petrus nachgespielt. Sie wollen eine Tote abgeben und klopfen schüchtern an der Himmelstür. Da brummt Petrus nur: „Ist offen – schon seit 2000 Jahren.“ Und was ist mit denen, die mit kirchlicher Kreativität eher fremdeln? Kein Problem, sagt Annette Hipp: „Es gibt keinen Mitmachzwang. Man kann auch einfach nur dasitzen und zuschauen.“ Das können die Organisatoren nicht. Ihr Bergwochenende beginnt mit einem halben Jahr Vorlauf: Unterkunft suchen, Wege erkunden, Programm ausdenken. Die harmonischen Wochenenden („Es hat noch nie Unstimmigkeiten gegeben“) sind der Lohn, sagt Annette Hipp: „Wenn die Leute froh sind, war es auch für uns ein schönes Wochenende.“

Informationen gibt es im Internet: www.wannweil-evangelisch.de, Telefon 07121-52969