Christliche Themen für jede Altersgruppe

Aus dem Schock wurde Zuversicht - Künstler haben Hoffnung

Professionellen Musikerinnen und Musikern ist das weggebrochen, wovon und wofür sie leben: Auftritte vor Publikum. Leicht ist das nicht, doch es gibt Hoffnung.

„Hope Songs“ ‒ Lieder der Hoffnung heißt ein Projekt von Patrick Depuhl und Judy Bailey. Foto: Noah Depuhl

Der 13. März 2020 hat sich ins Gedächtnis eingebrannt. „Den Tag werde ich wohl nie vergessen. Vor mir lag ein volles Auftrittswochenende in Niedersachsen, als der Anruf vom Veranstalter kam, dass das nicht stattfinden kann. Ich war damals quasi schon auf dem Weg dorthin“, erinnert sich Beate Ling. In den folgenden Tagen wurden Konzerte und Workshops bis in den Sommer hinein abgesagt. „Ich bin erstmal in eine Art Schockstarre gefallen.“ Das, was die Sängerin hier beschreibt, könnten wohl viele ihrer Musikerkollegen so oder so ähnlich berichten. Am 13. März wurde der erste Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie in Deutschland verkündet. Ein Tag, der für alle mehr oder weniger große Veränderungen mit sich brachte. Für freischaffende Künstlerinnen und Künstler brachte er vor allem leere Auftragsbücher und damit eine große Unsicherheit.

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Ling hat mit ihrem Pianisten Michael Schlierf ein Schreiben an Veranstalter verfasst, um Möglichkeiten und Ideen auszuloten, mit der Situation umzugehen. Unter anderem mit der Bitte, die Konzerte nicht abzusagen, sondern nur zu verschieben. „Das haben einige auch gemacht“, sagt die Stuttgarter Sängerin. Sie und Schlierf nahmen das ausgefallene Passions- und Osterprogramm mit dem Titel „Kreuzzeichen“ als Video auf. Damals ahnte freilich noch niemand, dass allen diese Form von Konzerten noch viele Monate erhalten bleiben würde.

Zeit für lang geplantes Buchprojekt

Nach den ersten Wochen der Pandemie folgte für Beate Ling ein persönlicher Schicksalsschlag. Im April 2020 verstarb ihr Vater. Was das in Zeiten einer Pandemie bedeutet, musste Ling hautnah erleben: Keine Besuche im Krankenhaus, keine Verabschiedung, die Trauerfeier auf den allerengsten Kreis beschränkt. Trotz der Trauer und allen Beschränkungen kann sie in der Situation aber auch etwas Gutes sehen. „Normalerweise ist im Frühjahr der Terminkalender immer voll. Dadurch, dass das alles nicht stattfinden konnte, hatte ich Zeit, mich um das Begräbnis zu kümmern und für meine Mutter da zu sein.“

Beate Ling. Saengerin. Foto: PressbildUnd auch für eine andere Herzensangelegenheit war nun Raum. Beate Ling ist nicht nur Solistin und Referentin, sondern auch Gesangscoach für Einzelpersonen und Chöre. „Ich hatte schon lange einmal vor, meine ganzen Erfahrungen in einem Coaching-Buch zusammen zu fassen. Die Idee lag bereits eine ganze Weile in der Schublade und mir war klar: Jetzt ist es dran.“

Und so verging mit der Entwicklung des Buchs „Gesangscoaching to go“, mit wenigen Live-Konzerten und vielen Stunden Einzelunterricht der Sommer. Doch im Herbst stand der erneute Lockdown vor der Tür.

Konzerte, die in der Hoffnung, dass bald alles vorbei ist, vom Frühjahr in den Herbst oder Winter verlegt wurden, liegen nun wieder auf Eis. Es ist Frust für beide Seiten: „Die Veranstalter, die erstmal nur verschoben hatten, und jetzt wieder absagen mussten, machen gerade keine neuen Termine mehr aus“, berichtet Ling. „Das ist natürlich traurig, aber auch nachvollziehbar.“ Trotzdem ist sie nicht verzweifelt: „Wie’s mir geht, hängt davon ab, wo ich hinschaue. Ich konzentriere mich einfach auf das, was geht. Ich schaue zu Gott und ich lerne gerade wieder neu, auf ihn zu vertrauen.“ Und so passieren auch immer wieder kleine Dinge, die Hoffnung machen. Manchmal überweist jemand einfach so etwas Geld. Oder es kommt die Einladung zu einem Auftritt bei einem Online-Festival, wie im letzten Advent. Das „Hope Songs Festival“ war wohl das erste christliche Online-Festival in Deutschland, das solche Dimensionen angenommen hatte: Zwölf Stunden Konzert von christlichen Künstlerinnen und Künstlern, die mit rund 50 000 Euro Spenden belohnt wurden.

Judy Bailey, Kuenstlerin, mit Familie. Kuechenkonzert. Foto: Patrick DepuhlDas war einmalig. Die „Hope Songs“, Lieder der Hoffnung, dagegen begleiten unzählige Menschen schon seit Beginn der Pandemie. Und die entstanden bereits im März in der Küche von Sängerin Judy Bailey und ihrem Mann Patrick Depuhl. Die beiden Musiker aus Nordrhein-Westfalen hatten sich gerade auf ein Konzert vorbereitet, als der erste Lockdown verkündet wurde.

Die Sache komplett ausfallen zu lassen, kam für sie nicht in Frage – also setzten sie sich am Konzertabend mit ihren drei Söhnen in die Küche, jeder bekam ein Instrument in die Hand, sie klemmten das Smartphone auf ein Stativ, gingen auf Facebook „live“ und spielten vor ihrem Internet-Publikum ein paar Songs. Die Reaktionen waren überwältigend. Und so waren sie geboren – die „Hope Songs from my kitchen“, die Hoffnungslieder aus der Küche.

Im Laufe des Jahres koordinierten Bailey und Depuhl insgesamt 100 Konzerte live aus den Küchen verschiedener Musikerinnen und Musiker. „Wir haben uns immer gefragt: Wie können wir den Leuten beistehen?“, erinnert sich Judy Bailey. „Und wir haben gesehen, was passiert, wenn wir losgehen und vertrauen. Wir haben gemerkt, wie viel wir zurückkriegen.“

Konzerte aus der Küche

Ihr Ehemann und Musikerkollege bestätigt: „Es gab immer wieder Fragen nach unserem Konto beim Internet-Bezahldienst Paypal und mehr Bestellungen in unserem Onlineshop.“ Sogar im Supermarkt wurden sie angesprochen. Und nicht zuletzt konnte das Paar sein neues Album realisieren. Das Album sollte eigentlich durch Konzerteinnahmen finanziert werden – in Zeiten von Corona eine schwierige Sache. Über das Internet haben viele Menschen das Projekt finanziell unterstützt und damit ermöglicht.

Kreiert haben die beiden ein Doppelalbum, dessen Inhalt und Titel nicht besser in die jetzige Zeit hätte passen können, die geprägt ist von Sorgen um das Coronavirus, Rassismus-Debatten und Demokratie-Krisen. Auf dem Album „Das Leben ist nicht schwarz-weiß“ liest Depuhl Gedanken und Kurzgeschichten vor, tiefsinnig und auch mal mit einem Augenzwinkern. Bailey zaubert mit ihrer Musik die Leichtigkeit ihrer karibischen Heimat in die Ohren ihrer Hörerinnen und Hörer.

Neben all den Projekten feierte das Künstlerpaar das 20-Jahr-Jubiläum ihres bisher größten Hits „Jesus in my house“ mit einem großen virtuellen Chor und gewann mit ihrem Dorf-Musik-Projekt „Home Alpenmusik“ den NRW-Landesheimatpreis.

Hinter dem Musikerpaar liegt ein intensives Jahr, in dem es auf andere Art „bezahlt“ wurde als sonst. Bailey und Depuhl haben erlebt, wie andere Menschen in sie investieren. „Ich hatte von Anfang an viel Vertrauen und ich habe erstmal nur an die nächsten Schritte gedacht“, sagt die Sängerin lachend. Ganz so leicht fiel es ihrem Partner nicht, da er derjenige ist, der die Konzertbuchungen managt. „Ich habe erlebt, dass innerhalb von wenigen Tagen fast alle Auftritte abgesagt wurden. Das ist schon hart. Und manche Fördertöpfe waren innerhalb von kürzester Zeit ausgeschöpft oder die Förderungen waren nur schwer zu beantragen. Trotzdem: Wir gehen zwar müde, aber gestärkt aus der Zeit. Sie hat uns ermutigt, Vertrauen zu haben und letzten Endes alles in Gottes Hand zu legen“, resümiert Depuhl. Denn eine staatliche Unterstützung steht vielen Musikerinnen und Musikern nicht zu. Die einmalige Soforthilfe haben zwar einige bekommen, für die darauffolgenden Hilfen stimmten bei zahlreichen freischaffenden Künstlern die Voraussetzungen aber nicht. Was allerdings nicht heißt, dass sie keinen Bedarf haben, sondern nur, dass sie anders als viele Betriebe oft nur wenig bis gar keine Fix- oder Personalkosten haben, die Berechnung an Vorjahresumsätzen so ihre Tücken hat oder sie aus anderen Gründen durchs staatliche Raster fallen.

Wie kompliziert die Lage für einige dadurch ist, scheint aber noch nicht bei allen Veranstaltern angekommen zu sein. Das bestätigt auch der Liedermacher Christoph Zehendner: „Manche Veranstalter sagen einfach: ‚Wir melden uns wieder, wenn alles vorbei ist‘.“ Über die Art und Weise war er manchmal tief geschockt. Denn: „Für manche Künstler ist es dann zu spät.“ Wie so vielen fehlen auch ihm die Einnahmen aus dutzenden ausgefallenen Konzerten. „Mich trifft es nicht so hart, ich lebe nicht von der Kunst“, sagt der Journalist und Theologe. Er lebt mit seiner Frau im Kloster Triefenstein und ist dort bei der Christusträger Bruderschaft angestellt.

So hat sich Zehendner nun zur Aufgabe gemacht, anderen Künstlern in dieser angespannten Lage zu helfen. Er selbst ist einer derjenigen, die seit Beginn der Pandemie wöchentliche Online-Konzerte abhalten. Und schon bei seinem allerersten Konzert hatte er davon gesprochen, dass sich manche Menschen Sorgen machen, wo sie Klopapier herbekommen sollen – andere, wo sie das Geld dafür hernehmen. „Darauf kriegte ich eine E-Mail, in der ich aufgefordert wurde, meine Bankverbindung anzugeben. Ich schrieb zurück, dass sei wohl ein Missverständnis, es gehe nicht um mich. Die Antwort war kurz und eindeutig: ‚Ich habe sie schon verstanden. Aber sie können das Geld ja weiterleiten‘“, erzählt der 59-jährige. Am nächsten Tag fand er 10 000 Euro auf seinem Konto vor, die er umgehend an Kolleginnen und Kollegen, von denen er wusste, dass sie knapp bei Kasse sind, weitergab.

Davon inspiriert hat der Musiker im vergangenen November gemeinsam mit zwei Kollegen die Initiative „Künstler unterstützen“ gegründet – eine Initiative von Künstlern für Künstler. Seitdem telefoniert Zehendner jeden Tag mit Künstlerinnen und Künstlern und fragt nach, wie sie durchkommen.

„Die meisten wissen schon, mit welchem Geld sie Lebensmittel kaufen, aber mit anderen Ausgaben wird es für den einen oder anderen schwierig“, berichtet er aus den Gesprächen. Dabei geht es um Ausgaben wie den Schulranzen fürs Kind, die Rechnung der Autowerkstatt oder die Miete fürs Tonstudio. „Selbstverständliche Dinge sind plötzlich nicht mehr selbstverständlich“, bedauert er. Wo es gebraucht wird, schenkt er das Geld weiter, das die Initiative anvertraut bekommt.

Hilfe für zusätzliche Ausgaben

Die meisten der christlichen Musikerinnen und Musiker sind auch in Zeiten wie diesen sehr kreativ. Sie wollen trotz der angespannten Lage Hoffnung an ihr Publikum weiter geben und inspirieren. Die Bemühungen, das zu tun, was ihnen als Künstler wichtig ist, sind riesig. Die Zahl der kostenlosen Live-Streams und Online-Konzerte in den vergangenen Monaten beweist es. Und gleichzeitig sind es der Zuspruch und die ganz praktische Unterstützung ihres Publikums, die jedem einzelnen Kreativen immer wieder das Vertrauen geben, dass sich gemeinsam auch eine Pandemie durchstehen lässt.

So können Sie Künstler und Künstlerinnen unterstützen: Hören Sie ihre Lieblingsmusik über kostenpflichtige Internet-Dienste (Streaming).

Kaufen Sie Produkte. Die meisten Künstler bieten CDs, Bücher oder Gutscheine an.

Besuchen Sie Online-Konzerte. Meist gibt es virtuelle Tickets oder die Möglichkeit zu spenden.

Unterstützen Sie Künstler durch Spenden. Entweder direkt oder beteiligen Sie sich an Spenden-Initiativen im Internet (Crowdfunding).

Buchen Sie Künstlerinnen für das Zoom-Mitarbeiterfest der Gemeinde, das persönlich vorgetragene Geburtstagsständchen am Telefon, den Musik-Abendgottesdienst live im Internet.

 

Medien-Tipp

Beate Ling: Gesangscoaching to go. SCM Hänssler Musik 2020, 132 Seiten, 17,99 Euro.

Judy Bailey, Patrick Depuhl: Das Leben ist nicht schwarzweiß. Doppel-CD, 20 Euro.

Diese Medien erhalten Sie bei unserem Bestelltelefon 0711-60100-28 und bei unserer Internetbuchhandlung: www.buchhandlung-eva.de