Christliche Themen für jede Altersgruppe

Backen mit Eid auf die Bibel

OCHSENHAUSEN (Dekanat Biberach) – Es ist ein unscheinbares Haus im Wohngebiet von Ochsenhausen. Aber dort werden pro Monat bis zu 1,5 Millionen Hostien und Oblaten in unterschiedlichen Größen ­hergestellt. Die katholisch verpflichtete Bäckerei beliefert auch evangelische Gemeinden in der ganzen Welt – und hat viel Besuch, von evangelischen und katholischen Gruppen. 


Tante Toni stanzt Hostien aus den Oblatenplatten.Die hellbraunen Brothostien liegen zum
Versand in alle Welt bereit. (Foto: Rainer Wiese)

25 Kinder und vier Mütter aus Primizweiler im schwäbischen Oberland drängen sich in den kleinen Produktionsräumen der Hostienbäckerei Klumpp. Hier werden die Oblaten aus den kurzgebackenen Weizenplatten gestanzt, und die Kinder greifen zu. Die Reste aus den beiden Stanzmaschinen schmecken. Ralf Klumpp unterbricht seine Erklärungen und bittet energisch darum, die Finger von den gelochten Teigstreifen zu lassen und schon gar nicht draußen, auf dem Hof vor dem unscheinbaren Backhaus davon zu essen. Denn die herunterfallenden Brocken machten „eine Riesensauerei“, besonders nach einem Regen. Später reicht Klumpp der ganzen Gruppen einen großen Sack voll Stanzresten, für die Rückfahrt. Sonst gehen die Reste an Bauern als Futter für die Schafe.

Drei bis vier Besuchergruppen begrüßt Ralf Kumpp wöchentlich in seiner Bäckerei. Ministranten, Kommunionkinder wie die aus Primizweiler, Mesner und Konfirmanden kommen nach Ochsenhausen, um zu sehen, wo und wie die Hostien hergestellt werden für das evangelische Abendmahl und für die katholische Eucharistie.

Die Hostienbäckei Klumpp mit Familientradition in dritter Generation, ist eine katholische Bäckerei. Ralf Klumpp ist wie sein Vater und dessen Vater auf die Bibel vereidigt worden. Vor dem Eid wurde Klumpp wie seine Väter von der Kirche auf spirituelle, moralische und handwerkliche Eignung für die Hostienbäckerei geprüft. Die Klumpps haben geschworen, Hostien exakt nach dem Codex Iuris Canonici 924 der katholischen Kirche herzustellen: Weizenmehl und Wasser und sonst nichts.

Diese Festlegung steht in der Tradition des ungesäuerten Brotes der Israeliten, worüber im Zusammenhang mit dem Auszug aus Ägypten im Alten Testament berichtet wird. Hostien wurden schon im Mittelalter für nötig erachtet, weil das vorher im Abendmahl genutzte tägliche Brot zu leicht bröckelte. Die Brocken fielen auf den Boden, was als Verunglimpfung der Eucharistie empfunden wurde.

„Die halten ewig“, charakterisiert der Bäcker sein Produkt, „auch wenn sie dann wie Pappendeckel schmecken.“ Aber sie müssen trocken gelagert werden. Sonst kommt es zum „Hostienwunder“, erzählt Klumpp den Kindern, die geradezu atemlos zuhören. Wenn seine Hostien nämlich feucht werden, nehmen sie eine rote Farbe an, und wenn sie nass werden, kann aus der roten Masse schon mal rote Flüssigkeit tropfen. Wenn das passiert und der Priester die Hostie hochhebt, dann kann manche fromme Seele ein Wunder gesehen haben. Von solchen „Hostienwundern“ wurde mehrfach berichtet, dabei sei alles „reine Chemie“, weiß Ralf Klumpp.

Nicht ganz so pragmatisch sieht Klumpp seine Arbeit und das Produkt. Die Hostie sei ja ein zentraler Teil der Eucharistie und also Teil eines „Kernelementes des christlichen Glaubens“, auch seines Glaubens und seiner überzeugten, wenn auch nicht besonders aktiven Mitgliedschaft in der katholischen Kirche. Sein Unternehmen werde aus „tiefer christlicher Tradition“ betrieben. Ökumene sei selbstverständlich und der Einsatz seiner Oblaten im evangelischen Gottesdienst für ihn kein Problem, mittlerweile wohl auch für niemanden in der katholischen Kirche.

Die acht, vom „bischöflichen Ordinariat genehmigten“ Motive, die den Hostien eingebacken werden, sind konfessionell neutral, das Kreuz in verschiedenen Ausführungen, eine Friedenstaube, Alpha und Omega. Alle Abnehmer bekommen eine gleichmäßige Mischung der Motive, auf besonderen Wunsch wird aber auch sortiert, für die evangelischen Gemeinden in Skandinavien zum Beispiel.

„Wir freuen uns, dass wir von Ochsenhausen aus in die christliche Welt liefern dürfen“, bekräftigt Klumpp. Bedient werden geeignete Personen und Institutionen, Pfarrer und Gemeinden. „Wir verkaufen nur an Fachpersonal.“ Man will sicher sein, dass mit dem Gebäck kein Schindluder getrieben wird, schwarze Messen zum Beispiel. Die Kundenliste zeigt Adressen in Europa, in Amerika, in Asien. 2,90 Euro kosten 500 Standard-Brothostien, zehn Stück der 22-Millimeter-Konzelebrationshostien werden mit 5,20 Euro berechnet.

In der Saison (Herbst, Winter, Frühjahr) werden bis zu anderthalb Millionen Hostien pro Monat hergestellt. Der Teig „aus reinem Weizenmehl und reinem Wasser“ wird auf Waffeleisen zu 22 Zentimeter breiten Platten gebacken. Für die weißen Oblatenhostien eine Minute bei 125 Grad auf Edelstahl, die dickeren Platten für die hellbraunen Brothostien entstehen bei 200 Grad über Gusseisen, 40 bis 60 Platten für bis zu 25.000 Oblaten pro Stunde. Die Platten lagern einen Tag in befeuchteter Luft. Dann werden die Oblaten in unterschiedlichen Formaten ausgestanzt.

Dazu wurde ein Automat entwickelt, der – ökumenisch korrekt – von einer evangelischen Mitarbeiterin bedient wird und 30.000 Stück im „Normalformat“ von 32 Millimetern Durchmesser liefert, pro Stunde. Tante Toni, Schwester von Vater Klumpp, seit Jahrzehnten im Betrieb, schafft 16.000 Oblaten mit einer einfachen Stanze, aber meist schneidet sie mehr Oblaten aus einer Platte.

Standard ist die Brothostie in vier Größen bis 66 Millimeter. Nach dem 2. Vatikanischen Konzil legte die katholische Kirche Wert darauf, dass die Hostien deutlicher „Brot“ abbildeten, also wurde der unverändert gemischte Teig dicker auf das Backeisen aufgetragen und länger und heißer gebacken. Gusseisen als Material für das Backeisen verstärkte die Anmutung.

Trotzdem sind die „Laienhostien“ weiter im Angebot, weiß, in drei Größen bis 40 Millimeter und mit dem Problem, leicht auch mal am Gaumen zu kleben. 66 Millimeter groß sind die „Priesterthostien“, die in der Zelebration gut hörbar knacken und üblicherweise in drei Teile gebrochen werden: je ein Teil für Priester und Konzelebrant und ein Zipfel kommt in den Wein. Für das Hochamt mit mehreren Konzelebranten werden „Konzelebrationshostien“ hergestellt in Größen von 9 bis 22 Zentimetern. „Größer geht nicht“, sagt Ralf Klumpp, „weil unsere Waffeleisen nicht mehr hergeben“.

Angeboten werden darüber hinaus glutenfreie Hostien aus Kartoffelstärke und auch individuell gestaltete Oblaten mit aufgeklebten essbaren Papierbildern. Hier wird die Produktpalette weltlich, Oblaten heißen jetzt Esspapiere und werden illustriert nach dem Wunsch des Kunden, als Brotetikett oder auch mit einem Popstar auf der Vorderseite.

Die Kinder aus Primizweiler waren in allen Räumen der Hostienbäckerei, im Backraum, in der Stanzerei, haben ins Zwischenlager geschaut und sich in dem kleinen Vertriebsraum gedrängelt. Ralf Klumpp stellt sich ins Gruppenbild zum Abschied, die Kommunionkinder ziehen jetzt weiter. „Standardprogramm“, meint Klumpp. Seine Bäckerei sei halt ein beliebtes Ausflugsziel für kirchliche Gruppen. „Ist eine Freude, die Gruppen hier zu haben, aber ich muss schauen, dass es nicht zu viel werden, sonst kommt ma gar nimmer zum Schaffa“, sagt der Hostienbäcker. Fünf Mitarbeiterinnen schaffen mit dem Bäckermeister. Ein auskömmliches Geschäft, bilanziert Kumpp knapp, „aber nichts zum Reichwerden“.¦