Christliche Themen für jede Altersgruppe

Bibelfest und zeitbezogen

Der Tod ist nicht das Ende, es gibt ein Leben danach. Doch das ist erst durch Jesu Tod und Auferstehung möglich. Dafür muss man erkennen, dass Jesu Auferstehung direkt mit uns zu tun hat. Das Lied „Jesus lebt, mit ihm auch ich!“ kann einem dabei helfen.

Das Osterlied des Liederdichters Christian Fürchtegott Gellert beginnt mit einer Osterformel, die man sich gut merken kann. Genauer kann man fast nicht sagen, was da an Ostern geschehen ist, ohne Schnörkel, eindrücklich, einprägsam. Die Worte tönen wie eine Fanfare hinaus: „Jesus lebt, mit ihm auch ich“ (Evangelisches Gesangbuch Nummer 115). Der Jesus der Bergpredigt, der Kranke gesund gemacht hat, der Meister und Lehrer seiner Jünger, der Kritiker zwanghafter Frömmigkeit, grausam umgebracht von römischen Soldaten, liebevoll begraben von Frauen und Männern, die ihn liebten, ist nicht tot, er lebt.

Er ist von den Toten auferweckt worden zum Leben. Aber nicht zum alten Leben, sodass er wieder sterben müsste, sondern in ganz neuer Gestalt zu unvergänglichem, tatsächlich unsterblichem Leben. Früher hat es im Glaubensbekenntnis geheißen: „... am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten ...“. Heute lässt man das Wörtlein „wieder“ weg: „... am dritten Tage auferstanden von den Toten ...“ Jesus kehrt nicht ins alte Leben zurück, dieses neue Auferstehungsleben umfasst Leben und Tod in sich, und ist etwas ganz Neues.

„Jesus lebt, mit ihm auch ich!“ Das gehört zusammen. Die Auferweckung Jesu umspannt die Zeiten und reicht bis zu mir: Jesus lebt, mit ihm auch ich! Seither gehören unauflöslich zusammen: Er und ich, Gottes Sohn und Gottes Kinder, das Haupt und die Glieder, der Hirte und seine Schafe.

Es gibt Auto-Aufkleber mit den beiden Worten „Jesus lebt“, aber das greift zu kurz. Denn das ist nur die Hälfte von dem, was man an Ostern sagen muss. Jesus lebt, mit ihm auch ich! Das ist das Ganze.
Der Dichter dieses Osterliedes, Christian Fürchtegott Gellert, ist vor 300 Jahren im Erzgebirge in einem kinderreichen Pfarrhaus geboren worden. Seit seiner Geburt ist er kränklich. Er studiert Theologie, um dem Vater im Pfarramt zu helfen, aber seine Konstitution reicht nicht aus, ein selbständiges Pfarramt zu übernehmen. Er sei sehr schüchtern gewesen, wird erzählt. Er verlegt sich auf die Wissenschaft, wird Hochschullehrer in Leipzig. Gellert ist zeitlebens ein hochgebildeter Mann mit einem schlichten, biblisch fundierten Glauben.

Die Zeiten waren aber anders. Zu Gellerts Zeiten war es modern, über Religion und Kirche spöttisch herzuziehen, die Bibel als veraltetes Geschichtenbuch, das völlig unvernünftig sei, durch den Kakao zu ziehen. Gellert hat mit diesen „vernünftigen Religionsspöttern‘“ zeitlebens zu tun gehabt – in einer Universitätsstadt wie Leipzig kann man sich nicht ausweichen. Er ist beim Glauben an Jesus Christus, wie er in der Bibel bezeugt wird, geblieben.

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Gellert hat in Schriften und Gedichten für den Glauben argumentiert, und das Hauptanliegen dieser Zeit, nämlich zu einer Besserung der allgemeinen Moral beizutragen, genauso hochgehalten, wie diejenigen, die Bibel und Religion als veraltet bespöttelt haben.

Insofern berührt sich der damalige Zeitgeist recht eng mit unserer Zeit. Auch heute leben wir mit Kritik gegenüber Bibel und Kirche.

Die erste Strophe ist eine Auslegung der Eingangsformel. „Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken?“ Das ist Paulus, der in 1. Korinther 15 schreibt: „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ Weiter schreibt Gellert: „Er, er lebt, und wird auch mich von den Toten auferwecken. Er verklärt mich in sein Licht. Dies ist meine Zuversicht.“ Damit knüpft Gellert an das bekannte Lied „Jesus, meine Zuversicht“ an, nach dessen Melodie dieser Text auch gesungen wird.

Den biblischen Gehalt dieser ersten Strophe – „Er und ich“ – steht bei Hiob (19,25 und 26): „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der letzte wird er über dem Staub sich erheben. Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen.“ Jesus lebt, mit ihm auch ich!
Die zweite Strophe führt diesen österlichen Grundgedanken weiter, dass Jesus nicht für sich selbst auferstanden ist, sondern für uns. „Jesus lebt! Ihm ist das Reich über alle Welt gegeben.“ „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden“, das klingt an. „Mit ihm werd auch ich zugleich ewig herrschen, ewig leben. Gott erfüllt, was er verspricht, dies ist meine Zuversicht.“ Gellert orientiert sich am 2. Timotheusbrief (2,11 und 12): „Sind wir mit gestorben, so werden wir mit leben; dulden wir, so werden wir mit herrschen.“ Mit diesen verschiedenen biblischen Anklängen ist dieses Lied selber eine Osterpredigt.

Auch die fünfte Strophe geht davon aus: Jesus lebt! Diesmal drückt Gellert den Ertrag aus Ostern mit Worten des Paulus aus dem Römerbrief aus (8,38 und 39): „Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“ Heute schon haben wir Anteil an Jesu Auferstehung, nicht erst am Ende der Tage.

Aus diesem Halt folgt eine neue Haltung: Wir sollen Jesu Tod und Auferstehung für uns gelten lassen. Das ist die neue Haltung.

Gellert sagt in der Ausdrucksweise seiner Zeit, das sei unsere „Pflicht“. Das stößt uns heute ein bisschen auf: „Er gibt Kraft zu dieser Pflicht.“ Damit ist – mit Gellerts Worten – die Pflicht zum Glauben gemeint. Aber der Glaube ist keine Pflicht so, wie ich die Pflicht habe, morgens um 7 Uhr zum Schichtbeginn bei der Arbeit zu sein. Gott gibt die Kraft zu dieser Pflicht. Gott schenkt den Glauben, das ist nicht unsere mühsame Leistung. Und deshalb kann man darum bitten.

In der sechsten Strophe deutet Gellert das Wort Jesu aus dem Johannesevangelium (14,6): „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ Gellert sagt: „Jesus lebt! Nun ist der Tod mir der Eingang in das Leben. Welchen Trost in Todesnot wird er meiner Seele geben, wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht!“ Aus dem Tod wird ein Tor, die Tür zu einer unzerstörbaren Gemeinschaft von Schöpfer und Geschöpf. Der Ausgang ist der Eingang, der Todestag der Geburtstag.

Gellert war zu seiner religionskritischen Zeit ein kritischer Zeitgenosse. Unsere Zeit ist darin nicht viel anders. Deshalb können Gellerts Lieder ein Anstoß sein, unseren Glauben mit seiner Hilfe bibelfest und zeitbezogen zugleich auszudrücken, und so das Gesangbuch als eine Sprachhilfe des Glaubens zu nutzen. Denn wie will man den Osterglauben besser, kürzer und klarer sagen, als mit diesen Worten: Jesus lebt, mit ihm auch ich!

Jesus lebt, mit ihm auch ich

1 Jesus lebt, mit ihm auch ich!
Tod, wo sind nun deine Schrecken?
Er, er lebt und wird auch mich
von den Toten auferwecken.
Er verklärt mich in sein Licht;
dies ist meine Zuversicht.

2 Jesus lebt! Ihm ist das Reich
über alle Welt gegeben;
mit ihm werd auch ich zugleich ewig
herrschen, ewig leben.
Gott erfüllt, was er verspricht;
dies ist meine Zuversicht.

5 Jesus lebt! Ich bin gewiss, nichts
soll mich von Jesus scheiden,
keine Macht der Finsternis,
keine Herrlichkeit, kein Leiden.
Er gibt Kraft zu dieser Pflicht;
dies ist meine Zuversicht.

6 Jesus lebt! Nun ist der Tod
mir der Eingang in das Leben.
Welchen Trost in Todesnot
wird er meiner Seele geben,
wenn sie gläubig zu ihm spricht:
Herr, Herr, meine Zuversicht!

Christian Fürchtegott Gellert (1757)