Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das Geheimnis des Glaubens

1. Timotheus 3,16  Und groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens. 

Impuls zum Predigttext für die Christnacht: 1. Timotheus 3,16.  Von Gabriele Arnold

Gabriele Arnold ist Prälatin der Prälatur Stuttgart.



An Weihnachten werden sie endlich alle gelüftet – die großen und die kleinen Geheimnisse. Auch wenn wir Erwachsenen nicht mehr so gespannt und verzaubert sind wie die Kinder, so freuen wir uns eben doch über das kleine Schächtelchen des Liebsten. Und wir sind gespannt, was da wohl für uns geheimnisvoll verpackt wurde.

Nur das eine, das ganz große Geheimnis bleibt geheimnisvoll, fern und irgendwie unerreichbar. Jedenfalls dann, wenn wir dieses Geheimnis mit unserem kleinen begrenzten Verstand und unserer Logik entschlüsseln wollen.

Dieses Geheimnis erschließt sich uns nur in unserem Herzen: das Geheimnis des Glaubens. Gott offenbart und zeigt sich. Gott kommt und bleibt in der Welt. Es ist ein Geheimnis.

Jedes Kind, das zur Welt kommt, ist ein Geheimnis. Es ist biologisch eigentlich ganz einfach und ganz normal. Doch zugleich ist es wunderbar und geheimnisvoll, dass da neues Leben entsteht. Bei jedem Kind, das in unsere Familie geboren wird, staunen wir aufs Neue und können nicht fassen, dass da ein neuer Mensch ist. Noch ganz klein und doch vollendet und schön ist dieses neue Leben und wir wissen nicht, welche Welten dieses Menschlein zu uns mitbringt.

Das Kind aber, das Maria zur Welt bringen wird, ist etwas Besonderes. Es ist der Besondere, auf den die Menschen Jahrhunderte gewartet haben. Es ist der Retter, der Messias, der Erlöser. So viele Hoffnungen haben sich seit Jahrtausenden mit ihm verbunden.

Die Hoffnung auf Frieden, auf Befreiung, auf das Ende von Hunger, Schrecken und Gewalt. Viele dieser Erwartungen wird das Kindlein, dessen Geburt wir am Christfest feiern, nicht erfüllen. Noch immer toben Kriege. Noch immer hungern Menschen. Die Saat der Gewalt geht täglich aufs Neue auf. Und noch immer werden Kinder in Notunterkünften und auf der Flucht geboren.

So vieles hat sich nicht erfüllt, aber erfüllt hat sich etwas ganz und gar Unerwartetes. Etwas, von dem wir nie zu träumen gewagt hätten.

In diesem Kind kommt Gott selbst zur Welt. „Gott wird Mensch dir, Mensch, zugute. Gottes Kind, das verbind‘t sich mit unserem Blute.“

Gott wird Mensch. Er nähert sich uns nicht nur interessiert an. Er schaut nicht nur kurz vorbei, klingelt und geht dann wieder, weil er eigentlich keine Zeit hat. Gott kommt. Er kommt als Mensch und ist sich nicht zu schade für ein Menschenleben. Das ist das Geheimnis von Weihnachten, und wer es mit dem Verstand begreifen will, greift zu kurz.

Viel zu klein ist unser Verstand für die unmöglichen Möglichkeiten Gottes.

„O dass mein Sinn ein Abgrund wär’ und meine Seel ein weites Meer, dass ich dich möchte fassen!“
Singend, feiernd und betend können wir das Geheimnis erahnen. Genau deshalb singen und feiern wir auch an Weihnachten. Weil dabei unser ach so hartes Herz angerührt wird und wir wieder zart und behutsam werden und dann recht mit diesem Geheimnis umgehen können.

Was wir nie zu träumen gewagt hätten, erfüllt sich in diesem Kind.

Denn auch wenn unsere Welt noch immer schrecklich und grausam ist und wenn noch immer so viele Tränen geweint werden, so ist doch unsere Welt nicht mehr gottlos. Wir sind nicht mehr gottlos.
Seit jenem Weihnachten geht Gott mit uns. Er geht mit uns durch die Tage des Glücks und des Lachens. Er scheint auf im Glück und im Glanz unserer Liebe. Gott geht aber auch mit uns durch die Tage der Trauer und der Angst.

Nun wird es nichts mehr geben, was mich von Gott trennen könnte: meine Schuld nicht, mein Scheitern nicht, die bange Todesangst nicht, ja nicht einmal mein eigener Tod. Und so bleibt er in der Welt, in seinem Wort und in den Geschichten und Liedern, in Musik und Trost und in meinem Leben bis heute. So will er auch in diesem Jahr wieder zu uns kommen und Wohnung bei uns nehmen.
Meister Eckhart, einer der großen Lehrer der Kirche, hat es so schlicht und schön gesagt:
„In dem Augenblick, in dem du bereit bist, geht Gott in dich ein ohne Verzögerung und ohne Zögern. ... Du musst ihn nicht eigens suchen, weder dort noch hier. Er ist ja nicht weiter weg als vor der Tür deines Herzens.“



Gebet
Großer Gott, Du Geheimnis der Welt,
wir kommen aus dem Staunen nicht heraus und
können es kaum fassen. Du kommst zu uns in
unsere Herzen und Häuser. Dafür danken wir Dir.
Und bitten Dich: Lass uns Deinem Geheimnis auf
die Spur kommen. Lass uns den Weg zur Krippe
finden zu dem Kind, in dem du uns nahekommst,
in dem du uns deine Liebe schenkst, in dem du uns
erlöst und befreist.
Amen.