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Der einstige Hoffnungsträger - Robert Mugabe

Simbabwe war einmal ein Musterland Afrikas. Nach der Unabhängigkeit 1980 blühte das ehemalige ­Rhodesien förmlich auf. Bis der einstige Freiheitsheld Robert Mugabe zum Diktator wurde und das Land zu Grunde richtete. Inzwischen ist er tot, doch der Staat im südlichen Afrika erholt sich von den Folgen des Terrors und der Misswirtschaft nur langsam. 

Simbabwe Nationalpark, Löwe in freier Wildbahn

Simbabwe: Großartige Natur mit Nationalparks. Foto: Janine Grab-Bollinger/pixelio

Wer Mitte der 1990er-Jahre nach Simbabwe gereist ist, der erlebte ein wunderbares Land voller Hoffnung. Die Wirtschaft und der Tourismus entwickelten sich gut, das Straßennetz war hervorragend und die Versorgungslage war es auch. Die Lebenserwartung der Menschen war deutlich gestiegen, die Kindersterblichkeit spürbar gesunken: Über zehn Jahre Unabhängigkeit hatten dafür gesorgt, dass nicht nur die Oberschicht, sondern die breite Bevölkerung von der Entwicklung profitierte.

Mugabe - respektierter Freiheitskämpfer

Dafür war vor allem ein Mann verantwortlich: Präsident Robert Mugabe. Als er 1980 die Macht aus der Hand der britischen Krone übernahm, war er ein Hoffnungsträger der Entkolonisierung. Ein weithin respektierter Freiheitskämpfer, der mit Besonnenheit den Wandel herbeiführte. So wurden die knapp 5000 weißen Farmer, die im Land lebten, nicht vertrieben, sondern zu Staatsbürgern.

Mugabe profitierte von ihnen: Sie zahlten in weit überdurchschnittlichem Maße Steuern und sorgten für reichlich Devisen. Tabak und Mais waren Exportprodukte, die international gefragt waren, Simbabwe galt Mitte der 90er-Jahre als Kornkammer Afrikas. Dass die Nachfahren der weißen Kolonisten rund 75 Prozent des fruchtbaren Landes besetzten, schien zunächst kein Problem zu sein: Es war ja genug da für alle.

Doch unter der Oberfläche begann es zu brodeln: Das immense Bevölkerungswachstum ließ immer mehr Kleinbauern ohne Auskommen zurück. Sie erinnerten sich an das, was ihnen versprochen worden war: eine Landreform, mit der peu á peu der Reichtum umverteilt werden sollte. Dafür hatte man schließlich in der Kolonialzeit gekämpft, dafür war ja auch Präsident Mugabe angetreten.

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Die große Zahl der weißen Farmer war ein Erbe der Geschichte. 1893 hatte der britische Politiker und Unternehmer Cecil Rhodes dort die Schürfrechte für Diamanten und andere Bodenschätze erworben. Das Land überließ er englischen Siedlern, die die Kolonie nach ihm benannten: Rhodesien.

1911 wurde sie geteilt: In Nordrhodesien, das heutige Sambia, und in Südrhodesien, heute Simbabwe. Vor allem Südrhodesien eignete sich mit seinem subtropischen Klima für die Landwirtschaft und für die Besiedlung durch Europäer. Sie kamen in großer Zahl und gingen ihren ganz eigenen Weg: Als in Afrika die Kolonien allmählich unabhängig wurden und die Macht an einheimische Regierungen überging, sagten sich in Rhodesien die weißen Siedler selbst von der britischen Krone los. Eine einseitige Unabhängigkeitserklärung, die von England nie akzeptiert wurde.

Doch mit Südafrika und dem heutigen Namibia hatte man Länder an der Seite, in denen es ganz ähnlich gelaufen war. Auch dort hatten weiße Minderheiten das Sagen. So gab es in Südrhodesien zwar eine parlamentarische Republik, aber kaum Abgeordnete mit schwarzer Hautfarbe.

Aus Rhodesien wurde Simbabwe - unter Robert Mugabe

Ab Mitte der 1970er-Jahre wendete sich das Blatt. Eine zunehmende internationale Isolierung, ein zermürbender Guerillakrieg und wirtschaftliche Schwierigkeiten zwangen die weiße Regierung zum Einlenken. Für ein paar Monate kam Rhodesien wieder unter die Verwaltung der britischen Krone, ehe es schließlich zum zweiten Mal unabhängig wurde, als international anerkanntes Land mit dem Namen Simbabwe und Robert Mugabe an der Spitze.

Simbabwe, Viktoria-Fälle

Die Viktoria-Wasserfälle. Foto: kathy1976/pixelio

20 Jahre später stand diesem Mugabe nun selbst das Wasser bis zum Halse. Erstmals seit der Unabhängigkeit 1980 drohte der Regierungspartei und dem inzwischen 76-jährigen Präsidenten die Abwahl. Er reagierte prompt und machte den missmutigen Wählern weitreichende Versprechungen: das Land der weißen Farmer sollten sie bekommen, die nun in kurzen Ultimaten zur Räumung ihrer Besitztümer aufgefordert wurden.

Binnen weniger Monate kippte so die Stimmung im Lande und hunderte von Farmern wurden enteignet und vertrieben. Der Rechtsweg blieb dabei zumeist außen vor, immer öfter sahen sich die reichen Bauern nun einem Mob gegenüber, der ihre Häuser anzündete und auch vor Gewalt und Folter nicht zurückschreckte.

Die Folgen waren weitreichend: Innerhalb von nur wenigen Jahren wurde aus einem Land, das einst für Wohlstand und ein friedliches Miteinander stand, ein von Hass, Terror und Misswirtschaft gezeichnetes Gemeinwesen. Das Bruttosozialprodukt halbierte sich, Touristen kamen fast keine mehr und die einheimischen Bauern konnten nicht wirklich Fuß fassen in einem System, das zwar Land, aber kaum Know-How und Hilfen bereithielt.

Robert Mugabe - Karikatur seiner selbst

Eine Hyperinflation war die Folge, der Simbabwe-Dollar musste als Währung zeitweise ausgesetzt werden. Derweil wurde Robert Mugabe immer mehr zu einer Karikatur seiner selbst, bediente sich schamlos aus der Staatskasse und hatte alleine 15 der enteigneten Farmen selbst in Beschlag genommen. 2017 wurde er schließlich entmachtet, nach über 15 Jahren Terror und Verfolgung der politischen Gegner. Ein 93-jähriger Despot, der sein eigenes Lebenswerk ruiniert hatte.

2019 starb Robert Mugabe. Das Land, das er hinterlässt, berappelt sich nur langsam. Ein paar wenige Farmer sind zurückgekehrt. Die Demokratisierung kommt nur schleppend voran. Doch die Hoffnung bleibt, dass aus Simbabwe eines Tages wieder das wird, was es einmal war: ein Land mit Menschen, die voller Stolz und Zuversicht in die Zukunft blicken können. ■