Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der Meister der Herzen ist Gott

Jeremia 31,31–34  Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben. Sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Impuls zum Predigttext vom Sonntag Exaudi, Jeremia 31,31–34.  Von Veronika Bohnet

Das eigene Wort oder geschlossene Verträge zu brechen, gilt in Politik und Gesellschaft neuerdings als besonders smarte Verhandlungstaktik oder als das Recht des Stärkeren. Im Orient wurde ein gebrochenes Wort zur Zeit des Propheten Jeremia als für beide Seiten zutiefst beschämendes Fehlverhalten gewertet. Ein Vertrag war eine todernste Sache. Das hebräische Wort dafür heißt: „einen Bund schneiden“. Das wurde wörtlich genommen.

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Wenn zwei Völker miteinander einen Bund schlossen und sich so Frieden und gegenseitige Hilfe versprachen, dann wurde ein frisch geschlachtetes Kalb in zwei Teile zerschnitten. Die Repräsentanten beider Vertragspartner schritten gemeinsam zwischen den blutenden Tierhälften hindurch. Diese gruselige Handlung war eine magisch verstandene Verpflichtung. Wehe dem, der einen auf diese Weise geschlossenen Bund brach! Ihm drohte zur Strafe das gleiche Schicksal wie dem zerteilten Opfertier. Ein vertragsbrüchiges Volk würde zerschlagen und in alle Winde zerstreut werden.

Ein gebrochener Vertrag galt im Orient als etwas ganz Schreckliches, Unentschuldbares. Noch während der Zeit der Kreuzzüge berichteten sarazenische Feldherren voller Entsetzen und Abscheu über die ins Land eingedrungenen europäischen Kreuzfahrer: Sie müssen schreckliche Barbaren sein, denn sie brechen Verträge!

Ist ein Bund geschlossen worden, dann gilt es, ihn aufrechtzuerhalten und sich immer an ihn zu erinnern. Ein vergessener oder ein schlafender Bund ist wie ein gebrochener zu behandeln.

In der Bibel wird deshalb das Verhältnis zwischen Gott und dem Volk Israel am liebsten mit einem Bundesschluss verglichen. Am Berg Sinai ist Israel mit Gott einen feierlichen Bund eingegangen. Beide Vertragspartner haben dort etwas versprochen. Gott hatte das Volk aus der Sklaverei in Ägypten gerettet und es auf seiner Wanderung durch die Wüste bewahrt. Er war vor dem Bundeschluss also schon in Vorleistung gegangen, um seine Glaubwürdigkeit zu beweisen. Nun verspricht er im Vertrag, das Volk weiterhin zu beschützen und ihm ein Land zu schenken, in dem es sicher wohnen kann. Zugleich schenkt Gott seinem Volk lebenswichtige Gebote für ein friedliches Miteinander. Israel verspricht im Gegenzug, diese Gebote zu halten und Gott als seinen alleinigen Herrn anzuerkennen.

Aber das Volk erfüllte die Gebote nicht, und es war Gott nicht treu. Der Bund zerbrach. Politisch folgte ein Desaster: ein geteiltes Königreich, Krieg, Gefangenschaft und Untergang. Jesaja schaut darauf zurück. Kommt jetzt das Ende? „Es werden Tage kommen ...“, schreibt er. Von der Zukunft her dringt ständig Neues auf uns herein. Aber diese Zukunft gehört uns nicht. Gott ist der Herr von allem. Er ist der Herr der Zeit, der Besitzer des Bundes und der Meister der Herzen.

Dieser Gott lässt sich nicht entmutigen. Die Gebote, die er uns Menschen gegeben hat, waren und sind zu wichtig, um aufgegeben zu werden. Ohne sie gehen wir als Einzelne und als Menschheit zugrunde. Deshalb legt Gott den Bund mit seinen Verpflichtungen neu auf. Aber diesmal geht er auf Nummer Sicher. „Schreib’s dir hinter die Ohren“, mahnte meine Mutter, wenn ich etwas Wichtiges vergessen hatte. Gott schreibt den Menschen seinen erneuerten Vertrag nicht nur hinter die Ohren, sondern direkt ins Herz.

Von nun an können sie gar nicht mehr anders, als den Bund halten und pfleglich miteinander umgehen. Zusätzlich wird Gott in dieser verheißenen Zeit ein für alle Mal die Schuld vergeben. Nichts darf mehr belasten, nichts darf mehr fesseln. Jeremia weiß, dass die Gegenwart zu so einer Hoffnung kaum Anlass gibt. Der versprochene Bund und die neue Verpflichtung liegen in der Zukunft. Im Alten Testament ist davon nach Jeremia auch nie mehr die Rede. Aber das Neue Testament lässt sie neu aufleuchten und setzt unter Gottes Versprechen sein Siegel, das die Zukunft mit der Gegenwart verschmilzt. „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn“, schreibt der Apostel Paulus (Galater 4,4). Jesus besiegelt den Bund mit Gott ein für alle Mal.


Gebet

Vater im Himmel, du gibst uns nicht auf. Immer wieder fängst du neu mit uns an, bist geduldig, verlässlich und lässt dich nicht erbittern. Schreibe uns deinen Willen ins Herz, damit wir aufatmen, Hoffnung schöpfen und uns bei dir ganz geborgen wissen.