Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Balance in der Liebe halten

Worin liegt das Geheimnis einer guten Partnerschaft? In einer „guten Balance zwischen Autonomie und Bindung“, sagt Hans Jellouschek. Der Psychologe und Theologe berät Paare in der Krise – und weiß, woran viele Ehen scheitern. Franciska Bohl hat ihn zu dem Thema befragt.

Hans Jellouschek: "Wenn jemand nur auf sein Bedürfnis nach Selbstverwirklichung achtet, fühlt er sich mit der Zeit unglücklich." (Foto: privat)



Loriot meinte einmal, eine glückliche Ehe sei eine, „in der sie ein bisschen blind und er ein bisschen taub ist“. Ernst gemeint: Welche persönlichen Eigenschaften sind für Sie die wichtigsten Voraussetzungen für eine glückliche Beziehung?

Hans Jellouschek: Als das Wichtigste erweist sich in der heutigen Zeit immer mehr die lebendige wechselseitige Liebe der Partner zueinander. In früheren Zeiten war das nicht so. Sozialer Status, wirtschaftliche Situation, gemeinsame Kinder waren für die Stabilität einer Beziehung viel wichtiger. Außerdem hat die weltanschauliche Bindung die Partner zusammengehalten – ob sie sich herzlich liebten oder nicht.


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Worin liegt für Paare heute, im Gegensatz zu früher, der Reiz darin, sich gegenseitig das Ja-Wort zu geben?
Hans Jellouschek: Dass sie sich in lebendiger, wechselseitiger, auch erotischer Liebe verbunden fühlen.


Was sind die häufigsten Gründe dafür, dass eine Ehe scheitert?
Hans Jellouschek: Wenn die wechselseitige Liebe erkaltet. Das geschieht dann, wenn es den beiden nicht gelingt, in ihrem Zusammenleben eine gute Balance zwischen Autonomie und Bindung zu halten. Das heißt: Heutzutage wird es immer wichtiger, dass sich Mann und Frau in einer Beziehung miteinander innig verbunden fühlen, aber dass jeder der beiden gleichzeitig das Gefühl hat, autonom zu sein und auch selbst bestimmen zu können. Leidet diese Balance, leidet auch die Liebe.


Wie lässt sich die Liebe im Ehealltag lebendig halten? Gibt es dafür ein Patentrezept – oder ist es Glücksache, ob zwei Menschen es ein Leben lang miteinander aushalten?
Hans Jellouschek: Man kann einiges dafür tun, dass die Liebe zwischen Mann und Frau lebendig bleibt. Vor allem, was ich eben sagte: Dass sich beide darum bemühen, dass weder ihr Bindungsbedürfnis, noch ihr Autonomie-Bedürfnis in der Beziehung zu kurz kommt. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn einer der beiden nur noch seinen individuellen Vorlieben nachgeht und keine Rücksicht mehr auf das Bindungsbedürfnis des Partners nimmt. Oder wenn einer der Partner sich am anderen sozusagen „festklammert“ und ihm keinen eigenen Freiraum für seine Autonomie mehr lässt. Dann gibt es keine Ergänzung mehr zwischen Autonomie und Bindung, sondern nur noch Gegensatz zwischen beidem.


Welche Rolle spielt der christliche Glaube als Basis einer Beziehung? Lassen sich Christen etwa seltener scheiden?
Hans Jellouschek: Statistische Daten darüber gibt es, soweit ich weiß, nicht. Aber mein Eindruck ist: Ja, gläubige Christen lassen sich seltener scheiden. Sie sind natürlich vom Scheidungsverbot der christlichen Tradition beeinflusst. Dies kann jedoch auch eine Hilfe sein: Man setzt sich dann mehr dafür ein, dass die Beziehung so bleibt und immer wieder so wird, dass die Liebe in ihr lebendig ist und damit die Gefahr einer Trennung verringert wird.


Manche Menschen haben Angst, dass ihre eigene Selbstverwirklichung bedroht ist, wenn sie sich für eine feste Beziehung entscheiden. Ist diese Befürchtung berechtigt?
Hans Jellouschek: Ja und nein! Natürlich kann in einer funktionierenden Beziehung nicht jeder Selbstverwirklichungswunsch erfüllt werden, weil man ja auch die Bedürfnisse des Partners berücksichtigen muss. Es braucht eine Balance zwischen beidem. Und das bedeutet manchmal auch, dass die Autonomie oder Selbstverwirklichung eingeschränkt wird. Es zeigt sich aber: Wenn jemand nur auf sein Bedürfnis nach Selbstverwirklichung achtet, nimmt er auch auf sein eigenes Bindungs-Bedürfnis zu wenig Rücksicht  – und fühlt sich dadurch mit der Zeit einsam und unglücklich.


Buch-Tipp

Hans Jellouschek: Liebe auf Dauer. Was Partnerschaft
lebendig hält. Verlag Herder 2013,
192 Seiten, 9,99 Euro.

ISBN 978-3451-0601-20.


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