Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Formel lautet: Bett, Essen, Schule - Stiftung Keniahilfe, Münsingen

MÜNSINGEN – Mehr als 200 Kinder konnten in Kenia mit finanzieller Unterstützung der Paten und Sponsoren von der Alb einen Schulabschluss machen. Kürzlich wurde die Stiftung „Kenia- hilfe Schwäbische Alb“ zehn Jahre alt.

Madleine Knehr war mehrfach als Freiwillige in Karai und ist seit diesem Jahr Vorstandsmitglied. Foto: PrivatMadleine Knehr war mehrfach als Freiwillige in Karai und ist seit diesem Jahr Vorstandsmitglied. Foto: PrivatMadleine Knehr war mehrfach als Freiwillige in Karai und ist seit diesem Jahr Vorstandsmitglied. Foto: Privat

Das Anliegen der Stiftung „Keniahilfe Schwäbische Alb lässt sich auf drei Worte reduzieren: „Bett – Essen – Schule“ lautet die Kurzformel. „Was bei uns zu den Grundrechten zählt, ist für die Kinder und Jugendlichen in Afrika noch lange nicht selbstverständlich“, sagt Stiftungsvorstand Frank Hintzenstern. Am 24. Januar konnte die Stiftung mit Sitz in Münsingen auf zehn Jahre Bestehen zurückblicken. Über 200 Kinder hat die Stiftung in der Stadt Karai in der Nähe von Nairobi bis zur Berufsausbildung als Hauptsponsor finanziert.

Aus gegenseitigen Besuchen von Vertretern des Presbyterianischen Kirchenbezirks Eldoret in West-Kenia sowie des Kirchenbezirks Münsingen in den 1980er-Jahren war die Idee eines Hilfsprojekts für afrikanische Straßenkinder entstanden. Im Jahr 2000 wurden erstmals 25 Kinder in einem Dorf namens Sugoi schulisch, aber auch in ihrer Alltagsbewältigung unterstützt.

„Leider wurden die Gebäude 2008 bei den Unruhen nach den Präsidentschaftswahlen niedergebrannt“, berichtet Pressereferentin Gisela Keller. 2008 wurde daraufhin das Projekt in Karai in der Nähe von Nairobi neu gegründet. Hilfe leistete dabei „The Outreach Foundation“ der Presbyterianischen Kirchen in den USA. Die Organisation ist bis heute ein wichtiger Partner der Stiftung.

Um dem Projekt eine nachhaltige Unterstützung und Finanzierung zu sichern, gründete sich vor Ort in Kenia die Stiftung „Karai Children’s Vocational Centre Foundation Limited“ als Trägerin. Parallel dazu entstand in Deutschland die „Keniahilfe Schwäbische Alb“ als unselbständige Stiftung unter dem Dach des Kirchenbezirks Münsingen. „Zweck der Stiftung ist vorrangig die Unterstützung des Projekts in Karai“, sagt Hintzenstern. „Doch sie setzt sich ganz allgemein für die nachhaltige Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen in Kenia ein.“

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Das „Karai Children’s Vocational Centre“ umfasst mehrere Bereiche, wie zum Beispiel ein Kinderheim, das meist Straßenkinder aus dem Umfeld Nairobis aufnimmt. „Armut, Arbeitslosigkeit, Aids, Alkohol und der Tod der Eltern sind die Hauptgründe, warum die Kinder auf der Straße leben“, erläutert Gisela Keller. Viele Kinder seien körperlich verwahrlost, unterernährt oder Missbrauchsopfer. „Im Heim werden sie versorgt und erhalten Geborgenheit und Zuwendung.“ Bereits vor dem Projekt hatten sich Frauen der „Nyakonywa Women Group“ um die Kinder gekümmert, die noch immer wichtige Beraterinnen sind.

Kenia, Schule. Foto: Pixabay, Ian IngalulaKenia, Schule. Foto: Pixabay, Ian Ingalula

Mit vier Jahren kommen die Kinder in den Kindergarten und danach in die Grundschule. Wer sie mit hervorragenden Leistungen beendet, bekommt eventuell eines der raren Stipendien für die weiterführende Secondary School. Die Keniahilfe ermöglicht jedoch weitaus mehr Jugendlichen eine bessere Schulbildung.

Karai Children's Vocational Centre - Jugendliche erlernen Berufe

Das Projekt unterhält eine Berufsschule, in der die Jugendlichen als Schreiner, Elektriker, Friseur oder Schneider ausgebildet werden. Einige arbeiten auf der projekteigenen Farm. So ermöglicht die Stiftung Straßenkindern und Waisen Bildung und Selbständigkeit. Aus der Berufsschule sind mittlerweile zwei eigenständige Projekte erwachsen, in denen geschneidert und getischlert wird.

„Nach den 23 Gründungsstiftern sind heute unsere über 110 Paten aus ganz Deutschland unser wichtigstes Kapital“, sagt Gisela Keller. Mindestens ein Drittel des jährlichen Budgets von rund 130 000 Euro werde von ihnen aufgebracht. „Die Patenschaften, die man für Wohnung, Nahrung, Kleidung und die verschiedenen Schularten eingehen kann, bringen uns Planungssicherheit.“

Frank Hintzenstern und Gisela Keller engagieren sich bei der Stiftung Keniahilfe, Muensingen. Foto: PrivatDurch die Corona-Pandemie sei noch die „Bildungspatenschaft Grundschule“ hinzugekommen. „Sie unterstützt die Kinder, deren Familien sich aktuell das Schulgeld nicht mehr leisten können.“ Partner beim Fundraising und der Finanzierung von Ausbildungsstipendien und Sonderprojekten ist „kidsneedfuture e.V.“ in Ingolstadt. Eines der wichtigsten Zukunftsprojekte ist die Gewaltprävention, die starten soll, sobald wieder Referenten anreisen können. Ein anderes Anliegen ist die Weiterentwicklung der Grundschule zu einer besonders kinderfreundlichen Lernumgebung, ergänzt Frank Hintzenstern.

Das zehnjährige Bestehen der Stiftung soll, soweit es die Lage zulässt, im Juli mit einem Gottesdienst gefeiert werden. Am 24. Januar gab es ein großes Online-Treffen mit allen Stiftungsbeteiligten. Eine Ausstellung in der Kreissparkasse Münsingen wird vor allem die Arbeit der rund 100 Freiwilligen in den Fokus nehmen, die die Keniahilfe bisher in den unterschiedlichsten Bereichen vor Ort unterstützt haben. □

◼ Die Stiftung im Internet: www.keniahilfe-schwaebische-alb.de