Christliche Themen für jede Altersgruppe

Engelsbegegnungen

Matthäus 2,13+14,16,19+20  Als sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir‘s sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen. Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten. Als Herodes nun sah, dass er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Knaben in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erkundet hatte. Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum in Ägypten und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und zieh hin in das Land Israel; sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben getrachtet haben.

Impuls für den 1. Sonntag nach dem Christfest: Matthäus 2,13?23.  Von Joachim Botzenhardt

Joachim Botzenhardt ist Dekan des Kirchenbezirks Neuenbürg.


Weihnachten ist vorüber. Aber die ?Engel sind geblieben. Gott sei Dank! Denn ganze Heerscharen von Engeln brauchen wir bisweilen, um in der Realität unserer Welt zu bestehen. Um durchzukommen. Um uns von Neuem mit einem Herzen voller Hoffnung auf den Weg zu machen.

Ein Engel hat Maria die Geburt des göttlichen Kindes verkündet. Ein Engel hat Josef davon überzeugt, dass er seine Verlobte nicht verlassen soll. Und ein Engel hat den Hirten den Weg zum Kind gewiesen: „Fürchtet euch nicht!“ Durch die Menschheitsgeschichte hindurch erklingt diese freundliche Botschaft wieder und wieder.
In unserer Geschichte ist der Engel gleich zwei Mal zur Stelle. Er scheint vergeblich anzukämpfen gegen Herodes, gegen den Machtinstinkt der Tyrannen zu allen Zeiten und an allen Orten. Die alles plattmachen, was ihre Macht gefährden könnte, in blinder Wut und mit unvorstellbarer Grausamkeit, und sei es ein Säugling in Windeln. Welch groteske Vorstellung! Der Engel erscheint Josef im Traum, um ihm einen sicheren Weg zu zeigen. Josef zieht mit seiner Familie nach Ägypten. Erneut erscheint der Engel einige Zeit später und Josef folgt wieder dem göttlichen Fingerzeig. Er und die Seinen bleiben bewahrt.

Was ist aber mit denen, die nicht davonkommen? Nicht immer erscheint ein Engel und rettet vor dem Wüten der Mächtigen. Weder in Rom damals noch in Auschwitz, weder in Syrien noch in Afrika. Es scheint keine Engel zu geben für Straßenkinder in Lima, die wie Hunde gejagt werden. Oder für hungernde Kinder, die zu Hunderttausenden sterben in Afrika und anderswo. Und viel zu selten tauchen Engel auf, um Kinder vor Missbrauch und Schlägen zu schützen.

An Weihnachten verkündigen wir, Gott selbst kommt, nicht in göttlicher Macht, sondern in kindlicher Bedürftigkeit. Er kommt als Mensch, um den Menschen beizustehen. Begreifen wir die Kraft, die aus der vermeintlichen Schwäche erwächst? Begreifen wir, welch eine Bewegung aus der Geburt eines Kindes entstanden ist? Eine Bewegung, die Maß nimmt an den Schwachen und Hilfsbedürftigen im Lande und dafür regelmäßig den Vorwurf des Gutmenschentums kassiert.

Auch wenn noch immer viele Tränen geweint werden, weil die Bösen sich austoben, mit Weihnachten hat eine andere Zeit begonnen. Das glauben Christen. In dieser dramatischen Fluchtgeschichte zeigt sich der unaufhörliche Wille Gottes, der retten und befreien will. So hält Gott an seinem Jesus fest, an seinem Heiland. Gottes Geschichte ist Heilsgeschichte, jedenfalls vom Ende her gelesen. Jesus wird retten, wie einst Mose das Volk aus Ägypten gerettet und durch die Wüste geführt hat. Deshalb halten wir fest an unseren Träumen für eine Welt in Frieden. Deshalb können wir uns einsetzen für eine Politik, die Maß nimmt an Recht und Gerechtigkeit. Übrigens: Am leeren Grab sitzt wieder ein Engel und spricht: „Fürchtet euch nicht!“

Gebet
Herr, schicke uns hin und wieder einen Engel, der
uns beschützt und auf unserem Weg begleitet.
Der uns in dunklen Stunden tröstet und neue Hoffnung schenkt.
Der uns Mut macht, alte Lasten abzulegen und neue Aufgaben
zu beginnen. Einen Engel, der für uns auch einsteht.
Bei dem wir merken, dass wir nicht allein auf der Welt
sind und uns nicht fürchten müssen.