Christliche Themen für jede Altersgruppe

Fünf Ehen – Fünf Chancen

Mit keiner anderen Dynastie unterhielt das Haus Württemberg so enge verwandtschaftliche Beziehungen wie mit den russischen Romanows. Die Ausstellung „Im Glanz der Zaren“ im Alten Schloss in Stuttgart erzählt davon. Ein Überblick über die fünf Frauen, die zwei Länder miteinander verbanden.


Auch die Trauungskrone von Großfürstin Wera und Herzog Eugen von Württemberg ist in der Ausstellung zu sehen. (Foto: Landesmuseum )

Maria Fjodorowna
(Sophie Dorothee von Württemberg, 1759–1828)

Die Regeln an den großen Höfen Europas waren eindeutig: wer einen russischen Kronerben heiratete, musste russisch-orthodox werden. Ein Kind der Zarenfamilie, wohin auch immer in Europa verheiratet, musste russisch-orthodox bleiben. Die Regeln in Wien und an anderen katholischen Höfen waren ebenso eindeutig: Die Frau eines Habsburgers musste katholisch sein oder werden, eine Habsburgerin immer katholisch bleiben. Da blieben für die zahlreichen Nachkommen der regierenden Familien nur evangelische Herrscherhäuser. Als Katharina die Große eine passende Frau für ihren Sohn Paul suchte, kamen von den evangelischen Höfen Schweden und Dänemark wegen Kämpfen in der Ostsee, England und Holland wegen Streitigkeiten auf den Weltmeeren nicht in Frage. Die Zarin misstraute Preußen. So fiel ihr Blick auf Württemberg.

Dort gab es die 17-jährige Prinzessin Sophie Dorothee. Sie gefiel der Zarin.Und so wurde Sophie Dorothee 1776 mit dem Kronprinzen Paul verheiratet. Sie wurde orthodox, nahm den Namen Maria Fjodorowna an und brachte zehn Kinder zur Welt, unter ihnen die späteren Zaren Alexander I. und Nikolaus.

Vor der Hochzeit schrieb Paul ihr einen Brief, in dem er die zukünftige Lage klar stellte: sie müsse Russisch lernen, die Besonderheiten des Landes achten, bei den Ausgaben für ihre Garderobe sparsam sein und sich mit Geduld und Sanftmut wappnen, um die Hitzigkeit und Launen ihres Gatten zu ertragen. Paul war klein, schief gewachsen und hatte eine auffällige Stupsnase. Dennoch liebte ihn Maria.

1801 kam es zu einer Palastrevolte. Ihr Sohn Alexander ließ seinen Vater ermorden und wurde selbst Zar. Später kämpfte er gegen Napoleon und dessen Verbündeten, König Friedrich von Württemberg, den Bruder Marias.

Maria Fjodorowna war eine echte Netzwerkerin. Sie verheiratete ihre Kinder in europäische Fürstenhäuser und blieb mit ihnen in Verbindung.


Katharina von Württemberg
(1788–1819)

Katharina war Marias Tochter. Ihr Leben stand ganz im Zeichen des Aufstiegs und Falls Napoleons, der sie sogar heiraten wollte. Stattdessen wurde sie Königin von Württemberg, starb aber mit nicht einmal 31 Jahren und wurde auf dem Rotenberg begraben. Gerhard Raff hat im Gemeindeblatt über sie berichtet (Ausgabe 24/2013), so dass sie in diesem Artikel nur Erwähnung finden soll. Im Bewusstsein vieler Württemberger lebt sie als „protestantische Hausheilige“ weiter.

Großfürstin Elena Pawlowna
(Friederike Charlotte Marie von Württemberg, 1807–1873)

Als Württemberg unter König Wilhelm versuchte, sich zu einer Macht in Europa aufzuschwingen – sozusagen als Anführer der Mittelstaaten gegen die Vormacht von Preußen und Österreich – geriet Zar Alexander I. in Sorge. Wie konnte sich Russland den Einfluss auf Württemberg sichern? Hier trat seine Mutter Maria Fjodorowna auf den Plan. Sie arrangierte eine Ehe zwischen ihrem jüngsten Sohn Michail und der Prinzessin ihres schwäbischen Heimatlandes. So kam die erst 16-jährige Friederike Charlotte an den Hof nach St. Petersburg, wurde orthodox und nahm den Namen Elena Pawlowna an.

Für St. Petersburg war sie eine Sensation. In Paris liberal erzogen, gebildet und mit den Salons der französischen Hauptstadt vertraut, wurde sie schnell Mittelpunkt des bürgerlichen gesellschaftlichen Lebens – ihr Salon im Michailowski-Palast errang Weltruhm. Sie erkannte schon 1825, dass die Monarchie ohne sozialpolitische Reformen nicht zu retten sein würde. So wurde sie eine große Wohltäterin, gründete Krankenhäuser und Kinderheime und schuf als Erste in Russland die Leibeigenschaft ab. Sie wurde „Madame Egalité“ genannt. Ihre Heimat Württemberg vergaß sie nicht. Bei der Entstehung des Deutschen Reiches hatten die Schwaben wenig zu melden. Als Verbündeter Österreichs in der Schlacht bei Tauberbischofsheim 1866 standen sie nicht in der Gunst Preußens. Heute wissen wir, dass es dem Einfluss Elenas bei Zar Alexander II. zu verdanken ist, dass dieser bei Bismarck für Württemberg eintrat und das kleine Königreich nicht alle Rechte an das neue Reich verlor. Kultur, Eisenbahn und Post etwa blieben in württembergischer Hand.

Königin Olga von Württemberg
Ihre kaiserliche Hoheit (1822–1892)

Olga war eine Königin, „vom Scheitel bis zur Zehe“, wie es nach ihrem Tod hieß. Autokratisch gesinnt – also davon ausgehend, dass das Herrscherhaus direkt von Gott eingesetzt ist – tat sie sich mit dem immer demokratischer werdenden Württemberg sehr schwer. Kinderlieb wie sie war, konnte sie ihren homosexuellen Ehemann, König Karl von Württemberg, schwer ertragen. Besonders, wenn mal wieder seine Affären im jährlichen Sommerurlaub in Nizza in den Schlagzeilen der europäischen Presse bekannt wurden, obwohl diese Zeitungen in Württemberg verboten waren. Sie konnte repräsentieren und tat dies auch. Von Bismarck wurde Olga bewundert, obwohl sie keine Preußenfreundin war. Der Reichskanzler nannte sie „den einzigen Mann in Württemberg“.

Spuren von Olgas Arbeit kann man heute noch sehen: die Nikolauspflege, das „Olgäle“, das Karl-Olga–Stift, die Olga-Schwestern, das Karl-Olga Krankenhaus, die Mariaberger Heime und vieles mehr. Als sie starb, waren ihre letzten Worte: „… mit unaussprechlichen Seufzen“. Was sie damit gemeint hat, ist bis heute ein Rätsel.

Großfürstin Wera von Russland,
Herzogin von Württemberg (1854–1912)

Als Nichte des Zaren aufgewachsen, entwickelte sich die junge Wera zu einem kleinen „Satansbraten“. So wurde sie zu ihrer Tante Olga nach Stuttgart geschickt. Olga und König Karl haben sie 1871 adoptiert. 1874 heiratete sie Herzog Eugen von Württemberg, die damals beste Partie im Südwesten. Nur drei Jahre später wurde Wera Witwe. Ihr Mann musste sich im preußischen Militärdienst duellieren, weil er einem Offizierskameraden die Frau ausgespannt hatte. Offiziell starb er an einer Rippenfellentzündung.

Wera zog in die Villa Berg und galt bald als der „Engel Württembergs“. Sie war beim Volk beliebt, weil sie auch mit einfachen Menschen auf Augenhöhe verkehrte. Politisch war sie reaktionär, verehrte Kaiser Wilhelm II und jegliches „Tschingterassa“. In Stuttgart gründete sie das Weraheim, baute die Russisch-Orthodoxe Kirche und die „Heilandskirche“. Dort stiftete sie das Pfarramt und verfügte in ihrem Testament, dass dort nur „der frömmste Pfarrer Stuttgarts“ residieren dürfe. Ihr Begräbnis 1912 fand als letztes Begräbnis einer Monarchin in Württemberg mit allem Pomp statt.

Information

Die Ausstellung „Im Glanz der Zaren“ im Alten Schloss in Stuttgart läuft noch bis zum 23. März. Der Eintritt kostet 12 Euro, ermäßigt 9 Euro, Kinder 5 Euro.

Öffentliche Führungen „Prunk, Pracht und Politik – Die Romanows und Württemberg“ finden immer Samstags und Sonntags um 11 Uhr statt und kosten für Erwachsene 3 Euro und für Jugendliche 2 Euro zusätzlich.

Außerdem werden öffentlich Themenführungen unter anderem mit Titeln  wie „Klatsch und Tratsch – Prinzessinnenhochzeit ohne Glücksgarantie“, „Virtuosen, Mäzene und Instrumentenbauer“ und die Kostümführung „Königin Olga hält Hof“ angeboten. Ein Vortragsprogramm ergänzt die Ausstellung.

Informationen im Internet unter: www.landesmuseum-stuttgart.de/ausstellungen/im-glanz-der-zaren/.