Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gehorsam in der Welt leben

STUTTGART – „(Um) Gottes Willen: gehorchen!“ Unter diesem Motto haben sich mehr als 5000 Christen zur 24. Jugendkonferenz für Weltmission „Jumiko“ getroffen. Eingeladen in das Messezentrum auf den Fildern hatte die Christus-Bewegung „Lebendige Gemeinde“. Es wurde lebendig.

Junge Menschen wollen den Glauben in die Welt tragen. (Foto:Brigitte Jjähnigen)


„Lest den Römerbrief!“ Eindrücklich wendet sich Ulrich Parzany an die Zuhörer im voll besetzten Saal auf der Stuttgarter Messe. 97 verschiedene Definitionen des Begriffes „Mission“ gebe es inzwischen, sagt der Evangelist. Der Brief des Apostels Paulus an die Römer zeige allein den Weg, den Christen in der Mission zu gehen hätten. „Der Römerbrief hat ein einziges Ziel, nämlich den Gehorsam des Glaubens in alle Völkern zu bringen“, betont Parzany.

Bezogen auf die Flüchtlingssituation in Europa sagt der Prediger: „Es ist eine Riesenchance, die Türen sind offen, die Leute sind hungrig.“ Tausende Muslime hätten sich in den letzten 25 Jahren weltweit zu Jesus bekehrt, in der islamischen Welt habe sich seit Jahrhunderten nichts verändert.

Missionsarbeit in aller Welt tun, das wollen auch Mitarbeiter von „People International“, die auf der großen Missionsausstellung von „Jumiko“ zu Tee einladen. „Fünf bis sechs Millionen Christen leben allein im Iran im Untergrund, sie treffen sich in Hauskreisen und verbinden mit ihrem Glauben viel Emotion“, sagt Lisa (31). Deren Bekehrung geschehe oft durch Zeichen und Wunder, sagt die gelernte Heilpädagogin. In der islamischen Welt geschehe soviel Gewalt im Namen der Religion, die Menschen suchten neue Orientierung. 2007 hat sich Lisa selbst für „ein Leben mit Jesus“ entschieden, in ihrer Familie sei das Christsein nicht konsequent gelebt worden. Nach einem langen, inneren Weg ging sie nach Kasachstan. „Ich wollte Gottes Liebe an andere weitergeben, wusste aber nicht, wie und wo und war offen für jede Kultur“, sagt die 31-Jährige. In Bibelschulungen habe sie das theologische Fundament für ihre Arbeit bekommen. Dann ging ihr Ruf nach Kasachstan. Eigentlich wollte sie nicht dorthin, aber es laufe mit Gott anders, als man denke.

17 Millionen Menschen leben im flächenmäßg neuntgrößten Staat der Welt; 70 Prozent sind Muslime. In einem speziellen Projekt arbeitet Lisa mit autistischen Kindern. „Offenes Missionieren ist nicht erlaubt, ich darf auch nichts Christliches unterrichten“, sagt Lisa. Also sollen „die Menschen dort durch mein Leben sehen, dass ich anders bin“.

Lisa bekommt kein offizielles Gehalt, sie lernt zur Verständigung Russisch auf der Universität, lebt von Spenden und ist dankbar, dass „die Eltern der Kinder meine Arbeit gut finden“. Ihre Kollegin Judith ist erst 22 Jahre und arbeitet ebenfalls in Kasachstan. Ihre Familie in Deutschland unterstützt sie. „Sie finden meine Hingabe an Gott gut“, sagt Judith.

Was vermisst die junge Missionarin in einem Land, das so anders ist als Deutschland? „Das Essen ist fettig, es gibt viel Fleisch, die Winter sind eiskalt, die Sommer extrem heiß, aber mir gefällt, dass man immer kämpfen muss“, lächelt Judith, die Theologie studieren wird. Die Vision von People International ist, Gemeinden zu gründen, die das Evangelium unter den Muslimen in Zentralasien verkünden und nach dem Vorbild Jesu Christi leben.

Den Gehorsam des Glaubens in alle Völker bringen: Rainer (22) ging nach Ghana an eine christliche Schule. Im Zentrum für mangelernährte Kinder werden Mütter in Hygiene und Ernährung unterrichtet. Rainer, gelernter Feinwerkmechaniker, unterrichtete die dortigen Lehrer am Computer. „Muslimische Lehrer haben sich mit der Bibel auseinander gesetzt und bekehrt, so ist die Gemeinde bis auf 60 gewachsen“, erzählt der junge Mann, der in Deutschland in Seewald lebt und über den Verein „Frontiers“ nach Afrika kam. „Total umgehauen“ habe ihn die krasse Armut. „Ich wusste vorher nicht, was Armut ist“, sagt er. Und es sei ein großartiges Erleben gewesen, wie sich Menschen vom in Ghana üblichen Animismus durch die Liebe Jesu befreit hätten.

Wie erlebte er die alltäglichen Lebensbedingungen? „In der Trockenheit ist alles verbrannt, es ist saumäßig heiß, in der Regenzeit ist alles grün überwuchert“, erzählt der junge Schwarzwälder. Was war für ihn schwieriger zu ertragen? „Es war mir irgendwann egal“, lächelt er. Und dass er „geistlich dazugewonnen“ habe durch die Familienferne, in der er zehn Monate lebte. „Ich brauche Gottes Wort jetzt stärker“, sagt Rainer, der nun eine Weiterbildung zum Maschinenbautechniker begonnen hat.
Ute Paul kam zur 24. Jugendkonferenz für Weltmission, um lebensnah von ihrem 18-jährigen Aufenthalt in Argentinien zu berichten. Zitronen als Sinnbild für die Vielfalt der Menschen nutzend („nicht alle sind gelb, sauer und saftig“), sprach die Mutter dreier Kinder und Buchautorin von „immer nächsten Schritten“, die sie in ihrer Arbeit gegangen sei. Aufgewachsen in einem Akademikerhaushalt mit „dem Selbstverständnis der Aufnahme anderer Menschen“, wollte die Kielerin eigentlich Medizin studieren und nach Afrika gehen. Doch mit 15 begegnete ihr Jesus, mit 16 war sie bereit zu sagen: „Gott, sende mich.“ Denn Gott nehme den Menschen mit.

In anschaulichen Anekdoten erzählte die Lehrerin, wie in ihrem Leben aus Unbekannten Freunde und Geschwister wurden. „Fremdheit hat zunächst viel Potential für Irritation und Missverständnisse, wenn man für sich in Anspruch nimmt zu wissen, was normal ist“, sagte Ute Paul. Wer fremd sei, brauche Rat. So wie sie, als sie von ihrer argentinischen Nachbarin mit Legehuhn und Enteneiern beschenkt wurde, damit aber zunächst nichts anzufangen wusste. Genau so, wie das selbstgebackene Brot in der argentinischen Familie keinen Gefallen fand. „Lassen Sie sich vom Scheitern nicht abschrecken, treffen sie fremde Menschen öfter, leben Sie miteinander, haben Sie keine Vorurteile“, riet die Missionarin.
Auch Christen seien Menschen, begrenzt durch ihren gewohnten Kontext. „Ich rieche, schmecke, sehe eine andere Wirklichkeit, sie ist mir unter die Haut gegangen“, bekannte die Buchautorin vor ihren Zuhörern. „Ich habe Gott am Werk gesehen, ich weiß, was Fremdsein und Aufgenommenwerden bedeutet“, sagt Ute Paul.

Fremde Menschen treffen, sich ihnen vertraut machen: Einen nicht einfachen Weg ging auch Debora (26), als sie im Auftrag von „Zedakah“ nach Israel ging. Sie arbeitete als Altenpflegerin für ein Jahr in einem Pflegeheim im Norden Israels. „Leitspruch meiner Arbeit war Jesaja 40,1 – Tröstet, tröstet mein Volk“, sagt Debora. „Zedakah“ wurde 1960 von Friedrich und Luise Nothacker gegründet. Sie trafen 1955 eine an Jesus glaubende Jüdin, die ihnen die Not der ehemaligen KZ-Häftlinge, Überlebende des Holocaust, ans Herz legte. So gründeten die Nothackers ein Pflegeheim und ein Gästehaus in Israel, in dem christliche Nächstenliebe erfahrbar ist. „Der Kontakt zu den jüdischen Bewohnern war sehr unterschiedlich“, sagt Debora. Doch Sterben und Tod schaffe Nähe und lasse Hürden überwinden.

Vor ihrem Einsatz in Israel wusste die 26-Jährige wenig über das Land und die Geschichte seiner Menschen. „Manche Pflegeheimbewohner hatten schwere Alpträume, sie erlebten ihre schreckliche Geschichte im KZ nach, und als ich das erste Mal eine Häflingsnummer am Arm sah, wusste ich, diese Frau war wirklich dort“, beschreibt Debora ihre Erlebnisse. Viele tiefgreifende Gespräche, manchmal nur am Straßenrand, lassen sie sagen: „Das war das beste Jahr in meinem Leben, mein Leben hat eine neue Tiefe des Glaubens bekommen.“