Christliche Themen für jede Altersgruppe

Heimat bei Gott

Johannes 16,26-28  An jenem Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten werde; denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich liebt und glaubt, dass ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater.


Impuls zum Predigttext für den Sonntag Rogate: Johannes 16,26-33.  Von Klaus Rieth

Klaus Rieth ist Leiter des ­Referats für Mission,
Ökumene und Kirchlicher Entwicklungsdienst des
Evangelischen Oberkirchenrats. (Foto: privat)

Zwei Themen waren es, die den Bundestag der Bundesrepublik Deutschland in den letzten Monaten beschäftigt haben. Sie haben dazu geführt, dass der Fraktionszwang bei den Parteien aufgehoben wurde und jeder Abgeordnete nach seinem Gewissen abstimmen konnte. Zum einen ging es um die vorgeburtliche Diagnose, um eventuelle Behinderungen beim erwarteten Kind erkennen zu können. Zum anderen ging es um das Thema Sterbehilfe. Beides sind grundsätzliche Fragen nach unserem Leben. Und zwar nach dem Beginn und nach dem Ende. Wann fängt Leben an und wann hört es auf? Auf diese beiden Fragen gibt unser Text heute zum Sonntag Rogate eine Antwort. Wenn Jesus in seinen Abschiedsreden an die Jünger sagt: „Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater“, dann gilt das auch für uns.

Manche Philosophen sprechen von einem „Geworfensein“ in die Welt. Wieder andere, die an gar keinen Gott glauben, denken, dass unsere Existenz ein reiner Zufall ist. Und dass wir so zufällig wie wir geboren werden auch wieder sterben. Es gibt Religionen, die darauf beharren, dass wir immer wieder neu geboren werden und auf die Welt kommen. Die Wissenschaft sucht nach einem Gen, das uns ewig leben lässt. Und jede Religion auf unserer Welt hat Antworten darauf, was nach dem Tod einmal kommen wird.

Doch solchen Spekulationen bereitet Jesus im Johannesevangelium ein Ende. Ich komme von Gott und ich gehe zu Gott zurück. So einfach und doch so kompliziert. Und dazwischen haben wir in dieser Welt gelebt.

Die Vorstellung, dass wir von Gott kommen und zu Gott zurückkehren, hat etwas ungemein Tröstliches. Denn das bedeutet, dass wir uns nicht mehr sorgen müssen, woher wir kommen.

Jesu Antwort ist klar: Wir sind von Gott gekommen. Bei ihm ist unsere Heimat. Und zu dieser Heimat kehren wir am Ende unserer Tage wieder zurück.

Jesus sagt dann später noch, dass er nicht allein ist, auch wenn er von den Jüngern alleingelassen ist. Und das ist das zweite Wichtige an diesem Abschnitt aus dem Johannesevangelium: Wir sind nicht allein, auch wenn uns andere Menschen, die uns nahe waren, verlassen. „Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir“, sagt Jesus. Genau das trifft auch auf uns zu: Wir sind nicht allein, denn der Vater ist bei uns.

Das bedeutet, dass auf unserem Weg durch die Welt einer mit uns geht. So wie es auch in einem bekannten Kirchenlied formuliert ist. Es ist richtig, dass dieser Weg durch die Welt und in der Welt nicht immer leicht ist, sondern manchmal voller Hindernisse, voller Enttäuschungen, voller Widerstände, voller Schmerzen. Deshalb formuliert Jesus auch: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“

Wir müssen uns nichts vormachen. Das Leben kann kompliziert und schwierig sein. Manchmal sogar erscheint es uns zu schwer, um es ertragen zu können. Aber wir werden nicht auf ein unbestimmtes Jenseits vertröstet von Gott, sondern wir werden getröstet, dass am Ende unserer Tage Sicherheit herrscht. Dass wir heimkehren können zu dem Gott, von dem wir kommen. Zu dem guten Vater, von dem Jesus in so vielen Bildern und Gleichnissen gesprochen hat.

Wenn wir also einmal sterben müssen, werden wir nicht unbekanntes Land betreten nach unserem Tod, sondern wir werden in die Heimat zurückkehren, aus der wir vor vielen Jahren gekommen sind. Eine Heimat, in die wir keine Lebensmittel für die Reise mitnehmen müssen, wie es sich die Ägypter zur Zeit der Pharaonen vorgestellt haben. Auch keine Heimat, die wir uns durch gute Taten verdienen müssten. Auch keine Heimat, in welche die einen schneller und die anderen langsamer hineinkommen. Eine Heimat ohne Wettbewerb. Aber eine bekannte Heimat, nämlich das Haus unseres Gottes mit vielen Wohnungen und Platz für jede und jeden von uns.


Gebet
Himmlischer Vater, wir danken Dir,
dass Du uns gewollt hast.
Dass wir von Dir gekommen sind
und dass wir zu Dir zurückkehren dürfen.
Wir danken Dir, dass Du uns auf unserem
Weg durchs Leben begleitest in guten
und in schlechten Tagen und dass Du
uns am Ende in Ehren annimmst.
Amen.