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Im Reich des Reibemönchs - Unterwegs in Blaubeuren

BLAUBEUREN – Touristisch ist Blaubeuren im Zusammenhang mit dem Blautopf bekannt. Doch das Städtchen am Rande der Alb hat mehr als die tiefblaue Karstquelle zu bieten, etwa das Badhaus der Mönche. Wer die klösterliche Badekultur und die Wandmalereien mit Jagdmotiven betrachtet, lernt einiges über Sprichwörter.

Das Badhaus der Mönche. In den Räumen im Erdgeschoss wurde den Klosterbrüdern der Kopf gewaschen. Foto: Margot Autenrieth-KronenthalerDas Badhaus der Mönche. In den Räumen im Erdgeschoss wurde den Klosterbrüdern der Kopf gewaschen. Foto: Margot Autenrieth-Kronenthaler

Selbst vielen Blaubeurern ist nicht bewusst, welch kulturhistorisches Juwel sich in ihren Stadtmauern befindet. Das Badhaus der Mönche des ehemaligen Benediktinerklosters ist das einzige noch erhaltene Mönchsbad innerhalb eines Klosters in ganz Deutschland. Die Kombination zwischen dem Bad im Erdgeschoss und dem Gästetrakt im Obergeschoss ist ebenfalls ungewöhnlich.

Das schmucke, 1510 erbaute Haus liegt nur einen Katzensprung vom bekannten Blautopf entfernt und steht etwas versteckt neben der Klausur des Klosters. Dessen spätgotischer Hochaltar ist ein Kunstwerk von europäischem Rang. Neben so viel Prominenz in unmittelbarer Nähe führt das Badhaus ein wenig ein Schattendasein.

Dies aber zu Unrecht, wie Besucher bald feststellen. Besonders seit vor Kurzem der Fokus wieder auf die eigentliche Bedeutung des Hauses ausgerichtet wurde, auf den Badebetrieb in der klösterlichen Tradition. Im Mittelalter gehörten Badestuben zu einer idealen Klosteranlage, wie schon der St. Galler Klosterplan aus dem Jahre 830 beweist. Die Mönche vor 500 Jahren durften nach der benediktinischen Ordensregel einmal im Monat ein Bad nehmen, die Fastenzeiten ausgenommen. Das beinhaltete nicht nur ein Wannenbad im großen Holzzuber. Die Mönche kannten auch das Schwitzbad, ähnlich einer heutigen Sauna. Das Mönchsbad war sozusagen ein Wellnesszentrum für die Klosterbrüder, die ansonsten eher ein asketisches Leben in kalten Mauern führten. Der Bade- oder Reibemönch war zum einen für die technischen Abläufe zuständig, indem er die drei Öfen mit Holz befeuerte. Er sorgte somit für das heiße Wasser sowie für die richtigen Temperaturen im Schwitzbad und im Abziehund Ruheraum. Zum anderen war er für den Ablauf der Badeprozedur verantwortlich. Er spülte die Mitbrüder, die im züchtigen Badehemd zu baden hatten, mit heißem und kaltem Wasser ab. Er massierte oder „verpasste Abreibungen“ mit dem Badewedel.

Blaubeuren - Wellness für die Brüder im Kloster

Noch heute finden sich in unserem Wortschatz viele übertragene Redewendungen, die aus der früheren Badekultur herrühren. Hier wurde den Mönchen nicht nur „der Kopf gewaschen“, sondern auch der Bart und die Haare geschoren oder die Tonsur rasiert. Auch ärztliche Anwendungen fielen in den Zuständigkeitsbereich des Bademönchs. Hier wurde „zur Ader gelassen“ oder geschröpft mittels aufgesetzter Schröpfköpfe, die die Durchblutung anregten.

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Die Wund- und Zahnbehandlung lag ebenfalls in Händen des Bademönchs. Nicht zuletzt beaufsichtigte er den Badebetrieb, so dass alles sittsam und ruhig vonstattenging. Die warme Abluft des Ofens, der den Wasserkessel erhitzte, wurde in Holzzügen nach oben geleitet. Diese historische „Fußbodenheizung“ funktionierte ähnlich einer Warmluftheizung nach römischem Vorbild.

Das Kloster von Blaubeuren geht zurück auf das Jahr 1085. Das Badhaus der Mönche. Foto: Margot Autenrieth-KronenthalerDas Kloster von Blaubeuren geht zurück auf das Jahr 1085. Das Badhaus der Mönche. Foto:
Margot Autenrieth-Kronenthaler

Der Gästebereich des Klosters befand sich im Obergeschoss des Hauses. Ein Stück von der Klausur entfernt, konnten die Besucher die Mönche nicht in ihrem gewohnten Tagesablauf stören. Die adeligen Herrschaften, die sich gerne zur Jagd ins Blautal begaben, wussten sicher die Annehmlichkeiten einer Fußbodenheizung zu schätzen.

Die repräsentativen Räumlichkeiten sind schon von außen durch ihre großzügige Fensterfront erkennbar.

Der Festsaal mit seinen Secco-Malereien ist das Schmuckstück des Hauses schlechthin. Die profanen Trockenputz-Malereien von 1514 im Stil der Renaissance beeindrucken bis heute. Sie werden Peter Strüv von Veringenstadt zugeschrieben und sollen eine Jagdlaube darstellen.

Die Malereien im Raum zeigen Rankengewächse, verschiedene Jagdszenen und viele heimische Tiere. Allein 32 verschiedene Vogelarten sind zu erkennen. Reiher oder Uhu kommen heute noch im Blautal vor. Auch die Beizjagd mit Falken und eine Hirschhatz sind abgebildet.

Eine andere Malerei macht anschaulich, wie damals eine Vogeljagd ablief. Ein Vogelfänger sitzt getarnt in einer Laubhütte, nachdem er einen Uhu als Lockvogel angebunden hat. Singvögel und Krähen fliegen Scheinangriffe auf den Uhu, um ihn zu vertreiben. Der Vogelfänger hat eine Leim- oder Pechrute ausgelegt, auf der sich die erschöpften Vögel niederlassen. Sie können nicht mehr davonfliegen. Die Tiere sind ihm wortwörtlich „auf den Leim gegangen“ oder einfach „Pechvögel“. Der Vogelfänger muss sie dann nur noch einsammeln.

Kloster Blaubeuren - Jagdbilder und religiöse Motive

Es macht Spaß, solche Details zu entdecken. Natürlich sind dort auch religiöse Motive zu sehen, etwa der Ordensgründer Benedikt, eine Madonna mit Kind oder Klosterpatron Johannes der Täufer.

Zu Klosterzeiten waren Bade- und Gästebereich streng getrennt, der Aufgang in den Gästetrakt erfolgte durch einen inzwischen abgerissenen Treppenturm. Traf ein Mönch zufällig auf einen Gast, grüßte er ihn in Demut. Eine Unterhaltung war jedoch untersagt.

Wandmalereien im Gästetrakt, darunter die Vogeljagd. Im Badhaus ist heute das Heimatmuseum. Foto: Margot Autenrieth-KronenthalerWandmalereien im Gästetrakt, darunter die Vogeljagd. Im Badhaus ist heute das Heimatmuseum. Foto: Margot Autenrieth-Kronenthaler

Wie das Kloster, so hat auch das Badhaus eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Die Benediktinermönche wurden 1534 mit Einführung der Reformation in Württemberg durch Herzog Ulrich aus dem Kloster vertrieben. Dessen Sohn, Herzog Christoph, richtete in Blaubeuren 1556 eine Klosterschule ein. Nun waren es Klosterbader, die für die Schüler und Bewohner des Klosters ihr Handwerk verrichteten.

Die Tradition der Badehäuser, auch der städtischen, dauerte bis ins späte 17. Jahrhundert. Die Moralvorstellungen änderten sich, die Badehäuser wurden geschlossen. 1810 wurde die Klosterschule aufgehoben, 1817 das evangelisch-theologische Seminar gegründet. Das ehemalige Mönchsbad diente dem Seminar als Waschküche und Abstellkammer. Später nutzte das Eichamt das Gebäude, 1945 fanden Flüchtlinge hier eine Unterkunft.

Nach dem Krieg fand das Heimatmuseum im Badhaus seinen Platz. Dessen Exponate reichen von einem im Blautopf geborgenen Keltenschwert über Trachten aus den Albdörfen bis hin zu Elfenbeinschnitzereien, die in Blaubeuren hergestellt wurden.

Führungen durchs Badhaus sind buchbar bei der Tourismuszentrale Blaubeuren. Sie werden auch in Kombination mit einem Besuch im Kloster angeboten. Wann das Badhaus wieder für Besucher zugänglich ist, kann nachgelesen werden unter www.blaubeuren.de/tourismus