Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Jeder kann ein Ziel sein“

In Kamerun führen die französischsprachige Regierung und englischsprachige Separatisten einen ­Bürgerkrieg, unter dem viele Unbeteiligte leiden. Ihr Schicksal bewegt auch die Engagierten in den Partner­schaften zwischen Kirchenbezirken Württembergs und Kameruns. 

Noch vor der großen Krise: Pfarrer Johannes Stahl und Projekt-Koordinator Togho Lumumba Mukong in Kameruns Hauptstadt Yaoundè. (Foto: privat)


Kinder, die nicht zur Schule gehen dürfen. Krankenhäuser, die ohne Grund zerstört werden. Eine junge Frau, die auf dem Weg zum Gottesdienst einfach erschossen wird.
Es sind solche Geschichten, die Pfarrer Johannes Stahl auf seiner Internetseite „Brennpunkt Kamerun“ teilt, um auf den dortigen Konflikt hinzuweisen. Stahl ist Referent für Gemeinde- und Partnerschaftsarbeit der „Basler Mission Deutscher Zweig“ (BMDZ) in Stuttgart. Vor Ort kümmert sich der Kameruner Togho Lumumba Mukong um die Koordination der BMDZ-Projekte. Ende Mai berichtete er mit seiner Frau Esther in Stuttgart über die Krise. 

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Jahrelang versprach die französischsprachige Regierung Kameruns dem englischsprachigen Teil mehr Autonomie, ohne dies einzuhalten. Im Oktober 2016 eskalierte der Konflikt. Separatisten riefen einen eigenen Staat aus, beide Seiten wenden Gewalt an. Mehr als 220 Dörfer sind verbrannt, 500?000 Menschen im Land auf der Flucht, im englischsprachigen Teil sind die Schulen seit drei Jahren geschlossen.

Vor der Krise haben Mitarbeiter der Partnerschaften Krankenhäuser und Schulen gebaut. „Nun haben wir es mit Flüchtlingen zu tun, deren Häuser abbrannten und deren Geschäfte zerstört wurden“, sagt Togho Lumumba Mukong. Jetzt geht es um grundsätzliche Hilfe: Essen, Kleidung, Decken. Helfer unterrichten Kinder und verhindern, dass Mädchen sich prostituieren. Außerdem versuchen sie, auf die Konfliktparteien einzuwirken. „Wir hören uns alle Seiten an, unterstützen den Dialog und konzentrieren uns darauf, den Menschen in Not zu helfen“, sagt Mukong. Pfarrer Stahl stimmt zu: „Es geht um Kontakt mit der Bevölkerung.“

Doch die Arbeit wird schwieriger. Aus der Krise ziehen Kriminelle Kapital, die oft Mitarbeiter von europäischen Organisationen entführen, winkt so doch ein hohes Lösegeld. Erst im Januar mussten die Mukongs wegen Drohungen ihr Haus verlassen. „Du weißt nicht, wer hinter dir her ist“, sagt Togho Lumumba Mukong. Seine Frau Esther, eine Lehrerin, erzählt, dass wegen des von Separatisten ausgerufenen Schulboykotts Lehrer, die Kinder unterrichten wollen, bedroht werden.

Das alles führt zu Misstrauen. „Du besuchst die Orte nicht mehr, wo du früher immer gewesen bist. Jeder kann ein Ziel sein“, sagt Mukong. Manche, sagt Johannes Stahl, wurden erschossen, weil sie ein rotes T-Shirt trugen – Rot ist auch die Farbe der Separatisten.

Togho Lumumba Mukong vermutet, dass bald Kameruner vermehrt nach Europa fliehen. „Die Welt wird immer kleiner, und wenn sich die Flüchtlinge auf den Weg machen, wird Deutschland eines ihrer Ziele sein.“

Viele Kameruner hoffen, dass sich die deutsche Regierung für Frieden in Kamerun einsetzt. Ein Ziel, für das Johannes Stahl mit einer Unterschriftenaktion kämpft. Denn die Krise belastet auch die Partnerschaften. Annemone Hilsenbeck engagiert sich schon lange in der Partnerschaft zwischen dem Kirchenbezirk Göppingen und dem Bezirk Menchum im Nordwesten Kameruns. „40 Jahre haben wir dort Projekte gemacht. Und jetzt bekommen wir wochenlang fast keine Nachricht mehr. Darunter leiden wir sehr“, sagt sie.


Aktuelles zur Lage in Kamerun unter www.brennpunktkamerun.org

 

Information

Die Republik Kamerun liegt in der Mitte Afrikas und ist rund 1,3-mal so groß wie Deutschland, hat aber nur 25 Millionen Einwohner. Die meisten Menschen leben von der Landwirtschaft. Arbeitslosigkeit und Armut sind sehr hoch. Etwa 50 Prozent der Bevölkerung Kameruns sind Christen.

Von 1884 bis 1919 war Kamerun eine Kolonie des Deutschen Reiches. Anschließend teilten es Franzosen und Briten untereinander auf. 1960 wurde Kamerun unabhängig. Für ein Viertel der Bewohner ist Englisch die Hauptsprache, der Rest ist französischsprachig.

Die Beziehungen der Basler Mission nach Kamerun sind fast so alt wie die Kolonialgeschichte, sie begannen 1886. Aus Württemberg gibt es mehrere Direktpartnerschaften von Kirchenbezirken mit Bezirken in Kamerun.

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