Christliche Themen für jede Altersgruppe

Jedes Teilchen ist wichtig

FRIEDRICHSHAFEN (Dekanat Ravensburg) – Schon mal gepuzzelt? Und dabei gemerkt, wie viel Spaß es machen kann, wenn sich eins zum anderen gibt und aus vielen Einzelteilchen ein Ganzes wird? In der Paul-Gerhardt-Gemeinde geht’s derzeit in Sachen Puzzle mal wieder so richtig ab.

Sage und schreibe 18 240 Teile wollen in den kommenden Monaten zu vier historischen Weltkarten mit einer Gesamtbreite von 2,76 Metern und einer Höhe von 1,92 Metern zusammengebastelt werden. Mitmachen kann jeder. Initiatoren der außergewöhnlichen Gemeinschaftsaktion sind Pfarrerin Eva Ursula Krüger und ihr Mann Karl Reinhard, der auch Kirchenmusiker und Chorleiter der Gemeinde ist.

„Die Leidenschaft zum Puzzeln habe ich bei meinem Amtsantritt in Friedrichshafen vor drei Jahren mitgebracht“, muss Eva Ursula Krüger lachen und erzählt vom Puzzle des Altartriptychons von Rogier van der Weyden, das jetzt in der Martinskirche in Oberspeltach hängt. Dass ihre spielerische Leidenschaft ansteckend wirkt, das hat sie immer wieder festgestellt. „Eine wunderbare Beschäftigungstherapie. Man kann so richtig abschalten. Man lernt aber auch besser zuzusehen und den Blick fürs Detail zu gewinnen“, sagt Alexander Glogger, der aus der Häfler Bonhoeffergemeinde kommt und als „aktiver Ruheständler“ sichtlich Freude an diesem Geduldspiel gefunden hat.
„Die reine Entspannung.“ Das empfindet Nicole Krüger aus der Erlöserkirchengemeinde. Sie hat das Riesenteil anlässlich der Geburt ihres ersten Kindes geschenkt bekommen und jetzt der Paul-Gerhardt-Gemeinde weitergeschenkt – weil sie selbst Fan ist, zuhause aber nicht genügend Platz hat. Schon vor etwa zwei Jahren hat man sich hier ordentlich ins Zeug gelegt, hat sogar zweimal zur „Puzzleparty“ eingeladen, um vier mal acht Abbildungen von Keith Haring zusammen zu puzzeln, die jetzt in der benachbarten Ludwig-Dürr-Schule hängen und von der Kunstklasse sogar schon teilweise reproduziert wurden.

Los geht’s: „Man wächst zusammen und bleibt trotzdem individuell. Jedes Teilchen ist wichtig“, sagt Pfarrerin Krüger. „Manche Mitspieler suchen sich die Teile mit speziellen Farben aus, manche einen speziellen Teilbereich, anderen haben das große Ganze im Blick.“

Kreative Gemeindearbeit in einer individualisierten Gesellschaft? Diese Einschätzung wird auch von Edith Ege vorbehaltlos geteilt. „Eine wirklich bereichernde Erfahrung“, betont die Kirchengemeinderatsvorsitzende. „Man kommt aber auch runter vom beruflichen Stress und kann den Gedanken freien Lauf lassen.“

Karl Reinhard Krüger schätzt den „sportlichen Charakter“ dieses dennoch stressfreien Hobbys, aber auch entstehende meditative Elemente. „Zum Puzzeln die CD einlegen, die man schon immer mal hören wollte – auch das ist gut möglich“, sagt er.

Edith Ege hat mittlerweile ihren ganz speziellen „Anknüpfungspunkt“ gefunden – den Äquator und die Polarkreise. Die Stimmung ist gut. Man kommt über Gott und die Welt ins Gespräch. „Wir sind die Teilchenbeschleuniger“, findet Karl Reinhard Krüger mit einem Lächeln auf den Lippen. Und das soll auch weiterhin so bleiben.