Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kilometer machen, Kontakte knüpfen

Kilometer machen, Kontakte knüpfen Biberach – Die Jugendreferenten Miriam und Philip Rampp haben seit März gut 10 000 Kilometer zurückgelegt. Denn ihre Einsatzgebiete sind die Kirchengemeinden in den Distrikten Laupheim und Bad Saulgau – und die liegen weit verstreut.

Miriam und Philip Rampp legen weite Wege zurück, wie die Karte vor ihnen bestätigt. (Foto: Rebekka Eyrich)
Miriam und Philip Rampp legen weite Wege zurück, wie die Karte vor ihnen bestätigt. (Foto: Rebekka Eyrich)

Biberach – Kirchdorf/Iller: 32 Kilometer. Biberach – Mengen: 46 Kilometer. Biberach – Balzheim: 29 Kilometer. Seit Philip und Miriam Rampp im März beim Evangelischen Jugendwerk in Biberach (EJB) ihre Stellen als Jugendreferenten angetreten haben, machen sie vor allem eines: Kilometer. Das Büro der beiden liegt unweit der Biberacher Innenstadt, ihre Distrikte Bad Saulgau und Laupheim reichen im Westen bis nach Mengen und Heiligkreuztal, im Westen bis nach Dietenheim und Kirchdorf/Iller. 60 Stunden inklusive Fahrzeit räumt der Bezirksarbeitskreis des EJB, der auch ihre Aufgaben festlegt, den beiden pro Kirchengemeinde im Jahr ein und das sind immerhin 19, beide Distrikte zusammengerechnet. Ein Balanceakt für das junge Paar: „Wir wollen vor Ort so präsent sein wie möglich“, sagt Philip. Denn die beiden sehen ihre Berufung darin, Beziehungen aufzubauen, vor allem zu den jungen Leuten im Kirchenbezirk. Diese persönlichen Kontakte seien der Schlüssel, sie ermöglichten ihre Arbeit überhaupt erst.

Doch über diese Distanzen ist das ein hehres Ziel, das haben die beiden, die auf der Karlshöhe in Ludwigsburg Religionspädagogik und Soziale Arbeit studiert haben, schnell bemerkt. Manchmal scheint es gar unmöglich: Wenn zum Beispiel die Pfarrstelle vakant ist, fehlt schon mal eine wichtige Kontaktperson“, erläutert die 26-jährige Miriam. Versuche, die jungen Mitarbeiter der Gemeinde zu erreichen, schlugen fehl. „Wir sind bei denen, die was machen wollen“, sagt der gebürtige Fellbacher Philip. 

Denn es gibt nicht wenige, die sehr froh sind, wenn Miriam und Philip Verantwortung übernehmen: Da sind das Konficamp, Kinderferienwochen, Mitarbeiterschulungen im Frühjahr und Herbst und die Teamschulung an einer Realschule nur einige Beispiele. Und auch hier komme es darauf an, gut vernetzt zu sein. Die Kinderferienwoche in Kirchdorf drohte auszufallen, weil Mitarbeiter für die Küche fehlten. „Da habe ich beim Jugendkreis in einem Nachbarort angefragt, die haben dann sogar zwei Freiwillige gefunden“, erzählt Philip. Es freut den 25-Jährigen besonders, wenn es gelingt, verschiedene Gemeinden zu verbinden und das Miteinander über die einzelnen Kirchengemeinden hinaus zu stärken.

Doch nicht nur bestehende Angebote betreuen die beiden, auch Neues wollen sie angehen und haben in diesem Sommer ein Ferienprogramm angeboten, das tageweise an unterschiedlichen Orten im Bezirk stattfand. So gab es etwa ein Sommernachtskino in Warthausen, Kanufahren auf der Donau bei Riedlingen und ein Tischkicker-Turnier mit echten Spielern in Oberholzheim. Zum Kino, und das freut das junge Paar besonders, kamen Zuschauer aus vier verschiedenen Kirchengemeinden.

Wer mehrere Wochen im Jahr gar nicht zu Hause ist, weil er Freizeiten betreut, oder erst spät am Abend nach Hause kommt, weil viele Veranstaltungen eben dann und am Wochenende stattfinden, der braucht einen verständnisvollen Partner. „Ich glaube, dass wir daran kaputt gehen würden, wenn einer von uns einen Beruf mit ganz geregelten Arbeitszeiten hätte“, sagt Miriam. Morgens genießen sie, die erst seit einem halben Jahr verheiratet sind, das gemeinsame Frühstück und, dass sie nicht um acht am Schreibtisch sitzen müssen. Sie sehen es auch als Vorteil, dass sie ein Büro teilen, wenngleich die gebürtige Pfälzerin froh ist, dass jeder seinen eigenen Distrikt betreut und somit seinen eigenen Arbeitsbereich hat. 

„Wir haben von Anfang an gewusst, auf was wir uns einlassen“, sagt Miriam. Dabei denkt sie nicht nur an die unregelmäßigen Arbeitszeiten, sondern auch allgemein an das Berufsbild des Jugendreferenten. Wer die beiden jungen Menschen vor sich sitzen hat, spürt ihre Motivation, ihren unbedingten Willen, etwas zu bewegen. „Wir möchten mit den Jugendlichen unterwegs sein, weil wir ihr Bedürfnis nach echtem Glauben erleben“, erläutert der Wahloberschwabe. Bei einem kurzen Gottesdienst fragten am Ende die jungen Mitarbeiter: „Können wir nicht weitermachen?“ Und so wurden weiter Lieder gesungen und das Abendmahl gefeiert. Momente, die bleiben und ermutigen.

Auch wenn das bedeutet, sich wieder eine Stunde ins Auto zu setzen, um irgendwo in den Weiten des Distrikts Konfirmandenunterricht zu halten. Doch selbst bei diesen Fahrten bestätigt sich ihre Entscheidung, nach Biberach gezogen zu sein. „Landschaftlich ist es einmalig schön hier, manchmal sehe ich sogar die Alpen, sagt Miriam begeistert. „Schade, dass ich dann nicht gleich aussteigen und ein Foto machen kann.“