Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kirchen im Kalten Krieg Koreas

Vom 30. Oktober bis 8. November traf sich der Weltkirchenrat in Südkorea zu seiner Vollversammlung.  Wie steht es um die Christen in Korea, einem Land, das seit dem Zweiten Weltkrieg in einen kapitalistischen Süden und einen kommunistischen Norden geteilt ist? Südkoreanische Gläubige suchen die Verständigung mit dem kommunistischen Norden. Doch die ist nicht so einfach.

Eine Musikgruppe aus Busan spielt bei der Vollversammlung des ÖRK
(Foto: EPD-Bild)

Seit den 1950er-Jahren stehen sich Nord- und Südkorea feindlich gegenüber. Dennoch wagten evangelische Christen aus dem Süden in den 1980er- Jahren, Kirchenvertreter aus dem Norden zu treffen. Durch die politischen Entwicklungen der vergangenen Monaten sind diese Kontakte aber erst einmal abgebrochen.

„Wenn die Lage gut ist, können wir über China nach Pjöngjang reisen, um gemeinsam mit dem Christenbund dort den Gottesdienst zu feiern“, sagt Chang-Hwie Lee vom Nationalen Rat der Kirchen in Südkorea. Zwei Mal sei er in Nordkorea gewesen, einmal um ein Hilfsprojekt zu koordinieren und das letzte Mal im November 2011, um an einem gemeinsamen Friedensgebet teilzunehmen. „Unglücklicherweise sind die Beziehungen zwischen beiden Koreas derzeit nicht gut. Besuche in Nordkorea sind schwierig. Wir konnten die Kirchenvertreter dort schon lange nicht mehr sehen.

“Der Nationale Kirchenrat Südkoreas wurde 1924 gegründet. Mitglieder sind beispielsweise Presbyterianer, Methodisten und Anglikaner, die zusammen etwa 60 Prozent der protestantischen Gläubigen in Südkorea ausmachen. Der Nationale Rat der Kirchen setzte sich bereits in den 1980er-Jahren, und damit früher als die Politik, aktiv für die Wiedervereinigung beider Staaten und humanitäre Hilfe für Nordkorea ein. Am Anfang konnten sich die Kirchenvertreter aus Nord- und Südkorea nur auf neutralem Boden treffen: 1986 und 1988 in der Schweiz. Nach 40 Jahren der Trennung wurde wieder gemeinsam das Abendmahl gefeiert. Der bereits 1946 gegründete Christenbund Nordkoreas wurde wiederbelebt und Ende der 1980er-Jahre entstanden in Pjöngjang zwei protestantische und ein katholisches Kirchengebäude. Daneben gibt es Hauskirchen, die über das Land verstreut sind.

Ob und wie die nordkoreanischen Christen ihren Glauben leben, darüber gibt es widersprüchliche Ansichten. Selbst wenn Besuche erlaubt sind, bleiben die Kontakte zu Mitgliedern des offiziellen Christenbunds in Nordkorea doch recht vage. „Ich traf dort vor anderthalb Jahren offizielle Kirchenvertreter, aber es ist schwer, mit einfachen Gläubigen ins Gespräch zu kommen“, sagt Chang-Hwie Lee. „In Pjöngjang habe ich auch eine Hauskirche besucht. Die etwa zehn anwesenden Personen dort waren sehr zurückhaltend. Auf meine Fragen antworteten sie immer nur Ja oder Nein.“Selbst vor Ort ist es also auch nicht leicht, sich ein Bild von der Situation der Christen zu machen. Dass es überhaupt Christen in Nordkorea gibt, bezweifeln konservative Kirchenvertreter im Süden, denn die könnten im kommunistischen System nicht überleben. „Das sind Kirchenbauten für die ausländischen Besucher und die Kirchgänger verkleidete Kader“, sagen sie.

„Ich vertraue den Kirchenvertretern im Norden. Für mich sind sie wirkliche Christen. Wir haben mit ihnen christliche Lieder gesungen und gemeinsam gebetet“, sagt hingegen Chang-Hwie Lee. „Ich weiß natürlich nicht, welchem Druck sie ausgesetzt sind. Ich denke aber, das wird übertrieben. Soweit ich es beurteilen kann, ist es ihnen offiziell erlaubt, in die Kirche zu gehen.

“Nicht loslassen, trotz aller Kritik und Zweifel im Süden an der Echtheit dieser Christen, lautet die Devise des Nationalen Kirchenrates. Politische Drohszenarien des Nordens, die Frage der Atomwaffen, das tiefe Misstrauen der Politiker in Nord und Süd haben auch zum Stillstand der Kirchenkontakte geführt. Nur die humanitäre Hilfe läuft weiter.

„Obwohl auch schon während der letzten Regierung die Situation zwischen Nord- und Südkorea wirklich schlecht war, konnten wir zwei Schiffe mit Nahrungsmitteln über eine Stiftung in China nach Nordkorea bringen“, sagt Reverend Hea Won Chae. Er  leitet das Ökumenische Forum für Frieden, Wiedervereinigung und Entwicklung mit Sitz in Seoul. „Deshalb gab uns auch die Regierung in Südkorea die Erlaubnis, das Hilfsprogramm zu überwachen. Wir fuhren im November 2011 nach Pjöngjang. Dort hatten wir keine Möglichkeit, uns  frei zu bewegen und Menschen zu treffen.“ Immer seien die offiziellen Vertreter des Christenbunds dort an der Seite der Helfer gewesen. „Wir hatten den Eindruck, dass es den Menschen in Pjöngjang verhältnismäßig gut geht. Während einer Reise aufs Land konnten wir jedoch feststellen, dass die Menschen dort nicht gesund sind.“ Die junge Generation sei durchschnittlich 15 bis 20 Zentimeter kleiner als im Süden, weil die Ernährungslage im Norden sehr schlecht sei.

Mit Spenden, die in Kirchen in Südkorea und anderswo gesammelt wurden, konnten bisher eine Nudelfabrik, eine Bäckerei und ein Gewächshaus für Gemüse in Pjöngjang gebaut werden. Auch im letzten Jahr gelangten zwei Schiffe mit Nahrungsmitteln nach Nordkorea. Trotz aller Kritik, ob diese Hilfe nicht doch eher dem Militär und den Reichen in Nordkorea zugutekomme.

„Dieses Argument hören wir oft, aber die Versorgungssituation dort ist generell sehr schlecht, und wir müssen so viel schicken, wie wir können“, sagt Hea Won Chae. „Die Bedürftigen können dann wenigstens einen Teil davon bekommen. Im Moment kümmern wir uns nicht um diese Zweifel. Wir müssen dieser Betonierung der Feindschaft zwischen Menschen in Nord und Süd entgegenwirken und Verständnis zwischen ihnen schaffen.“ Die Drohungen der Machthaber im Norden könnten doch kein Grund sein, dass den Bedürftigen dort keine Nahrungsmittel geschickt werden können. Die humanitäre Hilfe läuft unter dem Anspruch: „Ideologien entzweien, Dienst vereint“. Ein Treffen mit Vertretern des Christenbunds im Norden gab es im letzten Jahr nicht. Seit Kim Jong Un die Macht in Nordkorea übernommen hat und erst recht nach seinen Angriffsdrohungen herrscht Funkstille. Dabei hatte man sich beim Nationalen Kirchenrat in Südkorea für 2013 so viel vorgenommen. Denn 60 Jahre nach dem Ende des Koreakrieges tagte der Ökumenische Rat der Kirchen in der südkoreanischen Hafenstadt Busan. Und die Südkoreaner riefen den „Peace-train“, den Friedenszug ins Leben. Geplant war, dass Repräsentanten aus aller Welt mit der Bahn vom einst geteilten Berlin über Moskau, Irkutsk und Peking nach Pjöngjang und von dort weiter nach Seoul und Busan fahren – auch als Symbol für eine mögliche Wiedervereinigung der beiden Koreas.

Bis Peking gab es damit kein Problem. Doch von dort in die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang reisen? Das durften die „Friedenszügler“ nicht. Nordkorea verweigerte die Einreise. Deshalb ging die Fahrt von Peking an die chinesisch-nordkoreanische Grenze. Von dort nahmen die Teilnehmer eine Fähre nach Südkorea, fuhren mit dem Bus nach Seoul und mit der Bahn zum Tagungsort Busan. Die Organisatoren waren nicht allzu enttäuscht darüber, dass sie nicht nach Pjöngjang fahren konnten: Sie sehen die Reise als einen ersten Anfang. Bereits im kommenden Jahr wollen sie den Friedenszug wieder fahren lassen – von Berlin nach Südkorea. Wenn möglich, über Pjöngjang.