Christliche Themen für jede Altersgruppe

Klima-Lamas auf Pilgertour

Luna, Mona Lisa und Iska sind drei Lamas und wohnen im Reutlinger Teilort Ohmenhausen. Mit ihrer Besitzerin, Pfarrerin Ulrike Schaich, gehen die neugierigen Tiere auf Wandertouren, arbeiten als Rasenmäher und bereichern Gottesdienste. Und sind manchmal sogar Klimabotschafter. 



Ulrike Schaich und ihre drei Lamas: Luna, Mona Lisa und Iska (von links). (Foto Martin Janotta)


Nun, irgendwann muss die Frage kommen: „Wie ist das denn mit dem Spucken?“ Ulrike Schaich hat das so oft gehört, dass sie ganz routiniert antwortet: „Ja, Lamas spucken, aber nur untereinander. Und auch dann nur, wenn sie die Rangordnung unter sich ausmachen.“ Die Pfarrerin muss es wissen. Sie ist Besitzerin von drei Lamas in ihrem Wohnort Ohmenhausen.

„Wie kommt man darauf, Lamas zu halten?“, sei – nach dem Spuckthema – die zweithäufigste Frage, erzählt Ulrike Schaich. Der Auslöser ihrer Liebe zu Lamas liegt weit zurück. 1976 hatte sie ihren ersten Kontakt mit den Tragetieren. Ihre Tante hatte einen Mann aus Ecuador geheiratet und sich dort auf einer Farm niedergelassen. Schaichs Großvater beschloss, seine Tochter zu besuchen, in Begleitung eines Enkelkindes. Die Wahl fiel auf die neunjährige Ulrike – weil die zum Kinderpreis mitfliegen konnte.

In den drei Wochen bei Tante und Onkel konnte Ulrike Schaich dann miterleben, wie ein neues Lamafohlen geboren wurde. Und sah zum ersten und einzigen Mal, wie ein Lama einen Menschen anspuckte: Durch die langwierige Geburt seines Kindes ungeduldig geworden, sorgte Lama-Vater „Fritz“ dafür, dass Ulrike Schaichs Onkel eine längere Dusche nötig hatte. Das Fohlen aber kam gesund zur Welt und erhielt, zum Entzücken des tierlieben kleinen Mädchens, ebenfalls den Namen „Ulrike“. Seitdem war Ulrike Schaich von den Tieren fasziniert. Viele Jahre später, 2010, sah sie Luna bei einem Züchter und beschloss: Sie möchte selbst Lamas halten.

Mitten in Ohmenhausen befindet sich die Wiese, auf der die drei Lamas Luna, Mona Lisa und Iska leben. Einen Platz für sie zu finden, war nicht einfach. Ein dreiviertel Jahr fragte Ulrike Schaich überall nach, um eine Wiese zu finden, die groß genug für mindestens zwei Lamas ist – einzeln dürfen die Herdentiere in Deutschland nicht gehalten werden.

Herrschte am Ort erst Skepsis vor, sind die Lamas inzwischen auf vielen Wiesen gern gesehen – als natürliche Rasenmäher. „Können die auch mal bei mir grasen?“, wird Ulrike Schaich oft gefragt. Meist nach einem erstaunten Blick auf die abgefressene Lamawiese.  

Die drei Lamas gehen mit großen, neugierigen Augen auf Neuankömmlinge  zu, schnüffeln kurz an der Hand, wenden sich aber auch schnell wieder dem deutlich spannenderen Gras zu. Wie alle Kamelarten sind Lamas von Natur aus an karge Kost gewöhnt und werden von zu reichhaltiger Nahrung krank. Deshalb ist der Apfelbaum auf dem Grundstück extra eingezäunt.

Das weiche Fell der Lamas lädt dazu ein, die Tiere zu streicheln. Die lassen das über sich ergehen, sonderlich begeistert sind sie nicht. Denn Lamas wahren, trotz ihrer Neugier, gerne Distanz. Wenn Ulrike Schaich ihnen aber den Halfter anlegt, wissen die drei: Jetzt geht es fort, jetzt müssen wir auf die Menschen achten. Dann lassen sie sich auch von Fremden führen, die mit Ulrike Schaich auf Lamatouren ins Naturschutzgebiet gehen.

Wie ein Hund, der unbedingt spazieren will, legen Lamas beim Wandern ein flottes Tempo vor und ziehen an ihren Seilen. Und wie Hunde, die am Wegesrand schnüffeln, nutzen Lamas kurze Stopps: Als Ulrike Schaich sie von der Straße ins Grüne zieht, um ein Auto vorbeizulassen, fangen die Tiere gleich an zu fressen.

Eigentlich stammt Ulrike Schaich aus der Gegend von Oldenburg. Nach dem Vikariat gab es dort keine Stelle für sie und sie zog zu ihrem Mann in den Süden. Inzwischen bewohnen die beiden, zusammen mit Sohn Johannes, den alten Bahnhof von Ohmenhausen. Die Zugstrecke ist zwar schon lange stillgelegt, aber zwei alte Güterwaggons stehen immer noch im Garten. Für ihren Mann, einen Eisenbahnfan, der perfekte Wohnort.

In der täglichen Arbeit in Ulrike Schaichs Kirchengemeinde in Altdorf, wo sie eine halbe Stelle hat, spielen die Lamas keine Rolle – bei besonderen Anlässen sind sie aber doch dabei. „Ich biete den Konfirmanden immer eine Lamatour an“, sagt die Pfarrerin – oft wird dann mit den Lamas umhergezogen und im Zelt übernachtet. Und beim Erntedankgottesdienst war Iska auch mit in der Kirche – passend zum Thema „Peru“.

Erst vor kurzem sind die Lamas für das Klima gepilgert. Welche Probleme der Klimawandel auslöst, wurde für Ulrike Schaich wiederum in Ecuador besonders deutlich – diesmal vor fünf Jahren. Nach einer Bergwanderung war sie mit ihrer Familie bei Einheimischen zu Gast, die ihnen Maiskolben anboten. Im folgenden Gespräch wurde klar, dass Mais das einzige ist, was dort überhaupt noch wächst. Seit zwei Jahren waren die üblichen saisonalen Regenfälle ausgeblieben. Auf Schaichs geschockte Reaktion sagte ihr Gastgeber nur: „Wir haben ja noch den Mais und zur Not unsere Meerschweinchen.“ „Dieses Erlebnis hat mir den Klimawandel greifbar gemacht“, sagt Ulrike Schaich. Seitdem lässt sie das Thema nicht mehr los.

Von der Idee des Klimapilgerweges war Ulrike Schaich daher gleich angetan. Auf dem südwestdeutschen Teilstück, von Ludwigshafen bis Ramstein, wanderte sie mit zwei ihrer Lamas mit – Luna und Iska. Die waren aber nicht nur dabei, sondern trugen auch Botschaften. „Wenn der Regen ausbleibt, was tragen wir dann noch zum Markt?“ oder „Nicht jeder kann mit so karger Kost leben wie ein kleines Kamel“ stand auf den Plakaten, die an die Sättel der Tiere angebracht waren. Wer am Pilgerzug vorbeikam, dem fielen die beiden Lamas als erstes auf. Und neben den üblichen Fragen – „Spucken die wirklich?“ – ergaben sich auch Gespräche über Klimathemen. „Die Tiere sind der perfekte Anknüpfungspunkt“, sagt Ulrike Schaich. An die Gruppe haben sich die Lamas schnell gewöhnt: „Schon nach zwei Tagen ist Iska immer wieder stehen geblieben und hat geschaut, ob alle beieinander sind“, erzählt Ulrike Schaich. Typisch Herdentier.

Der Pilgerweg führt durch Deutschland nach Paris und endet kurz vor der Klimakonferenz. Ihre Erwartungen an die Konferenz schraubt Ulrike Schaich bewusst nicht zu hoch: „Ich wünsche mir, dass es überhaupt zu irgendeiner Einigung kommt.“ Auch kleine Schritte seien ein Erfolg. Das gehe wie beim Pilgern – „einen Schritt nach dem anderen setzen“. Sie ist froh, dass sie mit ihrer Teilnahme am Klimapilgerweg ein kleines Zeichen setzen konnte.

www.die-bahnhofslamas.de

Das Buch über die Schätze des Glaubensjahres

Uwe Metz
Weihnachtsmann Osterhase ...
alles nur Schokolade

Edition Gemeindepresse
14,95 €