Christliche Themen für jede Altersgruppe

Künstlerin mit kleinem Gepäck

DORNSTETTEN (Dekanat Freudenstadt) – Sie war eine beeindruckende Persönlichkeit und eine große Künstlerin, die Jahrzehnte in Dornstetten wirkte: Am 13. Juli 2017 verstarb Eleonore Kötter nach kurzer Krankheit im Alter von 84 Jahren. Ihr Atelier samt Wohnung lag in einem schönen Altbau der ehemaligen Oberamtsstadt. Jetzt sind ihre Werke bei einer Ausstellung zu sehen. 


Eleonore Kötter

Für Kunstinteressierte aus der gesamten Region und ihre zahlreichen Freunde gehörte ein Besuch in der Alten Vogtei zur Adventszeit einfach dazu. Denn in der Vorweihnachtszeit machte Eleonore Kötter ihr Atelier zur „Dezember-Galerie“. Gemeinsam wurden dort dann ihre neuesten Werke betrachtet und bewundert: Drucke, Aquarelle, Farbschichtbilder, Holz- und Linolschnitte, Schriftbilder, Federzeichnungen und auch die von ihr herausgegebenen Bildbände.

Viele Besucher genossen es, sich mit der Künstlerin zu unterhalten, waren doch die Gespräche mit ihr stets bereichernd. Eleonore Kötter war eine Persönlichkeit, die sich für ihr Gegenüber Zeit nahm, die ebenso sensibel wie wertschätzend kommunizierte und mit ihrer Haltung und Denkweise Raum für neues Denken eröffnete. Sie widersetzte sich jeglichem Zeitgeist, sowohl was ihre spartanische Lebensweise als auch was ihre feinsinnige Malerei anbelangte; unbeirrt verfolgte sie ihren Weg. Ohne viele Worte verwies sie auf das, was ihr wichtig war: auf die Bewahrung der Schöpfung. Mit ihrer Kunst lud sie dazu ein, die Schönheiten der Natur und der Umgebung zu erkennen und verantwortungsbewusst mit ihnen umzugehen.

Durch ihr (Künstler-)Leben ging die 1932 in Westfalen geborene Eleonore Kötter zielstrebig, energisch und behutsam zugleich. Für die Verwirklichung dieses Lebenstraums, Künstlerin zu werden, benötigte sie einen langen Atem. Zunächst bestand ihr Vater darauf, dass sie eine kaufmännische Lehre absolvierte und im elterlichen Kaufmannsbetrieb mitarbeitete. Eine Notwendigkeit, ging es doch in den Kriegs- und Nachkriegsjahren für die ausgebomte Familie nicht um Kunst, sondern ums Überleben.
1943 war sie in ihr Schwarzwald-Exil gekommen. Zum Lebensunterhalt konnte Eleonore auch dank ihrer künstlerischen Begabung beitragen. Sie malte die alten Gasthäuser in und um Aach, wo ihre Familie lebte, und wurde in Naturalien entlohnt. Erst sechs Jahre nach dem Tod ihres Vaters machte sich die junge Frau als Künstlerin selbständig. Zielstrebig hatte sie zuvor an der Kunstakademie Stuttgart Malerei und Grafik studiert.

Behutsam war Eleonore Kötter vor allem beim Umgang mit der Schöpfung. Fast immer war sie zu Fuß unterwegs und nahm sich dabei viel Zeit, die Stimmungen und Schönheiten ihrer Umgebung zu entdecken, diese in Skizzen und schließlich in ihren Bildern festzuhalten. Dabei waren diese stets auf das Wesentliche reduziert.

Viele ihrer Werke spiegeln die Wunder der Natur wider, häufig präsentiert aus einem ungewohnten Blickwinkeln heraus. In ihren vielen Schaffensjahren sind viele Motive mit Pflanzen, Steinen, Bäumen, Landschaften und Stillleben entstanden. Aber auch viele alte Gebäude, Häuserzeilen und Stadtansichten hat sie für die Nachwelt festgehalten. Um Bewahrenswertes zu erhalten konnte sie durchaus auch einmal ihre Stimme erheben – auf ihre Weise. So zeichnete sie 2006 den Stuttgarter Hauptbahnhof mit einer drohenden Wolke und der Bildunterschrift: „Stuttgarter Hauptbahnhof – Das Gespenst darüber“.

Selten nur bildete sie auf ihren Bildern Menschen ab. Wenn doch, dann zeichnete sie diese in Verbindung mit Gotteshäusern. In diesen Werken warten Menschen in oder vor einer Kirche, oder sie wenden sich einer Lichtquelle zu. So wie etwa in dem Bild „Wartende vor dem Kloster“. Dies verweist auf einen wesentlichen Aspekt ihrer Persönlichkeit: Eleonore Kötter war ein zutiefst gläubiger Mensch.
Dass sie sich viel mit Religion und Glauben befasste, bestätigt ein Blick in ihr Bücherregal. Dort fanden sich viele theologische Abhandlungen; Merkzettel belegen, dass sie diese intensiv studierte. Über ihrem Schreibtisch hing der Spruch: „To paint is a religius aktivity“, auf Deutsch in etwa: „Malen ist eine religiöse Praxis.“

Bescheidenheit und Konsumverzicht lag ihr am Herzen. In einem ihrer wenigen Aquarelle formulierte und malte sie dies explizit im Titel: „Bescheide dich, begnüg‘ dich zuzusehn ...“. Kein Wunder ging Kötter stets mit kleinem Gepäck durchs Leben. Auf ihren Reisen hatte sie stets nur leichtes Handgepäck dabei. Bis zuletzt lag ihr das Wohlergehen ihrer Freunde sehr am Herzen. Von einem langjährigen Weggefährten verabschiedete sie sich mit den Worten: „Sie versprechen mir, dass Sie weiterhin ein so kritischer Geist bleiben und Leserbriefe schreiben.“

Da die Künstlerin verfügte, dass ihr gesamtes Werk in eine Kunststiftung übergeht, obliegt es nun dem Kuratorium der Städtischen Stiftung, ihre Objekte zu sichten und ein Werksverzeichnis zu erstellen.
Die Aufgabe hat Marion Dämmig, ihre langjährige Nachbarin und Freundin, übernommen. Die studierte Museologin hat als Vertraute einen besonderen Zugang zu Kötters Werk. Über ihre langjährige Freundin Eleonore sagt sie: „Man konnte sich ihrer Aura nicht entziehen.“