Christliche Themen für jede Altersgruppe

Leben in der Dankbarkeitsblase

FREUDENSTADT –  „Trost und Kraft zu geben, tut gut“, sagt Markus Kaufmann. Der freie Trauerredner fühlt sich als Werkzeug Gottes. Auch oder gerade dann, wenn er Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, auf ihrem letzten Weg begleitet.


Markus Kauf liebt seinen Beruf. (Foto: Bärbel Altendorf-Jehle)

Markus Kaufmann ist gefragt. Nicht nur im Kreis Freudenstadt, sondern auch im Raum Ludwigsburg, Rottweil und Furtwangen. Er spricht auf Friedhöfen, Kapellen, in Trauerwäldern, steht den Angehörigen bei, spendet Trost und sieht sein eigenes Leben dabei in einer – wie er es ausdrückt – Dankbarkeitsblase. Er ist dankbar, dass er lebt, es ihm gesundheitlich gut geht, er eine liebevolle Familie hat und dass Gott ihn auf den richtigen Weg geschickt hat. Markus Kaufmann glaubt, dass er seine Berufung gefunden hat.

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Der 53-Jährige war Zeit seines Lebens ein Suchender. Seinen Beruf als Siebdrucker konnte er aus gesundheitlichen Gründen nicht ausüben. In einer musikalischen Familie aufgewachsen – sein Vater war Kurmusiker in Baiersbronn und Klosterreichenbach – stieg er dort zusammen mit seinem Bruder ein. Das ging bis 1995, dann orientierte sich Kaufman neu um, wurde erfolgreicher Spediteur. „Diese Arbeit brannte mich aus“, sagt Kaufmann. Er kehrte wieder zurück zur Musik.

Die Trennung von seiner ersten Frau traf ihn hart: „Ich sah keine Perspektive mehr für mein Leben.“ Nach einem Musikauftritt machte er nachts am Friedhof halt, suchte die Gräber seiner Verwandten auf. „Da saß ich und weinte bitterlich.“ Kaufmann erbat Gottes Hilfe. Als ihm dann wenige Zeit später seine jetzige Frau, mit der er eine 13-jährige Tochter hat, über den Weg lief, sah er das als Gottes Zeichen.

Das junge Paar verließ Deutschland und verbrachte gemeinsam vier Jahre in Spanien. Der evangelische Pfarrer Fritz Delp, dessen Vater Alfred Delp, Widerstandskämpfer, hingerichtet wurde, brachte den Katholiken Kaufmann in Spanien zurück in den Schoß der Kirche. Delp schlug dem musikalischen Paar vor, mit ihm Gottesdienste zu gestalten. Nach der Geburt der Tochter kehrte das Musiker-Paar zurück nach Deutschland. Kaufmann wurde Hausmusiker im Engel in Obertal und musizierte auch bei Familienfeiern. Die Aussage einer Bekannten: „Du könntest gut Trauerredner werden“, war der Auslöser und brachte eine radikale Wende in Kaufmanns Leben.

Heute sieht er, dass all seine beruflichen Querwege ihn letztlich zum Ziel führten. Seine musikalische Begabung und sein Gesang setzt er heute gezielt bei Trauerfeiern ein. Er hat keine Berührungsängste, kein Lampenfieber. Er kann sich in Menschen einfühlen, ihnen Kraft spenden. Im Martin-Haug-Stift der Evangelischen Heimstiftung betreut er demente Menschen, unternimmt mit ihnen Ausflüge. „Ich habe nun immer mit Menschen zu tun, werde gebraucht und kann überall helfen“, sagt er. „Gibt es einen schöneren Beruf?“

Er wird immer dann gebeten, eine Trauerrede zu halten, wenn der Verstorbene Atheist war oder aus der Kirche ausgetreten ist. Die Angehörigen hätten überwiegend gerne eine kirchliche Beerdigung, haben aber Hemmungen, den Pfarrer zu fragen. Ebenso viele möchten, auch wenn der Verstorbene keiner Kirche angehörte, dennoch das „Vaterunser“ am Grab sprechen. Markus Kaufmann: „Vielleicht ist die Überlegung dabei: „Was wäre, wenn es Gott doch gibt.“ Was ist der Unterschied zwischen einer kirchlichen Trauerfeier und der Begleitung durch einen freien Trauerredner? Markus Kaufmann: „Ich brauche mich nicht an liturgische Vorgaben halten, das bedeutet, dass sich meine Rede voll und ganz um den Verstorbenen dreht. Das Leben eines alten Menschen in 30 ober 45 Minuten nochmals Revue passieren zu lassen ist für mich eine Ehre.“

Falls der Verstorbene und seine Angehörigen Atheisten sind, greift Kaufmann in seinen Texten auf die Natur zurück, in der Energie nicht vergeht, sondern sich nur umwandelt. Der Verstorbene lebt weiter und sei es auch nur in den Herzen der Hinterbliebenen.

An ein besonderes Erlebnis erinnert sich Kaufmann gerne. Er beerdigte eine Frau der Fischerchöre. Gotthilf Fischer war auch gekommen. „Ich war aufgeregt“, bekennt Markus Kaufmann. Gotthilf Fischer lobte Kaufmanns Rede und meinte, vor allem die Pausen der Rede hätten „an der Seele genagt“. Dass diese nur der Aufgeregtheit geschuldet waren, um den Faden wieder zu finden, verriet Kaufman dem berühmten Leiter der Fischerchöre natürlich nicht. Aber seither macht er die Pausen ganz bewusst zum Innehalten und Nachdenken.

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