Christliche Themen für jede Altersgruppe

Leidenschaftlich einladen

GRABENSTETTEN (Dekanat Bad Urach) – Pro Christ Live ist jetzt wirklich live: Der Hauptredner dieser Evangelisierungswochen spricht jetzt nicht mehr von der Leinwand zu den rund 100 Versammlungen in Deutschland. Sondern dort agiert ein leibhaftiger Prediger. Wie Stefan Mergenthaler, der den Hauptpart der Pro-Christ-Woche in der Kirchengemeinde Grabenstetten hat. 


Der Hauptredner in Graben­stetten: Stefan Mergenthaler. (Foto: Wolfgang Albers)

Die erste Rückmeldung zeigt gleich mal die gewohnten Erwartungen. Sie habe den ganzen Abend gewartet, das endlich umgeschaltet wird, sagt eine Frau zu Stefan Mergenthaler. Das ist am Ende der Pro-Christ-Auftaktveranstaltung im Gemeindehaus Grabenstetten. Nein, muss der Bernlocher Pfarrer ihr klar machen: Diesmal war Mergenthaler die Hauptperson.

Pro Christ ist eine Groß-Evangelisation, die bei ihrem Start im Jahr 1993 amerikanische Prägung im Stil und der Person zeigte: Aus der Essener Grugahalle wurde europaweit in nahezu tausend Orte übertragen. Und der Hauptredner war die Prediger-Legende Billy Graham.

Das Gesicht von Pro Christ in Deutschland ist aber Ulrich Parzany geworden, der auch, gesundheitlich schon angeschlagen, vor zwei Jahren von der Stuttgarter Porsche-Arena in all die zugeschalteten Gemeinden sprach. Auf seine Weise ist Ulrich Parzany ein Star – und damit auch eine Herausforderung für seine Nachfolger. Über 100 sind es gleich, die in vier Treffen auf ihre Aufgabe vorbereitet wurden: Als Hauptredner in den Pro-Christ-Wochen dieses Jahres aufzutreten. Und damit auch gegen das bisherige Konzept mit einem überregional bekannten Prediger anzutreten.

Stefan Mergenthaler hat das nicht nervös gemacht: „Wir sind sicher unterschiedliche Leute, aber eines vereint uns: dass wir leidenschaftlich von Jesus reden. Und das kann ich von mir auch sagen.“

Das hatte Siegbert Betz auch gehört. Als der Grabenstetter Pfarrer und sein Vorbereitungsteam überlegten, wen sie einladen sollten, guckten sie in die Nähe, nach Bernloch: „Wir hatten mitbekommen, dass da ein junger dynamischer Pfarrer ist.“ Stefan Mergenthaler sagte zu – und hatte in den Sommerferien dann mal gleich zu tun: Eine ganze Woche zu predigen, jedesmal zu einem neuen Aspekt: „Das schüttelt vielleicht ein Ulrich Parzany aus dem Ärmel, aber ich muss mich da schon intensiv vorbereiten.“

Das galt auch für das ganze Team. Die Grabenstetter hatten sich gleich mal Verstärkung geholt und mit der Kirchengemeinde Wittlingen/Hengen kooperiert. Denn der Aufwand für das neue Konzept ist definitiv höher, hatte Karin Bauer, die Laienvorsitzende im Grabenstetter Kirchengemeinderat, festgestellt. Aber die neue Form hat die Grabenstetter gereizt: „Man ist näher dran, dichter dabei.“

Damit das auch die sind, um die es in dieser Missionswoche geht – nämlich Menschen, die eher selten oder gar nicht den Weg in die Gemeinden finden – hatten die Organisatoren intensiv geworben, auch mit vielen persönlichen Einladungen. Immerhin: Am Montagabend waren schon mal gut 80 Besucher da, und zumindest manches Gesicht kannte Siegbert Betz nicht aus seiner Kerngemeinde.

Ein Ehepaar stimmt alle mit klassischer Musik ein, Siegbert Betz leitet zum Motto des Abends über: „Gott! Knapp daneben ist auch vorbei.“ Dazu holt er Expertinnen vor sein Mikro – zwei Frauen aus dem Schützenverein. Ja, sie treffen auch nicht immer. Und da kann man sich auch nichts schönreden, sagt Dagmar Ladner, die zweite Vorsitzende: „Daneben ist daneben. Und je knapper es daneben ist, desto mehr reg ich mich auf.“

Schnitt, nächstes Thema: Party. Die Anlage spielt ein paar moderne Takte ein: „There is a party.“ Frage ans Publikum: Wer hat letztens so richtig Party gefeiert? Die ersten, denen das Mikro unter die Nase gehalten wird, können sich an gar nichts erinnern – aber dann sprudelt es aus einer Frau heraus: „Oktoberfest, mit Dirndl und allem, was dazugehört, bis in den Morgen!“

So hat jetzt Stefan Mergenthaler den Übergang zu seiner Ansprache. „Ich war auch oft auf Partys“, sagt er. das nimmt man ihm ab: Längere Lockenhaare, Mehr-Tage-Bart, Jeans, Turnschuhe. Aber auch auf Partys ereilt ihn im Smalltalk dann oft wieder der Beruf. Kaum hat er den nämlich genannt, wird auch Gott ein Gesprächsthema. Und die unterschiedlichsten Vorstellungen von Gott.

Wer also ist Gott? Schon ist Stefan Mergenthaler mitten in seinem Thema, und man merkt, dass der 34-Jährige als Prediger auch außerhalb seiner Gemeinde unterwegs ist, etwa beim Christustag oder beim Stuttgarter Jugendgottesdienst. „Man wird berufen“, nennt er diese Einladungen.

Um Einladungen geht es auch im Bibeltext, den er sich selber rausgesucht hat. Lukas 14, die Geschichte vom Fest, zu dem keiner kommen will. Letztlich lädt da ja Gott ein. Und wenn man diese Einladung ausschlägt, etwa, wenn man Gott wie einen Notfallkoffer behandelt („Gut, dass er da ist, wenn man ihn braucht“) – dann findet Stefan Mergenthaler auch schon mal schärfere Worte: „Knapp daneben – und vorbei.“

Beispiel um Beispiel beschreibt er die heutige unverbindliche Einstellung zur Religion und wiederholt sein: „Knapp daneben – und vorbei.“ Immerhin, die Grabenstetter kommen besser weg: „Sie haben alles richtig gemacht: Sie sind hier. Sie haben die Einladung angenommen.“ Und das solle so bleiben: „Es gibt noch freie Plätze beim Fest Gottes. das läuft schon, die Party steigt schon. Aber irgendwann ist die Tür mal zu. Jesus ist da nicht hart, sondern nur ehrlich.“

Und wie nimmt man die Einladung an? Zu Pro Christ gehört ein Kreuz, es ist in einer Ecke aufgebaut. In früheren Jahren sind die Leute aus der Versammlung einzeln dorthin vorgetreten. Darüber ist diesmal im Vorbereitungsteam lange diskutiert worden und man hat sich für eine Lösung entschieden, die der nicht zur Extrovertiertheit neigenden Älbler-Mentalität entgegenkommt: Wer Fragen oder ein Anliegen hat, kann sich danach an Teammitarbeiter wenden.

Hat der Abend sein Ziel erreicht? Siegbert Betz freut sich schon mal, dass auch einige Jugendliche da waren. Und während die Besucher den Abend bei Snacks ausklingen lassen, denkt Stefan Mergenthaler grundsätzlicher: „Wenn Kirche sich nicht mehr mit Mission beschäftigt, hat sie ihr Herz verloren. Besonders in Zeiten, in denen mal über schwindende Mitgliederzahlen klagt. Da muss man gucken, dass man neue Leute erreicht.“



Information
Pro Christ live ist eine Themenreihe für Leben und Glauben und findet kontinuierlich an verschiedenen Orten in Deutschland, Österreich, in der Schweiz und mehreren osteuropäischen Ländern statt. Im Bereich der württembergischen Landeskirche finden noch bis 15. November Veranstaltungen statt. Mehr unter www.prochrist.org