Christliche Themen für jede Altersgruppe

Melodien und andere Mächte

Seine leichte Melodie zu Bonhoeffers guten Mächten machte ihn berühmt – auch weil sie in Kirchen­musikkreisen stets umstritten blieb. Dabei ist Siegfried Fietz mehr als nur ein Pionier des neuen geistlichen Liedguts. Am 25. Mai wird er 70 Jahre alt und denkt gar nicht daran aufzuhören. 


70 Jahre und kein bisschen leise: Der christliche Liedermacher Siegfried Fietz ist noch immer sehr aktiv
im Studio und auf der Konzertbühne. (Foto: Gemeindeblatt)


Vor vier Jahren sagte Siegfried Fietz bei einem Konzert in Wolfschlugen bei Nürtingen lächelnd zu seinem Publikum: „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an.“ Es hat ganz den Eindruck, als ob er mit seiner Ankündigung damals recht behalten hat: Was seit 2012 bis heute geschehen ist, darf durchaus als erstaunlich bezeichnet werden, für einen Mann, der dieser Tage seinen 70. Geburtstag feiert.

Ein Pop-Oratorium für die Landesgartenschau in Schwäbisch Gmünd hat er geschrieben, ein musikalisches Porträt von Martin Luther und nun ganz neu ein Musical über Franziskus. Auf dem Katholikentag in Leipzig wird es uraufgeführt, wieder einmal geht Fietz über Konfessionsgrenzen, die ihm, dem evangelischen Christen, schon immer herzlich unwichtig waren.

Am 25. Mai 1946 wurde er im westfälischen Berleburg geboren. Er lernte Kaufmann und Maschinenschlosser, doch schon ganz früh auch die feinen Töne der Musik. Mit 19 Jahren konnte er Gitarre, Klavier und Orgel spielen und hatte bereits einen C-Schein als Kirchenmusiker.

Musik und Glaube waren für Fietz schon immer zwei Seiten ein und derselben Medaille. Er wollte etwas bewegen, am liebsten auch gleich die Melodien, die ihm bei der klassischen Kirchenmusik oft viel zu schwer und zu getragen daherkamen.

So wagte er sich, gerade 24-jährig, an Dietrich Bonhoeffers Gedicht „Von guten Mächten“. Zehn Jahre zuvor hatte ein Berliner Kirchenmusiker namens Otto Abel bereits eine Melodie in molligen Farben geschrieben. Es ist jene Version, die bis heute von vielen Kirchenmusikern bevorzugt wird und als Lied Nr. 65 im Gesangbuch steht.

Fietz hingegen gab seinen guten Mächten eine beschwingte Melodie, einen federleichten Sechsachteltakt zum Mitsingen und Mitklampfen. Generationen von Gitarrespielern würden die Version von Fietz wählen. Es war die Zeit der Achtundsechziger, der neuen geistlichen Lieder, des Ausprobierens anderer Formen.

Ausprobiert hat Siegfried Fietz ein Leben lang gerne: Mit Langhaarperücke und dem Künstlernamen Manuel Thaler wagte er sich sogar ins Schlagerfach vor. Er gründete einen eigenen Musikverlag, nahm 200 Produktionen aus der eigenen Feder auf, begab sich sogar in sphärische Welten, als er eine Symphonie mit einem echten Astronauten einspielte.

Einer, der Siegfried Fietz seit vielen Jahren gut kennt, ist Martin Scheuermann, Hausvater und Geschäftsführer des christlichen Gästezentrums Schönblick in Schwäbisch Gmünd. Ein Urgestein der christlichen Popmusik nennt er Fietz und einen Visionär. „Er hat sich immer neu erfunden und ist sich dabei doch stets treu geblieben“, sagt Scheuermann. Erst kürzlich hat ihn der Schwäbisch Gmünder zu Hause besucht und seinen Skulpturenpark bewundert. Es ist eine der neuesten Facetten des Künstlers Siegfried Fietz, dass er sich  als Bildhauer und als Maler betätigt.

Die Konzertbühne und das Klangstudio haben jedoch bis heute einen ganz besonderen Platz in seinem Herzen. Für viele Menschen ist es eine Begegnung mit den guten alten Zeiten ihrer evangelischen Jugend, wenn sie sich zu Siegfried Fietz ins Konzert setzen. Dann warten sie voller Spannung auf den Moment, bis er die „Von guten Mächten“ singt. Er tut es, wie bei allem, mit ungebrochener Inbrunst und kann sich noch immer herrlich aufregen „über diese Kirchenmusiker und ihre Überheblichkeit“, die ihm bis heute die Anerkennung versagen.

Doch dabei braucht er sie eigentlich gar nicht mehr. Der Streit um die Melodien hat ihm nicht wirklich geschadet, sondern seinen Namen stets auch im Gespräch gehalten. Und längst gehört seine Melodie der guten Mächte (Regionalteil Nr. 541) genauso zum württembergischen Gesangbuch wie die von Otto Abel.



Information

Siegfried Fietz tritt auch immer wieder in Württemberg auf: Am 29. Oktober mit dem Luther-Porträt in Hessigheim und am 30. Oktober in Walheim. Am 16. November ist er mit Clemens Bittlinger und Manfred Siebald auf dem Schönblick (Telefon 07171-97070). Mehr über Siegfried Fietz im Internet unter www.abakus-musik.de