Christliche Themen für jede Altersgruppe

Namen sind Informationen

2. Mose 3,14  Gott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde.


Impuls zum Predigttext für den letzten Sonntag nach Epiphanias: 2. Mose 3,1-15.  Von Rainer Köpf

Rainer Köpf ist Pfarrer in Weinstadt-Beutelsbach. (Foto: privat)


Namen sind Informationen. Das gilt besonders für die beiden Hauptakteure unserer Geschichte: Mose und Gott. Der Name Mose heißt auf Deutsch: „Er ist aus dem Wasser herausgezogen worden.“ Durch den Einfallsreichtum seiner Mutter konnte Mose überleben. Sie hatte ihn in einem Binsenkörbchen im Nil ausgesetzt. Dadurch entkam ihr Sohn dem mörderischen Befehl des ägyptischen Pharaos, der alle neugeborenen hebräischen Knaben töten wollte. Durch eine glückliche Fügung wurde Mose von der Tochter des Pharaos im Schilf gefunden. Er wurde buchstäblich „aus dem Wasser herausgezogen“ und wuchs als Prinz am Hof des Pharaos auf. Sein Name erinnerte ihn beständig daran, dass er ein dem Tod Entronnener war und sein Leben ganz und gar der Gnade Gottes verdankte.

In der heutigen biblischen Geschichte erleben wir ihn viele Jahre später. Durch eine unüberlegte Handlung hat sich Mose ins politische Abseits begeben. Er hat im Affekt einen brutalen ägyptischen Sklavenaufseher erschlagen und muss in die Wüste Sinai fliehen. Beim Priester von Midian findet er Unterschlupf. Er heiratet seine Tochter und hütet dessen Schafe. Er, der am Hof das Regieren gelernt hat, zieht sich sozusagen ins Privatleben zurück. Er arbeitet unter seinen Möglichkeiten und ist für seinen Job als Hirte völlig überqualifiziert. Manchmal braucht es solche Zeiten des Rückzugs, in denen wir Kraft schöpfen für Neues.

Doch da redet plötzlich Gott mit ihm. Am Anfang ist es gar keine religiöse Geschichte, sondern eine sehr alltägliche Situation. Mose sucht Gras für seine Schafe und zieht deswegen auf höher gelegene Weideplätze. Dabei stößt er auf ein seltsames Phänomen. Aus einem brennenden, aber nicht verbrennenden Dornbusch heraus spricht Gott ihn an. Zweimal nennt er ihn bei seinem Namen: „Mose, Mose“. Als sollte seine Rettungsgeschichte in ihm wachgerüttelt werden. Auf diesem Hintergrund erfolgt Gottes Auftrag: „Als Geretteter geh nach Ägypten und rette deine Brüder und Schwestern, die dort als Sklaven leben. Befreie sie. Geh zum Pharao und sag ihm in meinem Auftrag: Lass mein Volk ziehen!“

Mose rennt nicht gleich los, sondern fragt zurück: „Was ist denn das für ein Gott, der mich da schickt?“ Gott stellt sich ihm daraufhin zweifach vor. Er schaut mit Mose einerseits in den geschichtlichen Rückspiegel und gibt ihm andererseits sein persönliches Namenskärtchen. Er sagt: „Ich bin kein neuer oder anderer Gott, sondern der, den du schon lange kennst. Der Gott eurer Väter Abraham, Isaak und Jakob. Der Gott, der von Anfang der Schöpfung war, der das Volk Israel geführt und dich gerettet hat.“  Und dann nennt Gott ihm seine persönlichen Kontaktdaten, seinen Namen: Jahwe. Das bedeutet „Ich werde sein, der ich sein werde“. Darin offenbart er sein Wesen, sein Programm. Die Sprachforschung tut sich schwer, den Gottesnamen Jahwe genau zu übersetzen. Seine tiefste Bedeutung entzieht sich unserm Verstehen. So wie Gottes Wesen für uns Menschen unverfügbar ist und er sich unserem letzten Begreifen entzieht. Was er allerdings in diesem Namen zu erkennen gibt, ist etwas höchst Lebendiges und Aktives. Der Gottesname „Jahwe“ meint ein „tätiges Sein“, ein „In-Bewegung-auf-uns-zu-Sein“. Gott ist kein schläfriger Gott, der hinterm Sternenzelt im Sessel ruht und sich die Geschichte der Menschheit teilnahmslos im Fernsehen ansieht. Sein Name zeigt: Gott ist ein höchst leidenschaftlicher, tätiger Gott. Ein Gott, der eingreift in die Geschichte der Welt, der die hebräischen Sklaven durch das Wasser des Schilfmeeres hindurchführt und sie zu freien Menschen macht und der uns klar macht: Namen sind Informationen und Rettung ist Gottes Programm.

Wie gut ist es, dass wir Christen nicht erst zum Sinai fahren müssen, um Gottes rettendes Handeln zu erleben. Wie gut ist es, dass in Jesus Christus Gottes Befreiungsprogramm Mensch geworden ist. Durch sein Kreuz und seine Auferstehung hat er uns aus der Sklaverei der Sünde und des Todes befreit. Durch das Wasser der Taufe hindurch führt er uns glaubend in die herrliche Freiheit der Kinder Gottes (Römer 8,21). Die lebensfeindlichen Mächte haben keinen Anspruch mehr auf uns. Wie gut, dass wir diesen Gott nicht mehr im brennenden Dornbusch suchen müssen, sondern dass er uns in seinem Wort und Sakrament begegnet, befreit und tröstet.

Gebet
Du Lebensquell, wir danken dir,
auf dich, Lebend’ger, hoffen wir;
denn du durchdrangst des Todes Nacht,
hast Sieg und Leben uns gebracht.

Johann Gottfried Herder, Evangelisches Gesangbuch Nr. 74,2