Christliche Themen für jede Altersgruppe

Singen und Beten

Apostelgeschichte 16,23-26 Nachdem man Paulus und Silas hart geschlagen hatte, warf man sie ins Gefängnis und befahl dem Kerkermeister, sie gut zu bewachen. Als er diesen Befehl empfangen hatte, warf er sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Block. Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und es hörten sie die Gefangenen. Plötzlich aber geschah ein großes Erdbeben, sodass die Grundmauern des Gefängnisses wankten. Und sogleich öffneten sich alle Türen und von allen fielen die Fesseln ab.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Kantate. Apostelgeschichte 16,23–34.  Von Hans-Ulrich Bosch 


Verdroschen werden und daraufhin Gott loben? Wer die Geschichte zum ersten Mal liest, schüttelt vielleicht den Kopf. Das Verhalten von Paulus und seinem Begleiter Silas erscheint merkwürdig, wenn nicht gar befremdlich. Was ging in den beiden vor?
Auf der zweiten Missionsreise wurden Paulus und Silas in Philippi, das im heutigen Griechenland liegt, misshandelt und ins Gefängnis geworfen. Zuvor hatte Paulus eine Sklavin, die den beiden tagelang schreiend nachgelaufen war, von ihrem Wahrsagegeist geheilt. Als die Besitzer der Sklavin realisierten, dass sie mit ihr kein Geld mehr verdienen konnten, ergriffen sie Paulus und Silas und schleppten die beiden vor die Stadtrichter. Die erteilten den christlichen Missionaren mit Stöcken eine Lektion und sperrten sie dann im bestgesicherten Teil des Gefängnisses ein. An diesem trostlosen und furchteinflößenden Ort sollten Paulus und Silas die Nacht verbringen.

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Überraschend ist aber, wie die zwei mit dieser Situation umgingen. Sie jammerten nicht über ihre Schmerzen. Sie klagten nicht über das erlittene Unrecht. Vor Angst hatte es ihnen auch nicht die Sprache verschlagen. Um Mitternacht begannen die beiden zu beten und Loblieder zu singen. Vielleicht stimmten sie Psalmgesänge aus dem Alten Testament an, die von Gottes rettendem Handeln in der Vergangenheit erzählen und Hoffnung wecken auf sein Einschreiten in der Zukunft. Wie als Antwort Gottes auf das Beten und Singen ereignete sich daraufhin ein Erdbeben. Die Macht der Oberen, die Paulus und Silas weggesperrt hatten, kam ins Wanken. Die Gefängnistüren öffneten sich, die Fesseln der Gefangenen gingen auf.

Nicht menschliches Handeln, sondern Beten und Singen markieren den Wendepunkt der Erzählung. Wenn wir beten, öffnen wir uns für Gott und sein Wirken. Wir werden von ihm angeredet und können ihm sagen, was wir auf dem Herzen haben. Wir spüren unsere Begrenzungen und erfahren: Wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit, da werden wir getröstet und mit neuer Kraft beschenkt. Wenn wir singen, sind Leib, Seele und Geist beteiligt. Singen ist etwas Ganzheitliches. Es hilft, eigene Empfindungen vor Gott zum Ausdruck zu bringen und Fingerzeige Gottes wahrzunehmen, die auf einer anderen Ebene als der des menschlichen Verstands liegen. So ermöglichen Beten und Singen uns, einzutauchen in die Wirklichkeit Gottes. Wir nehmen seine Gegenwart wahr und begreifen: Es gibt nicht nur unsere sichtbare Welt und unsere Sorgen und Probleme. Da ist auch Gott, der sich uns zuwendet wie ein guter Vater und eine gute Mutter. Er schenkt uns seinen Sohn Jesus, der für uns alles Schwere und den Tod überwunden hat. Das Licht der Auferstehung scheint von Ostern her in unsere Dunkelheit. Es erhellt und heilt unser Leben.

Paulus hat dies in seinem Leben erfahren. Durch die Begegnung mit Jesus wurde er zu einem fröhlichen und hoffnungsvollen Menschen, was er durch sein Singen und Beten im Gefängnis eindrucksvoll zum Ausdruck brachte. Paulus war sich gewiss, dass Jesus ihn unendlich liebt und sein Leben trotz Schwierigkeiten und Schwächen vollendet. Auch wenn sich im Leben nicht immer Türen öffnen und Fesseln lösen, lädt er uns ein, mit ihm einzustimmen in das Loblied von der Auferstehung Jesu. Wir alle können ein Lied singen von Zweifel und Einsamkeit, Unrecht und Scheitern. Das Thema, der Grundgedanke unseres Lebenslieds ist aber ein anderer! Martin Luther fasste ihn in diese Worte: „Singet dem Herrn ein neues Lied! Denn Gott hat unser Herz und Mut fröhlich gemacht durch seinen lieben Sohn, welchen er für uns gegeben hat zur Erlösung von Sünden, Tod und Teufel.“ Allerdings ist Singen heute nicht mehr so populär wie in früheren Zeiten. Aber wäre es nicht einen Versuch wert, Gefühle und Gedanken, Sorgen und Hoffnungen in einem Lied zum Himmel zu schicken und auf eine Antwort Gottes zu warten?


Gebet

Großer Gott, unser Herz ist voll Freude und Singen.
Du hast Jesus Christus von den Toten auferweckt
und schenkst uns durch ihn ewiges Leben. Zeige
uns, wie wir die Botschaft von Ostern an unsere
Mitmenschen weitergeben können, damit ihr
Leben hell wird. Amen.