Christliche Themen für jede Altersgruppe

Tipps gegen die Schuldenfalle

Wie kommt es dazu, dass Menschen sich verschulden? Und wie kann man einem finanziellen Verlust rechtzeitig vorbeugen? Bei dem Workshop „Fit in Finanzen“ an einer Kaufmännischen Schule in Stuttgart bekommen junge Leute Ratschläge, wie sie gut mit Geld umgehen können. 


Aufmerksam lauschen die Auszubildenden den Erklärungen. (Foto: Werner Kuhnle) 

Um kurz vor elf Uhr verteilt Gabriela Arnold rosa Karteikärtchen. Bevor sie die Schulstunde beginnt, bittet die Frau mit den blonden Haaren und der schwarzen Brille die 15 Berufsschülerinnen und -schüler, ihre Namen darauf zu schreiben. Dann stellt sie sich selbst kurz vor. „Ist es okay, wenn ich euch duze?“

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Nachdem das bestätigende Gemurmel verstummt ist, richtet sie eine erste Frage an die Klasse: „Hat jemand von euch schon eine eigene Wohnung?“ Vier Auszubildende melden sich. „Spätestens, wenn die erste Miete fällig wird, müsst ihr eure Ausgaben genau im Blick haben. Denn dann seid ihr für euch allein verantwortlich“, sagt die Jugendsozialarbeiterin. Und warnt vor der ersten Schuldenfalle: der Maklergebühr, die meist der Höhe von zwei Monatsmieten entspricht. „Die müsst ihr unbedingt mit einkalkulieren. Denkt daran: Wenn ihr das Geld nicht habt, ist es dem anderen egal.“

„Fit in Finanzen“ heißt der Workshop, zu dem die Auszubildenden im Einzelhandel sich an diesem Vormittag eingefunden haben. Das Seminar, das zwei Schulstunden umfasst, findet in der Kaufmännischen Schule 1 in Stuttgart, Außenstelle Süd, zum ersten Mal statt. „Viele unserer Lehrer haben angefragt, ob wir so etwas nicht anbieten können“, sagt Sozialarbeiterin Sadete Sheremeti. Insgesamt fünf Klassen hatten Interesse bekundet. Künftig wird der Workshop von der Schule selbstständig durchgeführt.

Gabriela Arnold unterstützt seit vielen Jahren junge Menschen im Umgang mit Geld. Die Psychologin und Jugendsozialarbeiterin von der Evangelischen Gesellschaft (eva) betreut derzeit unter anderem an der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule vier Klassen. Die Grundidee dabei ist, Jugendliche frühzeitig für finanzielle Ausgaben zu sensibilisieren, damit sie sich nicht verschulden.

Immer wieder erlebt sie, dass schon Auszubildende sich nicht auf die Schule konzentrieren können, weil sie sich in eine finanzielle Krisensituation hineinmanövriert haben. „Einer musste nachts als Türsteher jobben, um Geld zu verdienen und ist tagsüber beim Unterricht eingeschlafen“, erzählt sie. Auch hat sie schon erlebt, dass ein Vater Schulden auf Kosten seines Sohnes machte, indem er das Telefon auf ihn angemeldet hatte.

Mit solchen Beispielen stößt sie bei den Schülern, die im Schnitt 800 bis 850 Euro brutto verdienen, auf offene Ohren. Gabriela Arnold streift das Thema Autokauf, erklärt, was Brutto- und Nettolohn bedeutet, und nimmt Begriffe wie Renten-, Kranken-, Arbeitslosen und Pflegeversicherung genauer unter die Lupe. Und sie widmet sich ausführlich einem Thema, das sie für grundlegend hält, um die eigenen Finanzen im Griff zu haben: Budgetplanung.

Vor der Pause verteilt sie an jeden ein Blatt mit einer Einnahmen- Ausgabenübersicht für einen Monat und bittet die Auszubildenden darum, ihre kalkulierten Beträge in die Tabelle einzutragen. Was sind die fixen Kosten, zu denen Vereinsbeiträge, Fahrkosten oder Miete zählen? Wie steht es um unregelmäßige Ausgaben wie Handykosten, Essen, Kino, Drogerieartikel, Geschenke oder Urlaub?

Für Maurice, der wie die anderen den Impulsen von Gabriela Arnold aufmerksam lauscht, eine Bestätigung, dass er bislang seine Finanzen gut im Griff hat. „Ich gebe meine monatlichen Ein- und Ausgaben in eine App ein und achte darauf, mir etwas auf die Seite zu legen“, sagt der 21-Jährige.

In ein paar Monaten wird er mit seiner Ausbildung fertig sein und möchte dann in eine eigene Wohnung ziehen. Ihn interessieren vor allem verschiedene Versicherungsmöglichkeiten. „Was mache ich, wenn ich nach einem Unfall arbeitsunfähig bin?“ Auch auf das Thema geht die Seminarleiterin ausführlich ein.

Eindringlich rät sie davon ab, unüberlegt langfristige Verträge wie für Mobiltelefone oder beim Fitnessstudio abzuschließen. „Wer einen Jahres­vertrag unterschreibt, kommt da schwer wieder raus.“ Auf jeden Fall müssten solche laufende Kosten als Fixausgaben in die Budgetplanung mit eingegeben werden. Ebenso unregelmäßige Ausgaben wie etwa für Kleidung.

Auch wer für einen guten Freund bürge, könne leicht in eine prekäre finanzielle Situation geraten. „Das kann die eigene Existenz kosten, wenn es blöd läuft“, warnt Gabriela Arnold. Unregelmäßige Ausgaben wie etwa für Kleidung sieht sie kritisch: Zwei Monate wird gespart, doch dann ist ein neuer Wintermantel nötig. „Das müsst ihr genau beobachten und die Ausgaben dann auf einen Monat hin umrechnen.“ Wer Urlaube plane, müsse sich im Klaren darüber sein, dass er vorab etwas auf die Seite lege. Dasselbe gelte für den Führerschein.

Weitere Stolperfallen im Umgang mit Geld sind für sie Raten- und Leasingverträge. Vor allem, wenn der Betrag erst ein Jahr später abgebucht wird. Die eva-Mitarbeiterin widmet sich außer­dem dem Thema Dispokredit und appelliert an die jungen Auszubildenden, diesen nur in Ausnahmesituationen in Anspruch zu nehmen, wenn es gar nicht anders geht. „Das kostet unnötig viele Zinsen.“ Besser sei es, den Dispokredit zu streichen, um erst gar nicht ins Minus zu rutschen.

Ein wichtiges Kapitel nimmt das Thema Schufa ein, die „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kredit­sicherung“. Gabriela Arnold weist ­darauf hin, dass viele Vermieter sich eine Schufa-Auskunft holen. Sie gibt abschließend den Rat, die eigenen Einnahmen und Ausgaben immer im Blick zu behalten: „Wenn ihr das schafft, landet ihr nicht so schnell in der Schuldenfalle. Schaut, dass ihr immer einen Puffer habt, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert.“

Und wenn trotzdem die Verschuldung droht? „Dann stellt euch der Situation und sucht Hilfe. Es bringt nichts, die Mahnungen nicht zu öffnen und den Kopf in den Sand zu stecken“, sagt Gabriela Arnold, bevor es für die Schülerinnen und Schüler in die Mittagspause geht. Ohnehin rät sie den Auszubildenden dazu, transparent und offen zu kommunizieren, wenn Rechnungen nicht bezahlt werden können. Also lieber anrufen und fragen, ob die Rechnung drei Monate später beglichen werden darf. „Da stoßt ihr eher auf Verständnis, als wenn ihr gar nichts mehr von euch hören lasst.“