Christliche Themen für jede Altersgruppe

Überwältigende Nähe

Johannes 15,26–16,4 Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir. Und auch ihr seid meine Zeugen, denn ihr seid von Anfang an bei mir gewesen. Das habe ich zu euch geredet, damit ihr nicht abfallt. Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen. Es kommt aber die Zeit, dass, wer euch tötet, meinen wird, er tue Gott einen Dienst damit. Und das werden sie darum tun, weil sie weder meinen Vater noch mich erkennen. Aber dies habe ich zu euch geredet, damit, wenn ihre Stunde kommen wird, ihr daran denkt, dass ich‘s euch gesagt habe. Zu Anfang aber habe ich es euch nicht gesagt, denn ich war bei euch.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Exaudi: Johannes 15,26–16,4.  Von Wolfgang Marquardt

Wolfgang Marquardt ist Pfarrer in Stuttgart-Gaisburg.


Näher, als man sich denken kann, ja, noch näher, als man sich vorstellen kann, nicht auszumalen, noch näher, als wir glauben können, ist uns Jesus. Als wirksame Kraft in seinem Geist ist der da, nicht als bloße blasse Erinnerung oder Kulturgut, das irgendwie gut tut.

Ob wir wählen können? Er hat uns ja schon erwählt. Ob wir glauben können? Er glaubt ja schon an uns. Ob wir uns ihm nähern können? Er ist uns ja schon nahe gekommen und bleibt es auch. Bleiben wir ihm doch auf der Spur in seinem Wort, in seiner Gemeinde und in seinem Wirken in unserer ganzen Welt.

Die Jüngerinnen und Jünger der ersten Gemeinden fühlten sich nicht nur alleingelassen, sondern sie wurden auch von Römern und Juden angefeindet. In diese Zeit der ersten Christenheit sprechen diese Verse des Johannesevangeliums hinein.

Wie soll es denn nun weitergehen ohne Jesus? Kann es denn überhaupt weitergehen? Und wenn es weitergeht, ist es dann in seinem Sinne?

Zwischen Ostern und Pfingsten taumelt die erste Gemeinde irgendwie zwischen Trauer und Hoffnung, auch zwischen Selbstauflösung und Selbstfindung. Der, der sie gerufen hat, ruft er jetzt nicht mehr? Verhallt Jesu Ruf nun im Leeren und reiht sich seine Lehre ein in die Reihe der großen Menschheitslehren?

Aber sie werden überrascht vom Licht. In Erscheinungen offenbart er sich ihnen. Er weist Wege, die über sie selbst hinausweisen. Sie gehen nicht einfach seinen neuen Weg weiter, sondern er geht ihn mit ihnen und sie selber werden wie neu. Als solche neugeborenen Menschen gehen sie weiter im Osterlicht als die Erstgeborenen der neuen Schöpfung, gewiss tastend und bebenden Herzens, aber mit einer klaren Richtung und dem Beistand des Parakleten: ihr Anwalt, Beistand, Fürsprecher, Unterstützer, Tröster und Ermahner, der Dazwischenrufer, ja, der Heilige Geist selbst.

Und wir? „Wo einer dem andern neu vertraut“ heißt es in einem unserer geistvollen neuen Osterlieder (Evangelisches Gesangbuch, Nummer 551), in dem von den Osterspuren die Rede ist. Osterspuren sind ja durchaus zu finden: „Wo einer dem andern neu vertraut und mit ihm eine Brücke baut, um Hass und Feindschaft zu überwinden, da kannst du Osterspuren finden. Wo einer am Ende nicht verzagt und einen neuen Anfang wagt, um Leid und Trauer zu überwinden, da kannst du Osterspuren finden.“ Und dann münden die beiden Strophen ein in den Refrain: „Wo einer im Dunkeln nicht verstummt, sondern das Lied der Hoffnung summt, um Totenstille zu überwinden, da kannst du Osterspuren finden.“

Zwischen Verlassenheit und Anfeindung bahnt sich der Osterjubel seinen Weg. Es ist nicht der Jubel der immer erfolgreichen Sieger, aber derer, die in Jesu Namen aufstehen und weitergehen. Jesus ist da, ist als Abwesender anwesend und dynamisiert uns mit seinem Heiligen Geist zu machtvollem Tun. Stadt und Land und Erdkreis werden loben, was ihnen gefällt und anfeinden, was ihnen nicht passt, genauso wie früher schon.

Papst Franziskus macht diese Erfahrung und genauso auch wir. Ein Christ sei immer in Schwierigkeiten, absolut furchtlos und unendlich glücklich, meinte ein Quäker. Recht hat er. Die Nähe Jesu trägt den Keim des anbrechenden Reiches Gottes schon in sich und entfaltet sich, zaghaft zuweilen und mit Rückschlägen, mal mit verfrühtem Frost und immer in Gefahr, aber mit dem klaren Ziel der neuen Welt, in der Friede und Gerechtigkeit wohnt.

Dort sind wir noch nicht. Aber auf dem neuen Weg begleiten uns treue Weggefährten, stoßen neue hinzu, kommen verloren Geglaubte zurück und bleibt noch Hoffnung für die, die andere Wege gehen wollen. Näher als der Nächste ist uns Jesus in seinem Geist.

 

Ihr Gebet

GebetHerr, unser Gott, lieber Vater im Himmel, dein Trost ist uns näher als wir uns denken können. Leite uns in deiner Wahrheitund schenke uns Mut und Phantasie, in deinem Sinne zu handeln.Amen.