Christliche Themen für jede Altersgruppe

Verfolgt von magischen Tönen

MAULBRONN (Dekanat Mühlacker) – Andreas Grau und Götz Schumacher gehören als „Grau Schumacher Piano Duo“ zu den international renommiertesten Klavierduos. Musik ist für sie ein Lebenselixier, das sie auch Schülern nahe bringen möchten. Das ist auch das Ziel des Projekts „Minimal Music“, mit dem Internatsschüler des Klosters Maulbronn verblüffende Erfahrungen machen.  

Götz Schumacher im Kreise der Mailbronner Seminarschüler, die sich über die Praxisstunde freuen. (Foto: Astrid Link)

Hämmernde Akkorde erfüllen den Raum der altehrwürdigen Klosterschule. Andreas Grau und Götz Schumacher bearbeiten die zwei Flügel beeindruckend und intensiv. Die kurze Tonfolge des einen Instruments wird auf dem anderen leicht versetzt wiederholt. Grau spielt gleichmäßig weiter, während Schumacher mal lauter, mal leiser wird. Es scheint, als verfolge er die Töne des anderen Flügels, um sie irgendwann einzuholen.

Harmonisch klingt das nicht, trotzdem lauscht fast jeder der 20 Jugendlichen konzentriert der eigenartigen Musik. Manche sitzen mit geschlossenen Augen auf ihrem Stuhl, andere fixieren konzentriert einen bestimmten Punkt im Raum. Plötzlich herrscht Stille.

Es dauert ein paar Sekunden, bis begeisterter Applaus einsetzt und ein Schüler seinen Eindruck mit einem „voll krank, da dreht man doch ab“ in Worte fasst. „Die Musik drängt sich förmlich auf, man kann nicht einfach auf Durchzug schalten“, meint ein anderer. Weitere Reaktionen reichen von „entspannend“ über „anstrengend“ und „stressig“ bis „hypnotisierend“.

Minimal Music nennt sich dieser Musikstil, der in den 60er und 70er Jahren aus den USA nach Europa kam. „Das war damals eine Revolution. Die Musik hat eine spontane Wirkung, der man nicht entkommen kann“, erzählt Götz Schumacher. „Minimal Music ist eine Mischung aus afrikanischer, indischer und indonesischer Musik. Der Rhythmus besteht aus einem monotonen, eintaktigen Muster, das 20 Minuten wiederholt und dabei minimal verändert wird. Gerade durch die Wiederholung des ewig gleichen Musters, das ohne Melodie oder Harmonie auskommt, wirkt sie irgendwie magisch und kann bis zur Trance führen“, ergänzt Andreas Grau.

Die Grundlagen der Minimal Music demonstriert das Duo anhand der „Clapping Music“ des Komponisten Steve Reich. Der Klatschrhythmus im Muster 3-2-1-2 wird von ihnen vorgegeben und von den Schülern aktiv aufgenommen. „Diese sogenannten Drehungen sollen 12 bis 26 Mal wiederholt werden“, ergänzt Schumacher. Die Schüler der Klassen neun und zehn sind sich einig: diese Musik ist ungewöhnlich und nicht alltagstauglich, aber dennoch faszinierend, weil sie ganz anders klingt als die gewohnte. Damit haben Grau und Schumacher schon erreicht, was sie mit ihrem Projekt bezwecken: die Jugendlichen mit etwas völlig Neuem zu konfrontieren, und zwar praxisbezogen.

Dass sie die Schüler nicht mit Musiktheorie langweilen wollen, sondern diese lieber kreativ einbinden, ist ihnen wichtig. „Schließlich soll Musik Spaß machen. Wenn nur ein paar Schüler anschließend darüber reden, ist das schon ein Erfolg“, sagt Grau. „Minimal Music ist Teil der Musikgeschichte und steht nicht auf dem Lehrplan. Sie braucht keine Vorbildung, ist als Thema überschaubar und man kann gleich aktiv mitmachen. Das ist ideal für eine Schulstunde“, meint Schumacher.

Im Kloster Maulbronn spielt Musik sowieso eine wichtige Rolle. Die Schüler sind organisatorisch in die Klosterkonzerte eingebunden und besuchen sie auch. Viele spielen ein Instrument und bekommen in ihrer Freizeit im Internat Musikunterricht. Wenn die teilnehmenden Musiker der Klosterkonzerte anschließend für die Schüler Zeit haben, wird das natürlich gerne angenommen. Da Grau und Schumacher aus der Region um Maulbronn stammen, geben sie immer gerne ein Heimspiel. Wenn sie nicht gerade irgendwo in Europa unterwegs sind oder in Berlin, dem Hauptwohnsitz von Schumacher und Zweitwohnsitz von Grau, gemeinsam proben.

Die beiden sind viel beschäftigt, spielen seit 30 Jahren erfolgreich zusammen, treten mit renommierten Orchestern auf und bekommen von Komponisten eigene Stücke geschrieben. Trotzdem sind sie in ihrer Freizeit mit Elan dabei, jungen Menschen Musik nahe zu bringen. „Musik fördert die Wahrnehmung und die Kommunikation. Wer mit Minimal Music nichts anfangen kann, hat wenigstens seinen Horizont erweitert“, sagt Götz Schumacher. Das scheint den beiden mit ihrer Vorführung gelungen: Die Jugendlichen bestürmen sie mit Fragen, die das Duo ausführlich und humorvoll beantwortet.



Das „Grau Schumacher Piano Duo“ geht mit seinem Musikprojekt auch gerne an andere Schulen. Die Veranstaltung ist kostenlos. Information im Internet:  www.grau-schumacher.de