Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wenn das Glück zerbrochen ist

Markus 10,7–9 Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein. So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.


Impuls zum Predigttext für den 20. Sonntag nach Trinitatis: Markus 10,2–12.  Von Friedrich Langsam

Der promovierte Theologe Friedrich Langsam ist Dekan des Kirchenbezirks Ravensburg.



„Ehen werden im Himmel geschlossen, deshalb fallen viele Paare nach der Hochzeit aus allen Wolken.“ Dieser geistreiche Ausspruch bringt die Spannung auf den Punkt: Zwischen der Ehe, wie sie gedacht ist und wie sie erlebt wird, ist ein himmelweiter Unterschied. Und dieser Unterschied zwischen Grundgedanke und Wirklichkeit führt nicht selten über Enttäuschung und Verbitterung zur Scheidung.

Diese Erfahrung nutzen Jesu Gesprächspartner, um ihn aufs Glatteis zu führen. „Ist Scheidung erlaubt?“, so fragen die Gesetzestreuen den Lehrer. Und Jesus stellt eine Gegenfrage: „Was sagt Mose dazu?“ Die Antwort ist schnell gefunden: „Er erlaubt’s.“ Und damit verbindet sich die provokative Aufforderung: „Und du?“ Die Spannung steigt, wissen doch auch die Gesetzeskundigen, dass im Gesetz des Mose noch etwas anderes steht: Hat Gott nicht Mann und Frau füreinander geschaffen, dass sie in der Ehe eins werden? Wie sollten sie dann wieder geschieden werden dürfen?

Gottes Wille und die Erlaubnis des Mose stehen gegeneinander. Auf welche Seite wird sich Jesus schlagen? Vertritt er die Auffassung des Schöpfers, dann hat er Mose gegen sich. Stellt er sich hinter Mose, muss er erklären, warum er dessen Erlaubnis über den Schöpferwillen stellt. Das Eis ist dünn. An welcher Stelle wird es brechen?

Die Auseinandersetzung ist uns nicht fremd. Die einen gelten als Fundamentalisten und die anderen als Libertinisten. Dabei sind beide von ihrer Sache ganz überzeugt. Wenn etwas gilt, dann hat man sich danach zu richten, sagen die einen. Das Leben muss dem Recht entsprechen. Die andern fordern umgekehrt, die Regeln an die Wirklichkeit anzupassen. Welche Seite hat Recht?

Jesus überrascht alle, indem er beiden Anliegen Rechnung trägt. Nein, kein schiedlich-friedlicher Kompromiss, sondern beides wird ernst genommen. Gottes Gabe und Geschenk zeigen sich in seinem Willen. Er will unser Glück. Dabei bleibt es. Gibt es Größeres und Schöneres als wenn der Geliebte und die Geliebte zusammenfinden, sich trauen und in Treue verbinden? Verlassen sie nicht beide ihre Familien, um eins zu werden und eins zu bleiben?

Doch Jesus ist kein Idealist. Er weiß darum, dass unser Herz nicht nur in Liebe füreinander schlägt, sondern auch hart werden kann. Wie das aussieht, sehen wir nicht nur in den Filmen, sondern kennen wir auch aus dem privaten Umfeld. Wenn Ehepaare sich nichts mehr zu sagen haben, sich nur noch angiften oder gar regelrechte Rosenkriege führen.

Da ist das geschenkte Glück zerbrochen. Und jeder, der davon Zeuge wird, weiß, was das für die Betroffenen, ihre Familien und den Freundeskreis an Schmerz und Leid bedeutet. Wo solches passiert, kommen Geschenk und Gabe nicht zum Ziel. Denn wir sind von Haus aus nicht fähig zu solchem Glück.

„Um eures Herzens Härte willen“ ist Scheidung möglich. Sie ist Zugeständnis an die Wirklichkeit, Konzession an unser hartes Wesen. Es entspricht nicht der Gabe Gottes, kann ihr nicht entsprechen, weil wir Teil einer gefallenen Schöpfung sind. So bleibt im Extremfall nur die Trennung. Doch was eins geworden ist, wieder zu trennen, tut weh, reißt Wunden und hinterlässt Spuren und Narben.

So hat es Gott nicht gedacht und nicht gewollt. Der Schöpfer bleibt bei seinem Willen. Er will Glück und Erfüllung für sein Geschöpf. Und er will es schenken, indem er Mann und Frau zusammenfügt, verbindet, eins werden lässt, damit sie immer tiefer und inniger zusammenwachsen. Gerade weil darin Glück und Erfüllung liegt, legt uns Jesus ans Herz: „Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.“

Doch wie ist das zu schaffen? Beziehung ohne Krisen gibt es nicht. Sie sind keine Katastrophen, sondern Chancen. Enttäuschungen können helfen, dass sich die Partner neu und tiefer entdecken. Dafür braucht es Raum und Zeit und den Mut, sich einander anzuvertrauen. Ohne gegenseitige Aufmerksamkeit und Achtung geht das nicht. Und schließlich gilt ganz grundlegend: Nicht nur Gescheiterte, auch Liebende leben von der Vergebung, die uns geschenkt wird und die wir schenken sollen. So kann Neues und Überraschendes wachsen und reifen – zu menschlichem Glück und zu göttlicher Freude.


Ihr Gebet

 

Gebet

Gott der Klarheit,
du zeigst uns den Weg, den wir gehen sollen.
Und wenn wir entscheiden und handeln,
wie es deiner Weisung entspricht,
dann hilf uns, dass wir mutige Schritte wagen.
Durch Jesus Christus,
den Anfänger und Vollender unseres Glaubens.
Amen.

Aus: Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die EKU und die VELKD,
Verlagsgemeinschaft Evangelisches Gottesdienstbuch 2001, Seite 391.