Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wickeln, füttern, Trecker fahren

Kühe, Stroh und Stallgeruch? Ist das Urlaub? Ja. Familien, die dem Freizeitstress entkommen und ihren Kindern die Natur nahe bringen wollen, finden auf Bauernhöfen, was sie suchen. Und immer mehr Familien suchen genau das.


Für kleine Kinder ist der Kontakt mit Tieren ein Erlebnis. (Foto: Karin Vorländer)

Die langwierige Suche nach einem Urlaubsziel kann in dieser Familie entfallen. Silke und Christian Ergenschäfter aus Wasserburg wissen nämlich schon, wohin es geht: auf den Bauernhof. „Wenn unsere Kinder im Urlaub glücklich sind, sind wir es als Eltern auch“, begründen sie ihre Wahl. Auf dem Ferienhof in Otterndorf finden sie, was sie für sich und ihre Kinder Karolina (7) und Sohn Jonathan (2) für die kostbaren Urlaubswochen suchen: Nähe zur Natur, Ruhe und Entspannung jenseits normierter anonymer Bettenburgen.

Die Kinder können sogar bei Regen in der Spielscheune toben, im Zauberwald auf Entdeckungen gehen, sehen, wo das Frühstücksei herkommt, erleben, wie ein Brot gebacken wird. Sie dürfen beim Füttern helfen, beim Silomachen mal auf dem Trecker mitfahren, die Brötchen werden ans Ferienhäuschen geliefert – und das alles mit Familienanschluss.

Ute Mushardt ist gelernte Hotelbetriebswirtin und führt einen integrierten Landwirtschaftsbetrieb mit Getreideanbau und artgerechter Tierhaltung. Genau wie eine wachsende Zahl von Kollegen bietet sie als zweites wirtschaftliches Standbein Ferien auf dem Bauernhof an. Zudem ist sie Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft für Urlaub auf dem Bauernhof.

Allein auf deren Internet-Plattform „Landsichten“ sind rund 4000 anerkannte Urlaubsbauernhöfe, darunter auch 268 Biohöfe, zu finden. Für sie gelten strenge Qualitätsmerkmale, die alle drei Jahre vom deutschen Tourismusverband überprüft und mit Sternen ausgezeichnet werden.

Gäste, die sich für eine Unterkunft auf einem zertifizierten Bauernhof mit dem Schild „Anerkannter Urlaubsbauernhof“ entscheiden, können davon ausgehen, dass die Qualität in Sachen Ausstattung und Komfort stimmt. Zudem ist garantiert, dass sie  etwa einen Garten als Rückzugsort nutzen können und dass sie an einer Hofführung teilnehmen können. Auch Freizeitangebote wie Kräuterwanderung oder Brotbacken gehören zu einem anerkannten Urlaubsbauernhof. Zudem bieten diese Höfe regionale oder eigene Produkte an. Je nach eigener Lust und Laune ist auch die Mithilfe bei der Arbeit auf dem Bauernhof möglich.

„Bio ist in – nicht nur in Sachen Ernährung, sondern auch als Urlaubsort“, weiß Landwirt Carsten Niemeyer. Er hat auf seinem Biohof im historischen Ambiente des Rittergutes Brokeloh im ehemaligen Herren- und Pächterhaus Ferienwohnungen eingerichtet. Seine Landwirtschaft mit dem Anbau von Futtergetreide Erbsen und Mais hat er vor einigen Jahren auf „Öko“ umgestellt.

Außerdem hält er auf dem ehemaligen Sitz von Münchhausen heute Pferde und eine Mutterkuhherde mit ihren Kälbern. Für Carsten Niemeyers Biohof gilt die EU Verordnung für ökologischen Landbau, die den Einsatz von Pestiziden untersagt und genau festlegt, wie Biobauern ihre Felder, Wiesen, Obstplantagen oder Weinberge bewirtschaften und wie sie ihre Tiere halten müssen.

Carsten Niemeyer macht die Erfahrung, dass seine Feriengäste meist zu den schätzungsweise 30 Prozent der Deutschen gehören, die sich bewusst ernähren wollen und denen artgerechte Tierhaltung und zukunftsfähiges Wirtschaften am Herzen liegt. Wer auf einem Biohof Urlaub macht, sucht nicht nur Entspannung und Kontakt zur Natur, sondern will oft auch etwas zum sanften Wandel der Gesellschaft beitragen, so Carsten Niemeyers Einschätzung.

So wie das Lehrerehepaar Bettina und Maik Sprenger, die für sich und ihre Kinder ganz bewusst nach einem Biohof gesucht haben. „Wir wollen auch die ökologische Landwirtschaft unterstützen. Wir ernähren uns auch zu Hause von Naturkost und möglichst frischen Bioprodukten – und im Urlaub sind wir dann ja sozusagen an der Quelle“, sagt Maik Sprenger. Aus ökologischen Gründen lehnt er Urlaubs-Flugreise ab und hat deshalb bewusst nur innerhalb von Deutschland nach einem Biohof gesucht. Denn Angebote von Bio-Bauernhöfen gibt es mittlerweile auch europa- und weltweit.

Auch Biohof-Urlauber sind zum überwiegenden Teil Familien mit Kindern. Aber auch Großeltern mit ihren Enkeln oder alleinerziehende Eltern machen einen Großteil der Gäste aus. Sie suchen und finden auf dem Bauernhof neben der eigenen Entspannung auch Spielgefährten für die Kinder. Viele Höfe haben sich deshalb auf die Urlaubsgewohnheiten von Familien mit Kindern eingestellt. Der Internetzugang für die Eltern ist deshalb genauso wie Wickeltische, Kinderbetten und -stühle längst selbstverständlich.

Und der Preis für einen Urlaub auf dem Bauernhof? „Wir sind kein billiger Jakob und wollen es auch nicht sein“, betont Ute Maushardt. Sie wehrt sich gegen die Vorstellung, Urlaub in den gut ausgestatteten Unterkünften plus Zusatzangeboten sei zum Schnäppchenpreis zu haben. Preiswerter als eine „All inclusive“-Reise kann der Urlaub auf dem Bauernhof aber dennoch sein, wie sich beim Blick auf das Buchungsportal Landsichten schnell zeigt. Dort gibt es schon Angebote ab 31 Euro pro Nacht.

Auch die Befürchtung, ein Biohof Urlaub könne teurer sein als auf einem konventionellen Bauernhof, erweist sich als unbegründet. Nach einer Untersuchung von ECEAT Deutschland (Verein zur Förderung von sanftem Tourismus und ökologischem Landbau) ist der Preis auf Biohöfen ebenso wie auf herkömmlich bewirtschafteten Höfen abhängig vom Komfort, von der Urlaubszeit und von der angestrebten der Ferienregion. Auf Gut Brokeloh etwa liegt der Preis für eine Vier-Personen-Ferienwohnung zwischen 48 und 58 Euro pro Nacht – Naturerlebnis inklusiv.

Wer sucht, der findet. Die meisten Urlauber suchen inzwischen im Internet nach Angeboten, die ihrem Geldbeutel, ihren Bedürfnissen und ihren Vorstellungen entsprechen. Carsten Niemeyer, der selbst gern auf Biohöfen ausspannt, rät jedoch dazu, sich nicht ausschließlich auf die schönen Bilder und Angaben aus dem Netz zu verlassen: Sein Rat: Man sollte die eigenen Vorstellungen möglichst genau beschreiben können und dann unbedingt vor einer Buchung persönlich Kontakt aufnehmen. Dann zeige oft schon am Telefon, ob man für die  Urlaubswochen  zueinander passt.

Buch-Tipp

Manuel Liesenfeld (Herausgeber) und Kathrin Kommerell:

Wo Milch, Wurst und Wolle wachsen. Übers Jahr auf dem Bauernhof. Verlag der Evangelischen Gesellschaft, Stuttgart 2013, 104 Seiten, 19,95 Euro.

ISBN 978-3-920207-83-4.

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Information
Weitere Informationen gibt es in der 416-seitigen Broschüre „Urlaub auf dem Bauernhof 2014. Bauernhöfe, Landhäuser, Landhotels, Winzerhöfe, Reiterhöfe.“ DLG Verlag. 7,90 Euro. ISBN 978-3-7690-0824-1.



Im Internet gibt es Informationen unter folgenden Adressen:

www.landsichten.de;

www.eceat.de;

www.bio.de/tourismus.php;

www.urlaub-anbieter.com/urlaub-am-bauernhof.htm